IHK Ratgeber

Der steinige Weg des Brexits geht weiter

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Die Verhandlungen über die Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich laufen auf Hochtouren. Bis spätestens 30. Juni 2020 hätte das VK noch Zeit eine Verlängerung der Übergangsphase zu beantragen. Allerdings hat die britische Regierung bereits offiziell angekündigt, die Übergangsphase nicht verlängern zu wollen. Damit ist klar, dass die Abkommen über eine wirtschaftliche und justizielle Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich noch in diesem Jahr ausgehandelt werden müssen, sonst droht zum 31. Dezember 2020 ein harter Brexit.

Außerdem hat die britische Regierung inzwischen angekündigt, die geplannten Grenzkontrollen für EU-Güter, ‎die nach Großbritannien importiert werden, am Ende der Übergangszeit bis zum 31. Juli 2021 in drei Stufen einzuführen, ‎um den vom Coronavirus betroffenen Unternehmen mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Mehr ‎Informationen darüber finden Sie hier.

Checkliste: Bin ich vom Brexit betroffen?

Mein Unternehmen hat Handelsbeziehungen mit Partnern in Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
In meiner Lieferkette gibt es Vorprodukte aus Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Unsere Geschäftspartner in Großbritannien planen ggf. ihre Produktion (oder Teile davon) zu verlagern.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Wir führen genehmigungspflichtige Produkte aus.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Mein Unternehmen entsendet regelmäßig Mitarbeiter in das Vereinigte Königreich.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
In unserem Unternehmen sind Mitarbeiter im Vereinigten Königreich ohne britische Staatsbürgerschaft beschäftigt.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
In unserem Unternehmen sind britische Staatsbürger im EU-27 Gebiet ohne zusätzliche deutsche oder anderweitig europäische Staatsbürgerschaft beschäftigt.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
Ich habe bestehende Verträge mit britischen Vertragspartnern. Unterliegen diese Verträge britischen Recht bzw. britischer Gerichtsbarkeit?Zur Handlungsempfehlung Recht
Wir planen derzeit neue Verträge mit britischen Vertragspartnern.Zur Handlungsempfehlung Recht
Wir übermitteln personenbezogene Daten zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Es existieren in unserem Unternehmen britische Gesellschaften, die personenbezogene Daten verarbeiten.Zur Handlungsempfehlung Recht
In meinem Unternehmen gibt es Warenströme zwischen Großbritannien und einem weiteren EU-Mitgliedsstaat (nicht zwingend Deutschland). Dabei werden verbrauchsteuerpflichtige Waren in das VK geliefert oder von dort bezogen.Zur Handlungsempfehlung Steuern
Ich bin Speditionsunternehmer oder versende viele Waren nach UK.Zur Handlungsempfehlung Transport & Logistik
Unser Unternehmen hat Bankkonten bei britischen Banken.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Unser Unternehmen hat Kredite bei britischen Kreditinstituten.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Mein Unternehmen arbeitet mit britischen Wirtschaftsprüfern zusammen.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Mein Unternehmen plant oder tätigt bereits Investitionen in Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen

Handlungsempfehlungen

Nach Ende der geplanten Übergangsphase besteht weiterhin die Möglichkeit eines Harten Brexits. Daher sind die folgenden Handlungsempfehlungen zu berücksichtigen.

Wenn die EU und das VK sich nicht einigen können, tritt am 1. Januar 2021 ein harter Brexit ein. Gerade in diesem Fall wird es zu gravierenden Änderungen für die bilateralen Geschäfte mit dem VK kommen. Daher sollten Sie Ihr Unternehmen jetzt dringend mit Notfallplänen auf alle möglichen Szenarien vorbereiten. Die folgenden Informationen helfen Ihnen dabei.

Warenverkehr / Zoll

Während der Übergangsphase bleibt das VK ein Teil des Binnenmarktes und der Zollunion.

Nach der Übergangsphase wird es allerdings auch im Falle eines Freihandelsabkommens zu Zollformalitäten kommen. Für Unternehmen aus Bayern mit direktem Großbritannien-Geschäft bedeutet dies, dass es eine Rückkehr bzw. Einstieg zu Zollanmeldungen und einer entsprechenden Abfertigung durch den Zoll geben wird.

