Bayerisches Wirtschaftsarchiv

Exponate des BWA 2019

Inhalt

Im Zeichen des Elefanten: Die Metzeler Gummiwerke

1863 wurden die Metzeler Gummiwerke in München gegründet. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet ihre Geschichte nach.

1863 gründete der gebürtige Memminger Robert Friedrich Metzeler in München einen Handel mit Gummiwaren wie z.B. chirurgische Artikel, „Kurzwaaren“, Spielzeug, regenfeste Bekleidung und Gummischuhe sowie „Luft- und wasserdichte Gegenstände“. Nach langwierigen Verhandlungen mit den Lokalbehörden erhielt er 1871 die Genehmigung zur Einrichtung einer Kautschukwarenfabrik. Schon drei Jahre später wurde er zum königlich-bayerischen Hoflieferanten ernannt.

Als eine der ersten Fabriken der Welt entwickelte Metzeler um 1890 ein Verfahren, Gewebe aus Leinen oder Baumwolle vielschichtig zu gummieren. Damit war das Unternehmen ein wichtiger Lieferant für die aufkommende Luftschifffahrt, und zwar auch im Ausland wie Italien, Frankreich und Rußland. Die Erfolgsgeschichte von Metzeler wurde aber vor allem durch die Entwicklung der modernen Bereifung geprägt. Die „Pneumatiks“ aus München festigten den Weltruf des 1901 in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Werks. Auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin 1906 bot Metzeler eine besondere Attraktion mit einem lebenden Elefanten, der vergeblich einen Reifen zu zerstampfen versuchte und damit dessen enorme Haltbarkeit bewies. Später wurde dieser Elefant zum Warenzeichen.

Die wichtigsten deutschen Motorradfabriken rüsteten ihre Maschinen mit Metzeler-Reifen aus: Der Spitzenrennfahrer Ernst Henne erzielte zwischen 1929 und 1937 von seinen 76 Rekorden 59 mit Metzeler-Bereifung. In den 1970er Jahren kam es aus wirtschaftlichen Gründen zur Aufteilung des Unternehmens. Die Produktion von Motorradreifen wurde nach Breuberg im Odenwald verlegt. 1986 wurde Metzeler Kautschuk ein Unternehmen der Pirelli-Gruppe.

1918 erwarb der Großindustrielle Kommerzienrat Dr. h.c. Georg Hirsch aus Gera die Aktienmehrheit von Metzeler. Zu seinem Konzern gehörten bedeutende Firmen im In- und Ausland, auch Kautschukplantagen im damaligen Niederländisch-Indien. Bis zu seinem Tod 1939 bestimmt er die Geschicke des Münchner Unternehmens. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv hat jetzt von dem Breuberger Archivar und Heimatkundler Traugott Hartmann das großformatige, aufwendig gerahmte Porträt von Georg Hirsch erhalten.

Harald Müller M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wirtschaftsarchivs

„Furchtbar ernst ist die Zeit“: Revolution und Räterepublik in Bayern‎

100 Jahre nach der Ermordnung Kurt Eisners zeigt das Bayerische Wirtschaftsarchiv seine Fundstücke zur Räterepublik in München.

„Erschütterung, Entsetzen und Widerwillen gegen das Ganze“, notierte Thomas Mann, als er telefonisch die Nachricht von der Ermordung Kurt Eisners erhielt. Am 21. Februar 1919 erschoss der Leutnant Anton Graf von Arco-Valley den Ministerpräsidenten auf dem Weg zum Bayerischen Landtag, der damals seinen Sitz im Montgelas-Palais hatte. Eigentlich wollte Eisner an diesem Vormittag seinen Rücktritt verkünden.

Seine Partei, die Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD), hatten bei den Wahlen vier Wochen zuvor eine vernichtende Niederlage erlitten. Dabei hatte der gebürtige Berliner Eisner am 7. November 1918 erfolgreich die bayerische Republik ausgerufen. Der letzte Wittelsbacher König Ludwig III. musste fliehen und entband Beamte, Soldaten und Offiziere vom Treueid.

