Arbeitszimmer bei nicht ausschließlich betrieblicher Nutzung

Wie kann ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden? Die IHK informiert über die einkommensteuerrechtliche Behandlung der Aufwendungen.

Viele Selbstständige aber auch Arbeitnehmer nutzen einen oder mehrere Räume ihrer privaten Wohnung für betriebliche und/oder berufliche Zwecke.

Aufgrund des Steueränderungsgesetzes 2007 wurde ab dem 1. Januar 2007 ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann steuerlich anerkannt, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellte. Das Bundesverfassungsgericht erklärte diese Regelung in seinemUrteil vom 6. Juli 2010 (Az.: 2 BvL 13/09)insoweit für verfassungswidrig, als das Abzugsverbot Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer auch dann umfasst, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Es forderte den Gesetzgeber auf, rückwirkend auf den 1. Januar 2007 den verfassungswidrigen Zustand zu beseitigen. Dieser Aufforderung kam der Gesetzgeber nun im Jahressteuergesetz 2010 nach und lässt rückwirkend ab dem 1. Januar 2007 die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer bis zu einem Betrag von 1.250 € wieder zum Betriebsausgaben-/ Werbungskostenabzug zu, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, gilt die Beschränkung der Höhe nach nicht.

Erstattungen ergeben sich insbesondere in allen Fällen, in denen die Bescheide noch offen sind. Näheres können Sie aus demSchreiben des Bundesfinanzministeriums zu den verfahrensrechtlichen Folgen aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 6. Juli 2010 (Az.: IV A 3-S 0338/07/10010-03) entnehmen. Von der Neuregelung profitieren werden grundsätzlich diejenigen Steuerpflichtigen, denen in ihrem Betrieb kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht und die im häuslichen Arbeitszimmer ihre betriebliche bzw. berufliche Tätigkeit ausüben.

Ein häusliches Arbeitszimmer liegt nicht vor, wenn es sich zwar in einem vom Steuerpflichtigen allein genutzten Mehrfamilienhaus befindet, aber außerhalb des privaten Wohnbereichs liegt, über einen separaten Eingang verfügt und nicht durch einen direkten Zugang mit den Wohnräumen verbunden ist. Aufwendungen für ein solches außerhäusliches Arbeitszimmer sind in vollem Umfang abzugsfähig.

Näheres zum häuslichen Arbeitszimmer erfahren Sie in dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. März 2011 (Az.: IV C 6 S 2145/07/10002).

Unter den zusätzlichen Verlinkungen finden Sie das Jahressteuergesetz 2010 sowie Informationen zur Frage, ob der Kostenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer die ausschließliche betriebliche bzw. berufliche Nutzung voraussetzt oder ob eine Kostenaufteilung möglich ist.