IHK Ratgeber

Nachhaltigkeitsberichterstattung

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© Karolina Grabowska von Pexels

Basierend auf der EU-Richtlinie zur CSR-Berichtspflicht gilt seit April 2017 in Deutschland das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG). Betroffene Unternehmen müssen bestimmte Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen. Am 21. April 2021 hat die EU-Kommission einen Richtlinienentwurf mit weitreichenden Änderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht, die voraussichtlich ab dem Berichtsjahr 2024 gelten werden.

Inhalt

Welche Unternehmen sind aktuell von der CSR-Berichtspflicht betroffen?

Die CSR-Berichtspflicht nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) betrifft aktuell Unternehmen,

  • die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen und die kapitalmarktorientiert sind.
  • Zudem betrifft sie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, unabhängig davon, ob sie börsennotiert sind.
  • Ihr Umsatz muss über 40 Millionen Euro liegen oder ihre Bilanzsumme über 20 Millionen Euro betragen.

Betroffene Unternehmen müssen in ihrem Lagebericht oder einem separaten Nachhaltigkeitsbericht u.a. nichtfinanzielle Informationen zu folgenden Themen offenlegen:

  • Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange
  • Achtung der Menschenrechte
  • Bekämpfung von Korruption und Bestechung
  • Diversitätskonzept für die Zusammensetzung der Unternehmensführung, der Kontrollgremien und des Aufsichtsrats

Das Gesetz sieht kein starres Format für die Berichterstattung vor. Für die Erstellung können nationale, europäische oder Nachhaltigkeitsberichtsstandards genutzt werden. In Deutschland finden insbesondere die Berichtsstandards der Global Reporting Initiative (GRI) sowie des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) Anwendung.

Detaillierte Informationen über die aktuelle CSR-Berichtspflicht finden Sie in dem IHK Merkblatt CSR-Berichtspflicht.

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Geplante Verschärfungen: Welche Änderungen hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung plant die EU-Kommission?

Die EU-Kommission hat am 21. April 2021 eine weitreichende Änderung der Nachaltigkeitsberichterstattung vorgeschlagen und den Entwurf für eine Corporate ‎Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorgelegt.‎

Dem Entwurf nach werden mehr Unternehmen als bisher zur Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsinformationen verpflichtet und die Berichtsinhalte durch EU-Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die Aufnahme der Informationen in den Lagebericht vereinheitlicht.

Die neuen Änderungen sollen dem Kommissionsentwurf nach für Nachhaltigkeitsberichte gelten, die ab dem 1. Januar 2024 veröffentlicht werden und betreffen somit bereits die Berichtsperiode 2023. Beratungen im Europäischen Parlamentund im Rat der EU deuten jedoch darauf hin, dass Unternehmen mehr Zeit für die Umstellung zugestanden wird und die neuen Vorgaben erst für die Berichtsperiode 2024 greifen werden.

Änderungsvorschläge der Europäischen Kommission im Detail:

  • Anwendungsbereich: Dem Entwurf nach soll die Berichtspflicht nicht mehr nur kapitalmarktorientierte Unternehmen einbeziehen, sondern alle Unternehmen, die zwei der drei folgenden Größenkriterien erfüllen:
    • Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Euro
    • Nettoumsatzerlöse von mindestens 40 Millionen Euro
    • mindestens 250 Beschäftigte.
  • Zusätzlich sollen kleine und mittlere Unternehmen ab zehn Mitarbeitern ab 2026 zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet werden, sofern eine Kapitalmarktorientierungvorliegt.
  • Inhalte:
    Zusätzlich zur doppelten Materialität sollen berichtspflichtige Unternehmen die grünen Finanzkennzahlen der Taxonomie-Verordnung (EU 2020/852) beachten und darstellen, wie und in welchem Umfang die Tätigkeiten des Unternehmens sowohl in Bezug auf Umsatz als auch Investitions- und Betriebsausgaben mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die im Sinne der Verordnung als ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten einzustufen sind.
  • EU-Standards:
    Die Berichtsinhalte und -struktur sollen mittels verbindlicher EU-Nachhaltigkeitsstandards dargestellt werden, die von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelt und danach von der Kommission als delegierte Rechtsakte erlassen werden. Die Verabschiedung der ersten Standards ist für Oktober 2022 angekündigt. Für kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen soll es einen separaten Standard geben.
  • Format:
    Berichtspflichtige Unternehmen sollen ab 2024 verpflichtet werden, Nachhaltigkeitsinformationen für das vorliegende Geschäftsjahr im Lagebericht darzustellen und mit einem digitalen Tagging zu versehen. Die Möglichkeit, den Nachhaltigkeitsbericht gesondert zu veröffentlichen, soll nicht mehr bestehen.
  • Prüfung:
    Die Nachhaltigkeitsinformationen sollen dem Entwurf nach künftig dem Abschlussprüfer oder einem unabhängigen Dienstleister zur „Erlangung einer begrenzten Sicherheit“ vorgelegt werden.
  • Verantwortung:
    Das Management soll aktiv und nachweislich die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung tragen. Der Bilanzeid, der sich bislang nur auf die Finanzberichterstattung bezieht, soll so auf den ‎Nachhaltigkeitsbericht ausgeweitet werden ‎Weiterhin ist der Aufsichtsrat wie bislang schon verantwortlich für die Überwachung der Berichterstattung.‎