Die bayerischen Industrie- und Handelskammern erklärten damals ihre grundsätzliche Bereit­schaft, in allen Fragen der Übergangswirtschaft und der Demobilmachung der Truppen mit der neuen Regierung eng zusammenzuarbeiten. Als nach der Ermordung Eisners die von „utopistischen Idealisten, bayerischen Partikularisten und humanitären Anarchisten“ geprägte Räteregierung an die Macht kam, wehrten sich die Kammern vehement gegen die angekündigten Sozialisierungspläne. Das Schlagwort „Planwirtschaft gleich Wahnwirtschaft“ machte die Runde. In geheimen Zusammenkünften diskutierten die Kammermitglieder darüber, ob sie mit einer Kundgebung an die Öffentlichkeit gehen oder besser abwarten sollten, bis das Rätesystem abgewirtschaftet hätte. Am 1. Mai 1919 besetzten Regierungstruppen die bayerische Hauptstadt und bereiteten der Räterepublik ein Ende.

Nach der Ausrufung der Räterepublik Anfang April 1919 stürzte Bayern in eine Zeit politischer Wirren. Der Münchner IHK-Präsident Josef Pschorr musste vor den Revolutionären flüchten. Auch in den Beständen des Wirtschaftsarchivs haben die Monate unter der Regierung Eisner und der nachfolgenden Räteherrschaft ihren Niederschlag gefunden. Ein Zeichen dafür, wie verunsichert Unternehmer und Wirtschaft damals waren.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

Starke Biere und starke Männer

Die "fünfte Jahreszeit", die Fastenzeit,ist auch wirtschaftlich von Bedeutung. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet die Zeit nach.

Nach dem ausgelassenen Faschingstreiben beginnt von Aschermittwoch bis Ostern die Fastenzeit. Rund vier Wochen lang ist Gelegenheit für Verzicht und innere Einkehr. Jedes Jahr pilgern in dieser Zeit Besucherscharen auf den Münchner Nockherberg, wo über gute drei Wochen hinweg der „Salvator“ als hochprozentiges Starkbier in Strömen fließt. Ursprünglich schenkten die Paulaner-Mönche das starke Eigengebräu aus, getreu der Klosterregel „Was flüssig ist, bricht keine Fasten.“

1813 kaufte der Bräu Franz Xaver Zacherl nach siebenjähriger Pacht die Klosterbraustätte. Bis 1846 fand der Ausschank in der Brauerei selbst statt, danach im Neudecker Garten und seit 1861 auf dem Nockherberg. Frühzeitig traten Gstanzl-Sänger und Volksschauspieler auf, um den Bierabsatz anzukurbeln. Der Unterhaltungskünstler Jakob „Papa“ Geis hielt 1891 die erste Salvatorrede. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1950 diese Tradition wiederbelebt. Auch bei anderen Brauereien haben die starken Biere im Frühjahr Saison. Traditionell findet im Löwenbräukeller ein Starkbierfest statt, bei dem ein Wettbewerb unter starken Männern nach dem Vorbild des „bayerischen Herkules“ ausgetragen wird. 508 Pfund wiegt der Stein, den der legendäre, 1848 geborene Steyrer Hans, seines Zeichens gelernter Metzger und Gastwirt, mit dem rechten Mittelfinger gehoben haben soll.

Die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ ist in den Beständen unseres Archivs bestens dokumentiert. Nach dem großen Erfolg des Salvatorbieres brauten auch andere Münchner Brauereien unter diesem Namen. 1896 setzte die Paulanerbrauerei in einem Rechtsstreit durch, dass sie als einzige den Begriff „Salvator“ verwenden darf.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

Im Zeichen des Merkur: Das Gebäude der IHK für München und Oberbayern

Beim Festakt zum 175jährigen Jubiläum der IHK wird das IHK-Stammhaus an der Max-Joseph-Straße 2 in München offiziell seiner Bestimmung übergeben. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet seine Geschichte nach.

1890 – vor 120 Jahren – gewann der damalige Stararchitekt Friedrich von Thiersch (1852-1921) einen viel beachteten Planungswettbewerb in München. Ausgeschrieben hatten ihn zwei bedeutende Wirtschaftsorganisationen: die Münchner Börse und die IHK für München und Oberbayern. Sie wollten sich am Maximiliansplatz auf dem Grundstück des ehemaligen Hotel-Restaurants Achatz ein eigenes „Haus für Handel und Gewerbe“ errichten lassen.

Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit konnten IHK und Börse im April 1901 ihr neues Domizil beziehen. Das Erdgeschoss war dem eleganten Café-Restaurant „Neue Börse“ vorbehalten. Im ersten Stock befanden sich der Börsensaal und die Räum­lichkeiten des Münchener Handelsvereins, dem Träger der Börse. Die IHK residierte im zweiten Stock, wo sie auch ihren Kammersaal hatte. Der dritte Stock war an den „Kaufmännischen Verein von 1873“ vermietet, der seinen Mitgliedern vielfältige Weiterbildungs­maßnahmen bot und eine erfolgreiche Stellen­vermittlung unterhielt. Im vierten Stock betrieben die Schwestern Liesecke einige Jahre lang eine „feinere Pension“.

Zehn Jahre nach der Eröffnung des Hauses für Handel und Gewerbe entstand 1911 auf dem Nachbargrundstück an der Max-Joseph-Straße das prächtige Wohn- und Geschäftshaus des jüdischen Antiquitätenhändlers A. S. Drey nach den Plänen des renommierten Münchner Architekten Gabriel von Seidl (1848-1913). 1935 verkaufte die Familie Drey dieses Gebäude für mehr als eine Million Reichsmark an die IHK.

Zu den ersten Besuchern des „Hauses für Handel und Gewerbe“ gehörte Prinzregent Luitpold. Bei seiner Besichtigungstour sprach er sich über „die äußerst prächtige sowie künstlerisch vornehme Einrichtung sämtlicher Räume sehr anerkennend aus“. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv haben sich zahlreiche Zeugnisse zu diesem wertvollen Baudenkmal erhalten.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

Ins Bild gerückt: Unternehmerportraits aus zwei Jahrhunderten

Darstellung von Repräsentanten der Wirtschaft in der bildenden Kunst ist sozialgeschichtlich aufschlussreich. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv baut eine Sammlung historischer Porträtwerke zu den Leitfiguren der ökonomischen Entwicklung des Freistaats auf. Eine kleine Auswahl zeigt das Wirtschaftsarchiv hier.

In feinem Zwirn, mit Anzug und schwarzer Melone – so zeichneten Karikaturisten gerne den deutschen Unternehmer. Was in unseren Tagen ironisch gemeint ist, war früher Ausdruck eines stolzen Selbstverständnisses.

Zu den ältesten Bildern gehört das Porträt des Augsburger Kaufmanns Anton Welser d. Jüngeren, das der Maler Christoph Amberger 1527 schuf. Zwischen den ringgeschmückten Fingern des mächtigen Handelsherrn liegen drei Goldmünzen. Auch Hans Holbein d. Jüngere malte nur wenige Jahrzehnte später in London erfolgreiche deutsche Hansekaufleute. Diese Bilder galten als die eindrucksvollsten Porträts des Kaufmannsstandes des 16. Jahrhunderts. Holbein verwendete erstmals auch viel Sorgfalt auf die Wiedergabe der Arbeitsstätte: So sitzt etwa ein junger Kaufmann umgeben von Schreibgeräten und Geschäftspapieren an einem Arbeitstisch, im Hintergrund ist auch eine Waage auf einem Holzbord sichtbar.

Mit dem Aufkommen der Industrialisierung beschäftigten sich die Maler mit dem Thema der Arbeit und dem Ausdruck des tätigen Menschen. Sie schilderten die Leistungskraft eines Unternehmens und die Qualität der Produkte. In der Porträtmalerei rückten der Stolz des Dargestellten auf die Berufsleistung sowie die Gleichsetzung von Person und unternehmerischer Leistung in den Mittelpunkt.

Bayerische Unternehmerpersönlichkeiten bilden seit jeher das Rückgrat der Wirtschaft. Sie erschließen neue Chancen für Wachstum und Zukunftsinvestitionen. Umso erstaunlicher ist es, dass die auch sozialgeschichtlich aufschlussreiche Darstellung von Repräsentanten der Wirtschaft in der bildenden Kunst wenig erforscht ist. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv baut eine Sammlung historischer Porträtwerke zu den Leitfiguren der ökonomischen Entwicklung des Freistaats auf.

Harald Müller M.A., Wiss. Mitarbeiter

Im Dienste der Schönheit

Auch in früheren Zeiten gehörten Hygiene- und Pflegeartikel in einen gepflegten Haushalt. Was bayerische Unternehmen dafür produzierten, zeigt das Exponat des Monats Juni 2019 des Bayerischen Wirtschaftsarchivs BWA.