Eine besonders große Umstellung bedeutet der Brexit für:

  • Unternehmen, die ihre Waren bisher ausschließlich aus der EU beziehen
  • Unternehmen, die nur an Kunden innerhalb des Europäischen Binnenmarkts liefern
  • Unternehmen mit britischen Lieferanten oder Kunden

Gerade für diese Unternehmen ist es an der Zeit, sich umgehend mit den Export-Regeln zu beschäftigen. EORI-Nummer, Warennummer / Zolltarifnummer, Zollanmeldungen, Ursprungsregeln, Präferenznachweise, Präferenzkalkulationen und Exportkontrolle spielen dann unter anderem eine Rolle.

Mit besonderer Sorgfalt sollten Unternehmen ihre Betroffenheit prüfen, die britisches Vormaterial für ihre Produkte verwenden und bestehende Freihandelsabkommen mit Drittländern nutzen. Denn Waren aus Großbritannien gelten während der Übergangsphase nicht automatisch als EU-Ware. In die Berechnung des EU-Ursprungs fließen sie dann als Vormaterial ohne Ursprungseigenschaft ein. Es kann also sein, dass die Verwendung von britischem Vormaterial zum Verlust der Ursprungseigenschaft und damit zum Verlust der Präferenz (Zollvergünstigung) führt.

Bayerische Unternehmen können auch während der Übergangsphase vom Brexit betroffen sein, wenn sie britisches Vormaterial für ihre Produkte verwenden und ihre Produkte nur innerhalb der EU verkaufen. Und zwar dann, wenn sie Lieferantenerklärungen ausstellen. Bei Lieferantenerklärungen liegen ebenfalls Ursprungskalkulationen zu Grunde. Wenn das bayerische Unternehmen nun keine Lieferantenerklärung mehr ausstellen kann, weil die britische Ware keine EU-Ware mehr ist, der Kunde aber für seine Kalkulation EU-Ware benötigt, kann es sein, das man den Kunden verliert.

Hinweis: Bayerische Unternehmen sollten umgehend den Anteil der britischen Vorerzeugnisse genau ermitteln und ihren Wert berechnen. Bayerische Verarbeiter sollten dies beim Einkauf berücksichtigen und sich ggf. zeitgerecht nach anderen Zulieferern umsehen. Im Zusammenhang mit Zollanmeldungen müssen sich Unternehmer mit Warennummern und EORI-Nummern beschäftigen. Britische Wertschöpfungsanteile von Drittstaaten können zum Teil bei der Präferenzkalkulation als nicht mehr ursprungsbestimmend für EU-Präferenzware akzeptiert werden. Erfahren Sie mehr hierzu unter Brexit und Zoll.

Zum IHK-Leitfaden: Brexit und Zoll
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Dienstleistungsverkehr

Das Recht der Personenfreizügigkeit ist Basis für den uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt. Es erlaubt EU-Bürgern, in einem anderen EU-Land beruflich tätig zu werden, ohne zuvor eine Arbeitserlaubnis oder eine Einreisegenehmigung beantragen zu müssen.

Bis zum Ablauf der Übergangsfrist des Austrittsabkommens zum 31.12.2020 ändert sich für die nach Großbritannien entsandten oder dort bereits lebenden deutschen und anderen EU-Staatsbürgern nichts.

Sofern jedoch im Laufe des Jahres im Rahmen der beruflichen Tätigkeit eine längerfristige Verlagerung des festen Wohnsitzes ins Vereinigte Königreich ansteht, sollten die Betroffenen die aktuellen offiziellen Informationen und Empfehlungen der britischen Regierung unter www.gov.uk/visit-europe-brexit/business-travel (Entsendung) oder www.gov.uk/prepare-eu-exit (Aufenthaltsstatus) verfolgen oder sich bei der IHK über den aktuellen Sachstand erkundigen. Die gilt zur Sicherheit auch für mittel- und kurzfristige Entsendungen, die über den Jahreswechsel 2020/21 erfolgen werden