Im nächsten Schritt wird das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten im Rat auf der Grundlage des ‎Vorschlags der Kommission einen endgültigen Gesetzestext aushandeln. Die Einigung wird noch in 2022 erwartet. ‎Parallel dazu werden die EU-Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung durch die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelt.

Die IHK für München und Oberbayern setzt sich dabei für eine praktikable Lösung ein, die insbesondere den Anforderungen und Bedürfnissen von Unternehmen, die erstmals unter die Berichtspflicht fallen oder als Zulieferbetriebe zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen aufgefordert werden, Rechnung tragen (vgl. Position CSRD der IHK für München und Oberbayern).

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Welche Chancen bietet ein Nachhaltigkeitsbericht?

Nachhaltigkeitsberichterstattung ist insbesondere für Unternehmen ein Thema, die selbst oder deren Kunden der CSR-Berichterstattungspflicht der Europäischen Union unterliegen oder in den Anwendungskreis des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz fallen. Sie werden aller Wahrscheinleichkeit nach zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen aufgefordert.

Doch nicht nur der Gesetzgeber verlangt zunehmend von Unternehmen die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen. Auch Investoren, Kunden, Geschäftspartner und andere Stakeholder verlangen mehr Transparenz von Unternehmen über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft.

Ein Nachhaltigkeitsbericht bietet daher vielseitige Chancen:

  • Mit Hilfe des Nachhaltigkeitsberichts kann Nachhaltigkeit strukturiert im Unternehmen verankert werden, wie der CSR-Praxisleitfaden für KMU von BIHK und STMAS in sieben Schritten aufzeigt.
  • Nachhaltigkeit wirkt sich vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung von Sustainable Finance positiv auf Kapitalbeschaffung, Kostenstrukturen und Absatzvolumen aus.
  • Der langfristige Unternehmenserfolg und -wert lässt sich nicht mehr einzig aus der Finanzsituation beurteilen, sondern muss insbesondere die Chancen und Risiken eines Unternehmens im Zusammenspiel mit seinem Umfeld reflektieren. So stehen Umwelt-, Sozial- und Governance-Belange in enger Wechselwirkung mit der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

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Wie erstellt man einen Nachhaltigkeitsbericht?

Für Erstanwender finden sich ausführliche Leitlinien zur Erstellung des ersten Nachhaltigkeitsbericht auf den Websites der entsprechenden Berichtsstandards. So stellt der Deutsche Nachhaltigkeitskodex beispielsweise in der Orientierungshilfe für Einsteiger die zentralen Schritte zur erfolgreichen Nachhaltigkeitsberichterstattung nach DNK vor. Auf den Seiten der Global Reporting Initiative finden Sie ein eigenes Resource Center, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmen unterstützen soll.

Auch die IHK-Organisation hat in Zusammenarbeit mit VBA und Deloitte den Leitfaden In fünf Schritten zum Erfolg: Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU auf den Weg gebracht, der die geplanten Änderungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Europäischen Kommission erläutert und die Schritte hin zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung vorstellt.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist oftmals ein bestehendes Umweltmanagementsystem und die entsprechende Berichterstattung der Ausgangspunkt für eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung. Über die EMAS-Umwelterklärung werden beispielsweise bereits viele der benötigten Inhalte und Kennzahlen des Ökologiebereichs der verbreiteten Nachhaltigkeitsberichtsstandards abgedeckt. Weitere Informationen zum Zusammenspiel des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements finden Sie im EMAS-Leitfaden der bayerischen IHKs und auf der Ratgeberseite zum Nachhaltigkeitsmanagement.