Ein kleiner Weg in Münchens Stadtteil Au-Haidhausen erinnert heute noch an ihn, den Brauer Franz Xaver Zacherl (1772-1849). 1806 pachtete er die ehemalige Brauerei der Paulanermönche und kaufte sie schließlich. Der geschäftstüchtige Bräu knüpfte an die klösterliche Starkbiertradition an und schenkte mit großem Erfolg den hochprozentigen Gerstensaft aus, zunächst in der Brauerei selbst, danach im Neudecker Garten und seit 1861 auf dem Nockherberg.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, erzählt in seinem neuen Buch „Der Salvator auf dem Nockherberg“ die Geschichte des weltberühmten Starkbieres, des damit verbundenen Salvatorfestes und der Salvatorprobe von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zacherl beglückte zunächst illegal die durstigen Münchner mit dem starken Hopfengetränk. Doch das Verbot ließ sich auf Dauer nicht halten. 1837 erteilte König Ludwig I. höchstselbst die Genehmigung für den Ausschank, elf Jahre später galt die Erlaubnis dann in ganz Bayern.

Zacherls Erben sorgten dafür, dass der Salvator auf Dauer das bekannteste Starkbier Bayerns blieb. 1896 sicherte sich die Paulanerbrauerei das exklusive Recht an der Marke. Bis heute markiert der Salvatoranstich den Auftakt zur „fünften Jahreszeit“ in Bayern. Wie Richard Winkler ermittelte, reicht die von der Paulanerbrauerei inszenierte Salvatorprobe in ihren Ursprüngen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete sie hohes kabarettistisches Format. Fast drei Millionen Fernsehzuschauer verfolgen alljährlich die Live-Übertragung auf dem Nockherberg.

Auch die Herren achteten in der ‚guten alten Zeit‘ auf ihre Erscheinung. Mann trug Bart, und damit der ‚Moustache‘ mit seinen gezwirbelten Spitzen nicht außer Form kam, gab es für die Nacht eine Bartbinde. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv hat sich eine Vielzahl von Bilddokumenten zur Schönheitsindustrie von einst erhalten.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

„Fleischlos glücklich“: die Reformbewegung in Bayern

Vegetarische Ernährung ist keine neue Erfindung. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war gesunde Lebensweise in der Reformbewegung ein Thema.

Ob vegan oder vegetarisch, Paleo oder Rohkost, Frutarier oder Pescarier – alternative Ernährungsformen liegen voll im Trend und werden in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert. Doch die Frage der richtigen Ernährungsweise ist nicht erst ein Thema unserer Tage. Bereits weit vor dem Ersten Weltkrieg propagierte man eine naturnahe Lebensreform als Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen der Industrialisierung und der Moderne.

Einer der prominenten Vordenker dieser Reformideen war der Maler Karl Ludwig Diefenbach (1851-1913), der in München an der Kunstakademie studiert hatte und gern in Sandalen und Kutte auftrat. In der Bevölkerung war er unter dem Spitznamen „Kohlrabi-Apostel“ bekannt. Bereits 1912 gab es 25 Vegetariervereine im deutschen Kaiserreich mit rund 5000 Mitgliedern. 1929 fand in Böhmen der siebte Internationale Vegetarier-Welt-Kongress statt. Auch in der Gastronomie hielt der vegetarische Gedanke Einzug. 1908 verzeichnet das Münchner Gewerbe-Adressbuch acht vegetarische Gaststätten, darunter das Restaurant „Reform“ in der Augustenstraße.

Auf die Mangeljahre nach Kriegsende 1945 folgte das Wirtschaftswunder. Trotz des gefühlten Nachholbedarfs bei Fleischgerichten kamen Vegetarier beim Essengehen nicht zu kurz. Die Gaststätte „Quisisana“ in München bot in den 1950er Jahren neben „Kalbshaxe fein garniert“ auch rein vegetarische Speisen an. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv haben sich diese raren Quellenzeugnisse des Zeitgeists erhalten.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

Cooler Durchblick: Sonnenbrillen aus Bayern

Sonnenbrillen sind nicht erst heute cool: Bereits in den fünfziger Jahren galten Produkte aus dem Hause Rodenstock als Must Have bei der Prominenz.

Im Sommer sind sie das absolute „Must-have“: trendige Sonnenbrillen. Angeblich soll schon Kaiser Nero die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum durch einen geschliffenen Smaragd betrachtet haben, um sich vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Gegen die Schneeblindheit verwendeten Eskimos sehr früh einen aus Tierknochen oder Holz geschnitzten Sichtschutz mit schmalen Sehschlitzen gegen den Lichteinfall. Bereits ab dem 15. Jahrhundert kamen Brillen mit farbigen Brillengläsern auf, die jedoch keinen echten Schutz gegen die Strahlung bieten konnten.