Nach dem Austritt zum 31.01.2020 sind zwei Gruppen von Mitarbeitern zu unterscheiden:

  • EU-Bürger/innen, die sich entsprechend dem EU-Freizügigkeitsrecht am Tag des Brexit rechtmäßig im Vereinigten Königreich befinden, fallen unter die Vereinbarungen des Austrittsabkommens (dauerhaftes Bleiberecht). Für den rechtmäßigen Aufenthalt gelten dann dieselben Voraussetzungen wie nach derzeitigem EU-Recht. Es gibt somit bis Ende 2020 keine Änderungen bezüglich der Rechte und des Statuses von EU-Bürgern, die im Vereinigten Königreich leben. Falls sich EU-Bürger für einen "settled status" bewerben möchten, um darüber hinaus weiterhin in UK leben zu können, ist das über diese Webseite möglich. Die Bewerbung ist derzeit bereits vollumfänglich möglich.
    Bei einem immer noch möglichen harten Brexit hat die britische Regierung bereits umfangreiche Rechte für in Großbritannien lebenden EU-Bürger zugesichert. Diese gelten für diejenigen EU-Bürger, die sich bis zum tatsächlichen Austritt des VK aus der EU zum 31. Januar 2020 dauerhaft im Vereinigten Königreich niedergelassen haben. Eine Übersicht über diese Rechte können Sie sichunter diesem Link verschaffen. Voraussetzung dafür ist jedoch die rechtzeitige Bewerbung für einen "settled status" und die Genehmigung dieser durch die britischen Behörden.
  • Entsendung von Mitarbeitern: Bei EU-Arbeitnehmern, die kurzzeitig aus den EU-Mitgliedstaaten in das Vereinigte Königreich entsendet werden, ist zu beachten, dass bei einem eventuellen harten Brexit zum 31.12.2020 die Entsenderichtlinie keine Gültigkeit mehr besitzt und in Großbritannien eigenständige Regelungen geschaffen und andersartige Verfahren eingeführt werden, die vom EU-Standard abweichen können (Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung). Auch die Visumsfrage ist noch nicht final geklärt. Sollte es zu einem harten Brexit kommen, kann die Erbringung von Dienstleistungen lediglich nach WTO-Regeln erfolgen, d. h. dass gewisse Tätigkeiten sogar komplett ausgenommen sein könnten. Die britische Regierung hat bereits angekündigt, ein komplett neues „Immigration Law“ zum 01.01.2021 zu schaffen, das auch Regelungen für die Arbeitnehmerentsendung im mittel- und kurzfristigen Bereich beinhalten kann.

Hinweis: Sendet ein Unternehmen regelmäßig Mitarbeiter in das Vereinigte Königreich, so sollte es sich frühzeitig und umfassend vor jeder Entsendung über mögliche Änderungen der Regelungen informieren. Die Verfahren der britischen Behörden werden in jedem Fall länger dauern als bisher. Zudem sollten in neuen Verträgen mit Geschäftspartnern Auffangklauseln für die Übernahme der Mehrkosten für neue umfangreichere Verfahren vorgesehen werden, die aus der Entsendung entstehen können. Gründe für Mehrkosten können sein: einzelfallbezogene zeitaufwändige Genehmigungsverfahren, ein möglicher Wegfall automatischer Anerkennungen von Qualifikationen und Berufsausbildungen, ggf. Visabeschaffung und andere bürokratische Auflagen. Ein denkbarer Ausweg für bayerische Unternehmen ist die Gründung einer britischen Tochtergesellschaft, die dann als lokaler Arbeitgeber fungiert.

