Umwelt- und Energieausschuss

Berichte aus den Sitzungen des IHK-Umwelt- und Energieausschusses

Der Umwelt- und Energieausschuss befasst sich branchenübergreifend mit den umwelt- und energiepolitischen Rahmenbedingungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Im Brennpunkt stehen die wirtschaftsverträgliche Ausgestaltung der Energiewende und des Klimaschutzes und der Beitrag der Unternehmen für mehr Ressourceneffizienz.

Am Montag, den 12. Oktober, beriet der IHK-Ausschuss für Umwelt und Energie in virtueller Konferenz über die in Bayern und in anderen Bundesländern diskutierte Solarpflicht für Gebäude. Zu Gast war Ministerialdirigent Dr. Johann Niggl, der sich am Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie mit den möglichen Umsetzungen in Bayern beschäftigt.

Nach der Begrüßung führte Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Umwelt und Energie, in das Thema ein. In Bayern werde eine Verpflichtung zur Installation von Solaranlagen beim Gebäudeneubau diskutiert, welche bereits ab 2022 greifen könne. Das Thema berühre verschiedene Interessen der Wirtschaft. Zum einen ‎gehe es um zusätzliche Aufträge und Wertschöpfung in der ‎Solarbranche. Auf der anderen ‎Seite könnten neue Auflagen und Verpflichtungen mehr Bürokratie und höhere Kosten in Bayern bewirken. Grund genug, dass der Ausschuss sich mit diesem Thema auseinander setzt.

Hierzu solle das Thema von den verschiedenen Seiten beleuchtet und anschließend diskutiert werden. Olaf Breuer, Geschäftsführer der Krämmel GmbH & Co. Bauunternehmung KG, stellte Praxisbeispiele aus dem Wohnungs- und Gewerbebau vor und berichtete über die Erfahrungen seines Unternehmens mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz, das bereits zum Einsatz erneuerbarer Energie verpflichtet. Die Lösungen seien komplex und müssten stets im Zusammenspiel von Bauhülle, Gebäudetechnik und Nutzung erarbeitet werden. Der Einbau von Solaranlagen sei dabei nicht in allen Fällen sinnvoll. Bei innerstädtischen Lagen oder größeren Wohnquartieren müsse das Augenmerk besonders auf das Mikroklima und die Biodiversität gelegt werden. Ministerialdirigent Dr. Johann Niggl berichtete, dass der Ausbau der PV-Energie gut vorankomme. So wurden 2019 rund 1 Gigawatt, 2020 bis zur Jahresmitte bereits circa 600 Megawatt PV-Leistung zugebaut. Wie sich PV-Pflichten in verschiedenen Bundesländern auf das Ausbauvolumen und damit auf die Einhaltung der Ausbaukorridore auswirken würden sei derzeit noch schwer abzuschätzen.

Dr. Thomas Lüers, Leiter Dezentrale Energielösungen der Stadtwerke München GmbH kommentierte die Konsequenzen einer möglichen Solarpflicht aus Sicht der Energiewirtschaft und präsentierte dabei Prognosen zur Entwicklung von Kosten und Vergütung. Damit man beim weiteren Ausbau der Photovoltaik voran komme sei vor allem eine bessere Markt- und Netzintegration der Photovoltaik notwendig. Auch seien vielfältige Nutzungskonkurrenzen zu klären.

In der anschließenden lebhaften Diskussion bestand grundsätzlich Einigkeit, dass Solartechnologien und Energiewende weiter gefördert werden sollen. Verpflichtende Vorgaben für einzelne Technologien werden allerdings eher als hinderlich betrachtet. Zielführender sei es, bei der Planung eines Gebäudes ganzheitlich vorzugehen und jeweils die am besten geeigneten Technologien einzusetzen, z.B. auch Geothermie, Erdsonden, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen oder Dachbegrünung/Dachflächen als Wasserspeicher.