Ein Katalog der „Optisch-Oculistischen Anstalt“ von Josef Rodenstock führte Anfang der 1890er Jahre gelbgrüne Sonnenschutzgläser auf, die sog. Enixantosgläser. 1877 hatte der gebürtige Thüringer in Würzburg seine erste Werkstatt für Brillen und physikalische Messinstrumente eröffnet. 1883 verlegte er seinen Sitz nach München. 1905 erfand Josef Rodenstock die ersten Gläser, die die schädliche ultraviolette Strahlung wegfilterten. Doch bei den frühen Sonnenbrillen handelte es sich noch mehr oder weniger um Einzelstücke.

Erst allmählich setzte sich die Massenproduktion durch. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Deutschen wieder zu reisen. Der Sehnsucht nach dem Süden trugen die Rodenstock-Sonnenbrillen Rechnung: Sie hießen damals „Amalfi“, „Donna“ oder „Florida“. 1968 brachte der Enkel des Firmengründers, Prof. Rolf Rodenstock, als erster europäischer Brillenhersteller selbsttönende, fototrope Brillengläser auf den Markt. Sie konnten durch eingelagertes Silberbromid ihre Tönung den wechselnden Lichtverhältnissen anpassen

In den 1950er Jahren gelang es Rodenstock, eine Vielzahl prominenter Schauspielerinnen und Schauspieler für die Sonnenbrillenwerbung zu verpflichteten. Sofia Loren, Gina Lollobrigida, Senta Berger oder Curd Jürgens präsentierten die aktuellen Trends. Der umfangreiche Archivbestand der Optischen Werke G. Rodenstock im Bayerischen Wirtschaftsarchiv dokumentiert auch diese Werbekampagnen.

Harald Müller M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wirtschaftsarchivs

Schnellrestaurants von einst

„Kein Trinkgeld – zwanglos, gut und rasch““

Selbstbedienungsrestaurants traten von Deutschland aus ihren Siegeszug an. Als in USA das erste Schnellrestaurants 1902 eröffnet wurde, waren solche Einrichtungen in jeder großen deutschen Stadt längst präsent. Dies zeigen die Exponate des Bayerischen Wirtschaftsarchivs.

1896 präsentierte die Berliner Gewerbeausstellung erstmals ein „electrisch-automatisches Restaurant“. Noch im November dieses Jahres eröffnete an der Spree das weltweit erste Automatenrestaurant. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 waren in jeder größeren deutschen Stadt diese im Jugenstil und Art déco luxuriös eingerichteten Selbstbedienungslokalitäten zu finden.

In München etablierten sich vor allem im Bereich des „Centralbahnhofs“ automatisierte Cafés und Restaurants für den eiligen Gast. Zu den „Self-Service-Pionieren“ der weißblauen Hauptstadt gehörte Georg Strebl, der in seinem Café-Restaurant auch eine Automatenausstellung u.a. mit einem künstlichen Vogel im Käfig oder einer automatisierten Hasenfigur zeigte. Neben den Buffets für kalte und warme Speisen gab es Flüssigkeitsautomaten mit Münzeinwurf für alkoholische und nichtalkoholische Getränke.

In den 1920er Jahren ebbte der Boom wieder ab. Schuld war die Inflation, denn die Münzautomaten waren für die Geldscheinflut nicht eingerichtet. Das endgültige Aus kam schließlich mit der Gesetzgebung der Nationalsozialisten, die den Automatenbetrieb stark beschränkten. Ihre Begründung lautete, dass Automaten Arbeitsplätze gefährdeten.

Die Idee der Selbstbedienungsrestaurants ging von Deutschland aus um die Welt. 1902 eröffnete der Amerikaner Frank Hardart mit seinem Kompagnon in Philadelphia sein eigenes "Automat". Zu diesem Zeitpunkt betrieb schon längst der Münchner Gastronom Georg Strebl höchst erfolgreich sein voll automatisiertes Schnellrestaurant in der Bayerstraße. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv haben sich reizvolle bildliche Quellen zu dieser besonderen Form der Gastronomie erhalten.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs BWA

„Das Glück in der Kaffeeschale“: Mit Malzkaffee zum Erfolg‎

Kathreiners Kneipp Malzkaffee wurde zu einem der ersten deutschen Markenartikel. Inzwischen ist das Unternehmen in die Insolvenz gegangen. Diese Geschichte zeichnet das Bayerische Wirtschaftsarchiv BWA nach.