Die sog. A1-Bescheinigungen, die bei einer beruflichen Tätigkeit im Vereinigten Königreich und auch im übrigen EU-Ausland mitzuführen sind, um vor den nationalen Behörden des Ziellandes den Nachweis einer bestehenden Sozialversicherung (Kranken- und Rentenversicherungsschutz) sowie einer Versicherung bei Arbeitsunfällen führen, gelten im Rahmen des Austrittsvertrags auch für die Übergangsfrist bis zum 31.12.2020 weiter. Sie sind bei den zuständigen deutschen Sozialversicherungsträgern zu beantragen, i. d. R. über ein online-Antragsverfahren. Weitere Informationen finden Sie hier: www.ihk-muenchen.de/de/Service/Internationalisierung/EU-im-Fokus/Entsendung/

Soweit vorübergehend bis zum Brexittermin am 31.01.2020 einige Stellen keine Bescheinigungen im Online-Antragsverfahren ausgestellt haben, ist davon auszugehen, dass dies nach der vollständigen Ratifizierung des Austrittsabkommens zum Ende der KW 5/2020 wieder wie üblich erfolgen wird.

Weitere Informationen zu den Rechten der Bürger/innen der EU-27 und des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit finden Sie im Factsheet der Europäischen Kommission

Weitere Informationen zum dauerhaften Aufenthaltsrecht von EU-Bürgern/innen im Vereinigten Königreich finden Sie auch auf der Webseite der britischen Regierung

Zum IHK Leitfaden: Brexit und Dienstleistungen
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Recht

Während der Übergangsphase wird das VK weiter wie ein Mitgliedstaat ‎behandelt. Das Recht der EU und alle während dieser Zeit von der EU erlassenen ‎Rechtsvorschriften gelten weiter. Wie es danach weiter geht, müssen die EU und ‎das VK noch verhandeln, denn nach dem Ende der Übergangsphase ist das ‎Vereinigte Königreich als Drittstaat anzusehen.

Der deutsche Gesetzgeber hat für die Übergangsphase ein Brexit-Übergangsgesetz ‎erlassen, das am 1. Februar 2020 in Kraft tritt. Das Gesetz sieht unter anderem vor, ‎dass bis zum Ende der Übergangsphase alle Regelungen mit europäischem Bezug ‎das VK als EU-Mitgliedstaat behandelt. Für die Rechtsbeziehungen zwischen den ‎Unternehmen aus Bayern und dem VK ändert sich deshalb vorläufig nichts. ‎Scheitern allerdings die Verhandlungen zwischen der EU und dem VK bleibt die ‎Gefahr eines harten, ungeregelten Brexit. ‎

Welchen räumlichen Geltungsbereich haben Verträge und welche internationale Zuständigkeit gilt im Fall von Streitigkeiten? Sollten Sie laufende Verträge überprüfen oder anpassen? Im Rechtsbereich sind viele Fragen noch offen. Neue und laufende Verträge sollten von Unternehmen in Bayern mit Blick auf die mit dem Harten Brexit verbundenen Risiken sorgfältig geprüft werden. Was muss zum Beispiel beachtet werden, wenn ein britischer Vertragspartner eine „Brexit-Sicherheitsklausel“ in einen grenzüberschreitenden Vertrag einbauen möchte?

Hinweis: Sie sollten bei neuen Verträgen berücksichtigen, dass der Brexit nach dem Ende der Übergangsphase mögliche Auswirkungen auf das laufende Vertragsverhältnis hat. Diesen Risiken können Sie mit Kündigungs- oder Vertragsanpassungsklauseln begegnen.

Tipp für eine Brexit-Klausel: Aufgrund der Unsicherheit über zukünftige Rahmenbedingungen kann eine sinnvolle Brexit-Klausel in einem Vertrag, der während der Übergangsphase abgeschlossen wird, vorsehen, dass beide Parteien in einem kurzen Zeitraum nach dem tatsächlichen Austritt den Vertrag kündigen können.

Weitere wichtige rechtliche Aspekte für die Zeit nach der Übergangsphasebetreffen die Regelungen zum Gerichtsstand und zur Vollstreckungvon rechtskräftigen Titeln, den Markenschutz, Zertifizierungen, das Gesellschaftsrecht und Niederlassungen sowie den Datenschutz. Beispielsweise müssen Sie nach dem Brexit gewerbliche Schutzrechte in Großbritannien national oder über IR-Marken anmelden.

Haben Sie Fragen?
Zum IHK Leitfaden Brexit und Recht
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Steuern

Welche steuerlichen Auswirkungen durch den Brexit zu erwarten sind, ist bisher noch nicht abzusehen.

Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es für Unternehmen in Großbritannien und Europa mit Wirkung ab dem 1. Januar 2021. Dennoch kann bereits vorher Handlungsbedarf bestehen. Unternehmen sollten jetzt steuerliche Rechtsbereiche im Auge behalten, wenn Investitionen im Königreich geplant sind oder Geschäftsbeziehungen bestehen. Anpassungen innerbetrieblicher Verfahrensabläufe werden notwendig sein, zum Beispiel bei Warenlieferungen bzw. Dienstleistungen ins Vereinigte Königreich und dem Umsatzsteuerausweis in Rechnungen. Zudem kann der Brexit rückwirkend auf Rechtsverhältnisse wirken, beispielsweise durch das Nichtbeachten von Sperrfristen. Unter anderem müssen Unternehmen in den Bereichen Zinsen und Lizenzgebühren sowie bei Gewinnausschüttungen mit Änderungen rechnen. Wenn ein Unternehmen verbrauchsteuerpflichtige Waren aus einem EU-Mitgliedstaat nach Großbritannien liefert oder von dort bezieht, sollte es sich über steuerliche Implikationen des Brexit informiert halten.

Zum IHK-Leitfaden: Brexit und Steuern
DIHK-Factsheet zu den Auswirkungen auf Steuern durch den Brexit
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Transport und Logistik

Welche Änderungen gibt es in der grenzüberschreitenden Logistik? International tätige Speditionen und Produktionsunternehmen mit Sitz in Bayern profitieren bislang vom uneingeschränkten EU-Binnenmarkt, der auf dem freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital basiert. Fällt der freie Warenverkehr weg, müssen Unternehmen mit höheren Kosten rechnen.

Im Falle von wieder erhobenen Zöllen ("Hard Brexit") entstehen direkte Zollkosten und indirekte Mehrkosten, u.a. durch den erhöhten Zeitaufwand, Bürokratie und Grenzkontrolle.

Im Falle von Transitverkehr über Großbritannien nach Irland über die sogenannte Landbrücke, kann es durch zusätzliche Kontrollen zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Daher sollten Alternativrouten geprüft und ggf. in Anspruch genommen werden.

Luftverkehr: Das Vereinigte Königreich kann nach dem Brexit den Zugang zum einheitlichen europäischen Luftraum verlieren. Sollte kein anderweitiges Abkommen geschlossen werden, treten automatisch die ursprünglich ausgehandelten bilateralen Luftverkehrsabkommen in Kraft. Die britische Regierung kann mit der EU und anderen Drittstaaten neue Luftverkehrsabkommen abschließen und damit den Luftverkehr neu regeln.

Straßengüterverkehr: Die Regelungen zur Entsendung von LKW-Fahrern, zu den Lenk- und Ruhezeiten und zur Karbotage (Transitverkehr) müssen nach dem Brexit neu festgesetzt werden. Die Regeln zur europäischen Karbotage besagen, dass nur Logistikunternehmen mit Sitz in der EU ohne zusätzliche Genehmigung in andere EU-Staaten liefern dürfen. Im Falle eines harten Brexit würde das für Großbritannien entfallen.

Informieren Sie sich rechtzeitig zudem über Führerscheinanerkennungen bei Fahrern aus Drittstaaten, ob diese für Großbritannien weiterhin gelten.

Zum IHK-Leitfaden: Brexit und Transport
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Finanzdienstleistungen und Finanzmarktsektor

Im Finanzmarktsektor ist mit vielen Änderungen zu rechnen: Nach dem Brexit sind die bei der Derivateabwicklung gegenüberstehenden Banken außerhalb der EU dazu verpflichtet, deutlich mehr Eigenkapital zur Risikovorsorge vorzuhalten, was den Spielraum für Kreditausreichungen verkleinern könnte. Für deutsche Investoren hat der Brexit zur Folge, dass der unionsrechtliche Schutz für europäische Investoren wegfallen wird. Ein neues Investitionsschutzabkommen könnte dauern. Britische Versicherungsunternehmen werden zur Erbringung von Dienstleistungen in der ‎Europäischen Union nicht mehr der Zulassung von Solvency II unterliegen und somit als ‎Versicherungsunternehmen aus Drittstaaten gelten.‎ Außerdem gelten natürliche Personen, die vom Vereinigten Königreich als Wirtschaftsprüfer anerkannt wurden, als Prüfer aus Drittländern und nicht mehr als Abschlussprüfer.

