Position

IHK Regionalausschuss Dachau zu den Kommunalwahlen 2020

Der IHK-Regionalausschuss Dachau‎ vertritt die 11.630 IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis Dachau. Mit Blick auf die am 15. März 2020 bevorstehenden Kommunalwahlen sind aus Sicht der regionalen Wirtschaft nachfolgende Handlungsfelder von besonderer Bedeutung für den Erhalt und die Stärkung des Wirtschaftsstandorts.

Inhalt

Fachkräfte sichern

Die Unternehmer in Dachau sehen gemäß der IHK-Standortumfrage 2019 den größten Handlungsbedarf für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens in der Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften. Zur Lösung sind vielfältige Maßnahmen erforderlich. Hierzu gehört auch die Förderung von beruflicher Aus- und Weiterbildung. Die unterdurchschnittliche Beschäftigungsquote bei Frauen weist auf ein brachliegendes Fachkräftepotenzial hin. Dieses könnte durch den flächendeckenden Ausbau flexibler Betreuungsstrukturen, ‎sowohl für Kinder ‎bis zu zwölf Jahren als auch für pflegebedürftige Angehörige, gehoben werden. Außerdem bedarf es Verbesserungen bei den Arbeitskonditionen in den Betreuungs- und Pflegeberufen.

Bürokratieabbau

Einen weiteren großen Handlungsbedarf sehen die regionalen Betriebe im Bürokratieabbau auf Ebene der Kommunen und des Landkreises. Eine bürokratiearme Verwaltung bringt Zeit- und Kostenersparnisse für beide Seiten, Unternehmen wie Verwaltung. In einer immer schnelleren und agileren Wirtschaft müssen Verwaltungs-, insbesondere Genehmigungsverfahren, vereinfacht und beschleunigt werden. Andere Landkreise in Oberbayern (z. B. Ebersberg und Traunstein) haben mit einer Zertifizierung nach RAL Gütezeichen Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung bereits vielversprechende neue Wege beschritten. Der Landkreis Dachau soll mit der RAL Gütegemeinschaft Gespräche aufnehmen. Von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort ist zudem ein systematischer und konsequenter Auf- und Ausbau digitaler Angebote für Unternehmen in der Verwaltung.‎ Der Landkreis Dachau soll einen Bürokratiecheck in Anlehnung an die Landes- und Bundesregelungen einführen.

Flächen für Gewerbe und Wohnen

Die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ist für den Landkreis Dachau von herausragender Bedeutung. Bestandsunter‎nehmen sind bei Erweiterungen genauso auf ein ausreichendes Angebot geeigneter Flächen angewiesen wie neue Betriebe. Ebenso steht das Thema bezahlbarer Wohn‎raum in engem Zusammenhang mit der Fachkräftesicherung. Durch die unmittelbare Nähe zur Stadt München mit einer dichten Bebauung im Süden des Landkreises sind die Möglichkeiten für die Ausweisung von geeigneten Flächen deutlich erschwert. Das Ziel muss es daher sein, vorhandene Flächen konsequent und unter Nutzung der rechtlichen Möglichkeiten, ggf. auch durch gezielte Anpassungen der örtlichen Satzungen, zu nutzen. Dazu gehört insbesondere, brachliegende innerörtliche Flächen zu aktivieren und für leerstehende Immobilien bei Bedarf eine Umnutzung zu ermöglichen. Weitere Chancen ergeben sich durch eine Nachverdichtung, z. B. durch höhere Geschossflächenzahlen, den Ausbau von Dachgeschossen oder grundsätzlich mehrgeschossige Wohn- und Gewerbebauten. Für eine strukturierte und landkreisweite Umsetzung sollte ein regionales Flächenmanagement eingeführt werden. Landkreis und Kommunen sind aufgefordert, eine vorausschauende Planung von Gewerbe- und Wohnbauflächen vorzunehmen, die interkommunale Zusammenarbeit zu intensivieren und wohnortnahe attraktive Arbeitsplätze zu schaffen.

Mobilität

Zur Sicherstellung einer zukunftsfähigen Mobilität bedarf es eines ganzheitlichen innovativen und nachhaltigen Ansatzes, der ein stabil verfügbares und breit gefächertes Verkehrsangebot im Landkreis Dachau bietet. Der ÖPNV bildet dabei das Rückgrat des Verkehrs. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es einer Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Nahverkehrs. Dazu zählt insbesondere der schienengebundene Verkehr zwischen Dachau und Altomünster, bei dem sich die kommunalen Vertreter beim Bayerischen Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als Besteller des S-Bahn und Regionalverkehrs für eine Taktverdichtung stark machen und außerdem den maximalen Ausbau von Park & Ride Anlagen voranbringen müssen. Auch eine bessere ÖPNV-Erschließung der westlichen Region des Landkreises zwischen Dasing und München ist dazu zwingend notwendig. In einem Verkehrskonzept mit hoher Mobilitäts- und Lebensqualität ist der Radverkehr als nachhaltiges Verkehrsmittel zu stärken. Von hoher Priorität ist dabei die Pflege und gegebenenfalls Instandsetzung des bestehenden Radwegenetzes aber auch der Lückenschluss, sowie eine einheitliche Beschilderung des Radwegenetzes. Zudem ist die Anbindung des Radwegenetzes an die Stadt München von hoher Bedeutung.

Ferner sollen sich die kommunalen Vertreter bei den entsprechenden Ministerien auf Landes- beziehungsweise Bundesebene für eine möglichst rasche Realisierung der dringend notwendigen Straßenverkehrsprojekte im Landkreis einsetzen. Dies sind insbesondere die Nord-/Ostumfahrung Dachau, der Entlastungstunnel Karlsfeld sowie die Errichtung eines Verkehrsleitsystems auf der A8 München-Augsburg.

Digitale Infrastruktur stärken

Eine flächendeckende und leistungsfähige IKT-Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für die digitale Zukunft der Unternehmen. Neben den Netzbetreibern, der Bundes- und Landespolitik sind hier auch die Landkreise und Kommunen gefordert, z. B. durch die Beteiligung an den Förderprogrammen zum Festnetz- und Mobilfunkausbau. Dabei muss der Fokus auf die besonderen Bedarfe von Unternehmen gerichtet werden. Bei der Breitbandversorgung muss auf Glasfaser gesetzt werden. Als Nachfragebündler haben die Kommunen zudem die Möglichkeit, Netzbetreiber von der Nachfrage vor Ort zu überzeugen - dann ist mitunter der Ausbau auch ohne Förderung denkbar. Darüber hinaus sind Kommunen gefordert, mit einfachen Genehmigungsverfahren z. B. den Tiefbau zu beschleunigen und Baugenehmigungen für Mobilfunkmasten schneller auszustellen und so auch die flächendeckende Verfügbarkeit neuer Technologien, wie z. B den Mobilfunkstandard 5G, zu beschleunigen.