1889 – vor 130 Jahren – begab sich der gestresste Prokurist der Münchner Firma Franz Kathreiners Nachfolger (FKN), Otto Pfäffle, nach Bad Wörishofen, um dort ausgiebig zu kuren. Ganz uneigennützig hatten ihn seine Chefs nicht ziehen lassen. Sie suchten einen Kontakt zu dem Gesundheitsguru der damaligen Zeit, nämlich Sebastian Kneipp.

Der Wörishofener Pfarrer hatte aus dem Allgäuer Ort ein Zentrum seiner Wassertherapie gemacht, das jährlich mehr als 30.000 Kurgäste anzog. In seinem 1889 veröffentlichten Werk „So sollt Ihr leben“ verwies er auf die Schädlichkeit des Bohnenkaffees und empfahl stattdessen, Malz oder Getreide zur rösten und davon Kaffee zu machen.

Die Inhaber von FKN, Emil Wilhelm und Adolph Brougier, erkannten, dass der Gedanke Kneipps die Grundlage für ein großes Geschäft sein müsste. Sie verpflichteten daher einen wissenschaftlich und technisch ausgewiesenen Fachmann, um ein wohlschmeckenderes Kaffeeersatzmittel zu entwickeln. Denn bisher wurde üblicherweise nur Braumalz geröstet, und der Geschmack ließ sehr zu wünschen übrig.

Frühzeitig setzte Kathreiner auf ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und hatte die „Anhänger einer naturgemäßen Lebensweise“ als Abnehmer im Blick. Dazu kam noch, dass Malzkaffee erheblich billiger als Bohnenkaffee war. 1896 erreichte der Vorstand der neu gegründeten Malzkaffeefabriken, Hermann Aust, dass seine Firma mit dem Namen, dem Bild und der Unterschrift von Pfarrer Kneipp werben durfte. Damit war der Durchbruch geschafft.

In der jungen Bundesrepublik Deutschland stand Bayern nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen an dritter Stelle der Bergbauländer. Auch in den Beständen des Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist diese Branche vielfältig dokumentiert.

Dr. Harald Müller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchiv

Kulturgüter im Netz: Bayerisches Wirtschaftsarchiv in „bavarikon“‎

Das Bayerische Wirtschaftsarchiv ist Partner des Internetportals "bavarikon" zu Kunst, Kultur und Landeskunde. Hier finden Sie einige Exponate.

2015 fiel der Startschuss für „bavarikon“, das Internet-Portal des Freistaats Bayern zu Kunst, Kultur und Landeskunde. Seitdem wächst dieses einmalige bayerische „Schaufenster“ stetig weiter. Über hochwertige Digitalisate haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenso wie interessierte Bürgerinnen und Bürger Zugriff auf die Kultur- und Wissenschaftsschätze des Landes - jederzeit, weltweit und kostenfrei. Das Spektrum der Objekte reicht von Handschriften, Urkunden, Archivalien und archäologischen Funden über Münzen, Gemälde und Fotografien bis hin zur bildenden Kunst und Volkskultur.

Rechtzeitig zu seinem 25-jährigen Jubiläum ist jetzt auch das Bayerische Wirtschaftsarchiv Partner geworden. Es präsentiert 113 ausgewählte Exponate aus seinen Beständen. Die Bandbreite ist dabei groß. Sie reicht vom Arbeiterverzeichnis der Lokomotivfabrik Maffei 1851-1857 über ein Klassenfoto der Schülerinnen der Riemerschmid’schen Handelsschule 1899 bis hin zur Zulassungslizenz Nr. 1 der amerikanischen Militärregierung für die Herausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 6. Oktober 1945.

Mit seinen Archivschätzen hat es das Wirtschaftsarchiv sogar bis in die „Glanzlichter“ geschafft, wie die Macher von „bavarikon“ eine Bilderleiste mit besonders herausragenden Objekten nennen. So findet sich in dieser Bestenliste beispielsweise die Abendspeisekarte des Münchner Löwenbräukellers von 1909, Spezialität Kalbskopf „en tortue“ (nach Schildkrötenart), und der reich bebilderte Katalog der Firma Isidor Bach, „Spezialgeschäft ersten Ranges für Herren-, Jünglings- und Knabengarderobe“ aus dem Jahr 1903.