Hinweis: Berücksichtigen Sie bei Investitionen, dass es bis zu einem eventuellen Abschluss eines Schutzabkom‎mens keine Garantien hinsichtlich Marktzugang und für das Verbot der Beschränkung ‎des Kapital- und Zahlungsverkehrs geben wird. ‎ Prüfen Sie Ihre Versicherungsverträge und wechseln Sie ggf. zu einem Anbieter mit Sitz innerhalb der EU. Ziehen Sie Wirtschaftsprüfer mit Sitz innerhalb der EU in Betracht und minimieren Sie so mögliche negative Folgen.

Zum IHK-Leitfaden: Brexit und Finanzmarkt
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Wechselkurs

Die Volatilität bei der Kursentwicklung des Pfunds (GBP) zum Euro ist bereits seit Bekanntgabe der Brexitentscheidung 2016 groß und stellt für Unternehmen ein entsprechendes wirtschaftliches Risiko dar. Von weiteren Kursverlusten des Pfunds ist auch nach dem Brexit auszugehen. Exporteure sollten dies in ihrer Angebotskalkulation berücksichtigen. Firmen aus Bayern können diesem Risiko durch Absicherungsgeschäfte (z. B. Hedging oder Forfaitierung) entgehen. Bei einer starken Verhandlungsposition eignet sich die vertragliche Vereinbarung von Schwellenklauseln zur Reduzierung des Risikos. Die Schwellenklauseln betreffen flexible Klauseln zu Kursschwankungen mit Preisanpassungen oder Kündigungsrechten.

Hinweis: Wechselkursschwankungen sollten bereits bei der Angebotskalkulation berücksichtigt werden. Bei der Vertragsgestaltung sollte über flexible Klauseln zur Preisanpassung nachgedacht werden.

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REACH

Registrierungen für chemische Stoffe aus Großbritannien können nach dem Brexit ‎ihre Wirksamkeit verlieren, falls betreffende Unternehmen keinen alleinigen Vertreter ‎mit Sitz in der EU oder EWR benennen. Dasselbe gilt für Stoffe aus Nicht-EU-Staaten, ‎die zuvor über Großbritannien zugelassen wurden. Gemeinsame Stoffregistrierungen ‎mit einem britischen Unternehmen, die von dem dortigen Unternehmen vorgenommen ‎wurden, könnten nach dem Brexit ebenfalls nicht weiter bestehen und müssten ‎neu registriert werden. Ferner müssten Unternehmen aus der EU Exporte von ‎Chemikalien nach Großbritannien im Rahmen der PIC-Verordnung melden.‎

Bayerische Unternehmen sollten mögliche Änderungen in ihre Planung einbeziehen.‎

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat auf ihrer Webseite umfassende Informationen bereitgestellt, was Unternehmen, die im Rahmen der Europäischen ‎Chemikalienverordnung REACH agieren, im Zuge des Brexit beachten sollten. Die ECHA stellt dabei unter anderem ein erweitertes Q&A sowie konkrete Handlungsanleitungen für Unternehmen zur Verfügung.

Nachgeschaltete Anwender sollten ihre Lieferketten auf REACH-Registrierungen überprüfen, die über ein Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich erfolgt sind. Ebenso erfordert die Ausfuhr von Stoffen aus dem EU-27-Markt in das Vereinigte Königreich nach dem Brexit besondere Vorbereitung. Die ECHA hat ein Sonderkapitel (“Brexit-Window“) auf den Seiten der zentralen Plattform REACH-IT für Unternehmen eingerichtet.

