IHK-Position zur Festnetz- und Mobilfunkversorgung

Gigabit für Unternehmen

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Eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur und ein stabiles, schnelles Mobilfunknetz sind die zentralen Voraussetzungen für digitales Wirtschaften.

Eine IHK-Umfrage im Mai 2018 unter Unternehmen offenbart ernüchternde Ergebnisse. Die IHK-Vollversammlung hat daraufhin im Juli 2018 das Positionspapier „Gigabit für Unternehmen“ mit 11 Vorschlägen zur Verbesserung der Situation beschlossen.

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Festnetz- und Mobilfunk: Für 40 % nicht zufriedenstellend

Im Mai 2018 befragte die IHK für München und Oberbayern ihre ehrenamtlich tätigen Unternehmer zur Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk. Das Ergebnis ist ernüchternd: Für rund 40 % der Unternehmen ist die aktuelle Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur nicht ausreichend.

Mobilfunk: Mangelhafte Telefonie- und Datenversorgung

Neben den Mängeln in der Festnetz-Gigabitversorgung rücken zunehmend Probleme mit dem Mobilfunk in den Vordergrund. Selbst auf Autobahnen gibt es Telefonie-Funklöcher.

Etwa zwei Drittel der Unternehmen berichten vor allem von unzuverlässigen Mobilfunknetzen am Unternehmensstandort oder im Außendienst. Gleichzeitig betonen sie die stark wachsende Bedeutung des Mobilfunks für ihre Tätigkeiten.

8 % der Unternehmen: Breitbandversorgung existenzgefährdend

Wenn dieser Mangel im Festnetz für die nächsten zwei Jahre bestehen bleibt, können 44 % der befragten Unternehmen nicht wie geplant expandieren, 13 % müssten Aufträge ablehnen und 8 % halten ihre aktuelle Breitbandversorgung für existenzgefährdend, sodass sie über einen Standortwechsel nachdenken.

Auf Ausfallsicherheit und Tempo kommt es an

Besonderen Wert legen Unternehmen bei der Breitbandversorgung auf eine hohe Ausfallsicherheit (64,8 %). Während für Haushalte und Privatverbraucher 50 bis 100 Mbit/s in der Regel ausreichend sind, benötigen viele Unternehmen höhere Up- und Downloadraten: Mit 52,8 % liegen 1 GBit/s deutlich vor den Geschwindigkeiten um 100 Mbit/s.

Dies zeigt, dass der Bedarf von 100 Mbit/s in vielen Unternehmen längst nicht mehr ausreicht.

11 Forderungen für ein besseres Breitband

  • Fokus auf Glasfaser legen:
    Nur reine Glasfaserprojekte (und nicht Vectoring) sollten gefördert werden.
  • Förderschwelle anheben und Auslegung überprüfen:
    Aktuell werden in Bayern mit 30 Mbit/s ausgebaute Gebiete nicht gefördert, da die EU dies angeblich verbietet: Einerseits soll diese MBit/s-Schwelle angehoben werden, andererseits lassen die EU-Regeln durchaus Förderungen zu.
  • Tiefbau-Abläufe beschleunigen:
    Die so gut wie ausgeschöpften Tiefbau-Kapazitäten sind ein Hauptgrund für den langsamen Breitbandausbau. Durch verbesserte Abläufe kann dies beschleunigt werden.
  • Alternative Verlegemethoden für Glasfaser in Betracht ziehen:
    Es sollte besser geprüft werden, ob alternative Verlegemethoden wie Microtrenching oder oberirdische Glasfaserleitungen zum Ziel führen können.
  • Ausbau ohne Förderung unterstützen:
    Mit staatlicher Unterstützung sollte die Nachfragebündelung vor Ort unterstützt werden, damit sich für die Netzbetreiber der Ausbau ohne Förderung lohnt.
  • Unternehmen unterstützen:
    Gefordert wird die unmittelbare Unterstützung für Unternehmen bei Breitbandproblemen, z. B. mit einer „Breitband-Hotline für Unternehmen“.
  • „Gigabit-Bonus“ einführen:
    Unternehmen mit Gigabit-Bedarf sollte man mit einem Gigabit-Bonus direkt unterstützen. Z. B. im Saarland werden 25 % der Baukosten gefördert.
  • Nationales Roaming ermöglichen:
    Die gegenseitige Nutzung von Mobilfunkinfrastruktur sollte möglich sein. Für Mobilfunkanbieter sollten Anreize geschaffen werden, dies bundesweit umzusetzen.
  • Frequenz-Versteigerungen zielführend gestalten:
    Die Ausbauverpflichtungen sollten angemessen gestaltet werden und die Versteigerungserlöse zum Schließen von Mobilfunk-Löchern verwendet werden.
  • 5G-Ausbau für Unternehmen in den Fokus rücken:
    Für Industrienetze sollten in ausreichendem Maß Frequenzen für lokale und betriebliche Anwendungen zur Verfügung gestellt werden.
  • 5G-Netzausbau unterstützen:
    Um das 5G-Netz mit vielen Antennen auszubauen, müssen Kommunen, Mobilfunkbetreibern, Festnetzanbietern sowie Tief- und Hochbaufirmen zusammenarbeiten. Gemeinsam können sie beispielsweise Standorte identifizieren und schnelle Genehmigungsprozesse schaffen.

Vollständiges IHK-Positionspapier „Gigabit für Unternehmen“