Abbau der kalten Progression

Grundfreibetrag: Anhebung für 2017 und 2018

In den Jahren 2017 und 2018 steigen der steuerliche Grundfreibetrag, der Kinderfreibetrag, das Kindergeld sowie der Kinderzuschlag. Um die sogenannte „kalte Progression“ auszugleichen, wird außerdem der Steuertarif an die Inflationsrate angepasst. Die entsprechenden gesetzlichen Änderungen haben Bundestag und ‎Bundesrat noch Ende 2016 beschlossen.

Das Gesetz zur Umsetzung der Änderungen der EU-Amtshilferichtlinie und von weiteren Maßnahmen gegen Gewinnkürzungen und -verlagerungen vom 20. Dezember 2016 ist zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten und enthält folgende Änderungen:

  • Der steuerliche Grundfreibetrag für das Jahr 2016 ‎beträgt 8.652 Euro und wird in zwei Schritten um 168 Euro auf 8.820 Euro (2017) sowie um weitere 180 Euro auf dann 9.000 Euro (2018) angehoben. Bei einer Zusammenveranlagung gelten bei Ehepartnern oder ‎Lebenspartnern jeweils ‎doppelte Beträge.‎
  • Der Kinderfreibetrag wird um 108 Euro (2017) und um weitere 72 Euro auf 4.788 Euro (2018) steigen.
  • Gleichzeitig wird das Kindergeld im Jahr 2017 und auch im Jahr 2018 jeweils um 2 Euro monatlich je Kind angehoben.
  • Der Kinderzuschlag wird zum 1. Januar 2017 um monatlich 10 Euro auf 170 Euro je Kind erhöht. Der Unterhaltshöchstbetrag (§ 33a EStG) wird von jetzt 8.652 Euro um 168 Euro auf 8.820 Euro (2017) und um weitere 180 Euro auf 9.000 Euro (2018) angehoben.

Zum Ausgleich der "kalten Progression“ werden die Tarifeckwerte bei der Einkommensteuer in 2017 um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2016 (0,73 %) und in 2018 um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2017 (1,65 %) nach rechts verschoben. Zuvor erfolgte dies in 2016 in Höhe der kumulierten Inflationsrate für die Jahre 2014 ‎und 2015 (von zusammen 1,48 %).‎

Im Programmablaufplan für die Ermittlung der Lohnsteuer ab Januar 2017 sind die Beträge bereits berücksichtigt.

Die steuerlichen Freibeträge wurden zuletzt durch dasGesetz zur Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags vom 16. Juli 2015 rückwirkend zum 1. Januar 2015 sowie für das Jahr 2016 angehoben. Bei der Lohnabrechnung durfte die durch die rückwirkende Anhebung des Grundfreibetrags eintretende Entlastung für 2015 zusammengefasst im Monat Dezember 2015 berücksichtigt werden.

Hinweis: Von kalter Progression spricht man, wenn Einkommens- und Lohnerhöhungen lediglich die Inflation ausgleichen und durch den progressiv ansteigenden Einkommensteuertarif mehr Steuern gezahlt werden, obwohl man real nicht mehr Geld ‎zur Verfügung hat. Steigt beispielsweise das Preisniveau um 2 % und erzielt der ‎Steuerpflichtige im gleichen Jahr einen Einkommenszuwachs von ebenfalls 2 %, ‎hat sich an seiner wirtschaftlichen Situation real nichts geändert. Da er aber ein ‎nominal höheres Einkommen erzielt, muss er mehr Steuern zahlen und seine ‎Kaufkraft sinkt damit im Vergleich zum Vorjahr.‎

Die IHK für München und Oberbayern fordert bereits seit langem eine Verringerung des sogenannten Mittelstandsbauchs sowie die Vermeidung automatischer Steuererhöhungen über die kalte Progression. Hierzu hat sie „20 Empfehlungen zum ‎Unternehmenssteuerrecht“ erstellt.