Die REACH-Verordnung regelt EU-weit die Registrierung, Bewertung, Zulassung und ‎Beschränkung von chemischen Stoffen. Nach dem voraussichtlichen Ausscheiden ‎Großbritanniens aus der Europäischen Union würde die REACH-Verordnung nach ‎aktuellem Stand nicht mehr für Großbritannien gelten.‎

Die IHK für München und Oberbayern berät Sie bei Fragen rund um das Thema REACH gerne ‎und informiert Sie hier über aktuelle Entwicklungen.

Erfahren Sie mehr zum Thema REACH auf der Webseite der Europäischen Chemikaliengantur ECHA

Unter diesem Link finden Sie die Mitteilung der EU-Kommission (Preparedness notice) zu REACH

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Internetadressen mit .eu-Endung

Internetadressen mit der .eu-Endung verlieren unter Umständen ihre Gültigkeit im Falle eines ungeregelten Brexit. Am 1. Oktober 2020 wird EURid alle britischen Registranten und ihre Registrierstellen per E-Mail benachrichtigen, dass sie ihre Berechtigung ab dem 1. Januar 2021 verlieren, wenn sie nicht vor dem 31. Dezember 2020 durch Aktualisierung ihrer Registrierungsdaten ihre Konformität mit dem .eu-Rechtsrahmen nachweisen.

Unternehmen, die ihren satzungsmäßigen Sitz, ihre Hauptverwaltung oder ihre Hauptniederlassung innerhalb der EU haben, können nach EU-Verordnung (EG) Nr. 733/2002 "eu."-Domänennamen registrieren lassen. Nach dem Austritt des VK aus der EU wird eine Neu-Registrierung oder Verlängerung von ".eu"-Domänennamen für Unternehmen mit Sitz im VK, die nicht in der EU niedergelassen sind, nicht mehr möglich sein.

Die Registerbehörde „Eurid“ hat zu diesem Zwecke eine laufend aktualisierte „Brexit Mitteilung“ veröffentlicht, die Sie unter diesem Link finden.

Weiterführende, allgemeine Informationen zu den EU-Rechtsvorschriften für den digitalen Binnenmarkt (zur "top level domain .eu") finden Sie auf der Webseite der EU-Kommission unter diesem Link.

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Brexit: Zeitlicher Ablauf im Überblick

Ereignisse

Zusammenfassung

Wie das Abkommen nach dem Austritt aussehen wird, ist bisher noch unklar. Nach aktuellem Stand bevorzugen die EU und das Vereinigte Königreich den Abschluss eines Freihandelsabkommens. Ein harter Brexit ohne Folgeabkommen und mit vorprogrammiertem Chaos ist allerdings ebenfalls weiterhin möglich. Unternehmen müssen sich auf dem Laufenden halten und entsprechend vorbereiten. Besonders in den Bereichen Warenverkehr, Steuern, Versicherungen, Transport und Finanzdienstleistungen wird es zu Änderungen kommen.

IHK-Beratung

Nutzen Sie die umfassende IHK-Beratung, unsere Fachansprechpartner geben Ihnen kompetente Ratschläge. Sie rufen zur Kontaktaufnahme bei der IHK an und lassen sich direkt beraten oder lassen sich bei Bedarf einen Termin mit einem spezifischen Fachberater geben. Alternativ können Sie per Mail rund um die Uhr Kontakt aufnehmen.

Alexander Lau | Jessica de Pleitez

Beratung zu: Brexit Allgemein

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Klaus Pelz

Beratung zu: Brexit und Zoll / Warenverkehr

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Alexander Lau | Jessica de Pleitez

Beratung zu: Brexit und Dienstleistungsverkehr im Binnenmarkt

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Marie-Louise Seifert

Beratung zu: Brexit und Transport & Logistik

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Martin Clemens

Fragen zu: Brexit und Steuern

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Rita Bottler

Beratung zu: Brexit und Datenschutz

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Petra Busse

Beratung zu: Brexit und Gesellschaftsrecht (Niederlassungen, Ltd., etc.)

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

Joachim Linke

Beratung zu: Brexit und Finanzdienstleistungen & Wechselkurs

+49 89 5116-1110

brexit@muenchen.ihk.de

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* Pflichtfeld
DIHK-Brexitexperte Mathias Dubbert erklärt, welche Szenarien nach dem Brexit eintreten könnten.