Brenner Basistunnel und der Nordzulauf

Brenner Basistunnel
© BBT SE

Der Brenner Basistunnel gehört zu den wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekten. Während der Bau des Eisenbahntunnels zwischen Innsbruck und Franzensfeste vorangeht, steckt die Planung des Nordzulaufs auf bayerischer Seite fest.

Inhalt

Fakten zum Brenner Basistunnel

Der Brenner Basistunnel soll als Eisenbahntunnel Innsbruck in Tirol und Franzensfeste in Südtirol verbinden.

  • Länge des Tunnels: Gesamt (Tulfes - Franzensfeste) 64 km (längster Eisenbahntunnel der Welt), Verbindung Innsbruck - Franzensfeste: 55 km
  • Scheitelhöhe des Tunnels: 790 m ü.d.M., also 580 m tiefer als der Brennerpass (1.371 m)
  • Verbindung: Der Brenner Basistunnel ist Teil der Verbindung zwischen München und Verona
  • Beginn der Planungen: Erste Machbarkeitsstudie 1989
  • Gründung der Gesellschaft: 1999 gründeten die Verkehrsminister Österreichs und Italiens die Europäische Wirtschaftliche Interessensvereinigung (EWIV) zur Projektierung
  • Baubeginn: Am 30. Juni 2006 erfolgte der symbolische Spatenstich und im August 2007 begannen die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt des Erkundungsstollens zwischen Aicha und Mauls in Südtirol.
  • Gesellschaft und Finanzierung: Die Aktien der BBT SE sind zu gleichen Teilen auf Österreich und Italien verteilt. Auf österreichischer Seite sind die ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) alleiniger Aktionär mit 50 % der Anteile. Die Beteiligungsgesellschaft TFB (Tunnel Ferroviario del Brennero Holding AG) hält den italienischen Anteil von 50 %. Die TFB setzt sich zusammen aus: 88,2 %: RFI (Rete Ferroviaria Italiana = Italienische Staatsbahnen), 6,38 %: Autonome Provinz Bozen, 4,96 %: Autonome Provinz Trient und 0,46 %: Provinz Verona. Der Brenner Basistunnel wird von der Europäischen Union mitfinanziert.
  • Geplantes Bauende: 2028
  • Fahrstrecke: Der Brenner Basistunnel verkürzt die Fahrstrecke Innsbruck - Franzensfeste von 75 km auf 55 km.
  • Fahrzeit: Die Fahrzeit für Personenzüge verkürzt sich von 80 auf 20 Minuten.
  • Geschwindigkeit im Tunnel: Güterzüge: 120 bis 160 km/h, Personenzüge: 250 km/h

Forderungen der Wirtschaft zum Brenner-Nordzulauf

Der Erfolg der deutschen und bayerischen Wirtschaft baut auf leistungsstarke Verkehrswege am Standort selbst und zu den Absatzmärkten und Zulieferern in den angrenzenden Nachbarländern. Der Brenner Basistunnel als unterirdische Querung des Alpenkamms bildet hierbei das neue Herzstück des europäischen Nord-Süd-Verkehrskorridors.

In Verantwortung für den Wirtschaftsstandort Bayern in Deutschland und Europa spricht sich die IHK dafür aus, zusätzlich zu den bestehenden beiden Gleisen ein drittes und viertes Gleises zu bauen, um den Brenner Basistunnel optimal an das nördliche Schienenfernverkehrsnetz anzubinden (Brenner-Nordzulauf). Die zusätzlichen Kapazitäten werden benötigt, um neben dem aktuellen Transportvolumen das weiter steigende Güterverkehrsaufkommen bewältigen und insbesondere Verkehre von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene in substanziellem Maße verlagern zu können.

Notwendig sind:

  • Realisierung des Brenner-Nordzulaufs
  • Ertüchtigung der Bestandskapazitäten
  • Optimierung des Bahnbetriebs

Forderungen der Wirtschaft zum grenzüberschreitenden Bahnverkehr

Die verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene ist gerade für den alpenquerenden Transit eine enorme Herausforderung. Neben zusätzlichen Kapazitäten, die der Brenner Basistunnel und seine Zulaufstrecken schaffen, bedarf es darüber hinaus der Ertüchtigung der vorhandenen Schieneninfrastruktur als auch der Optimierung des darauf stattfindenden grenzüberschreitenden Bahnbetriebs.

Die IHK bekennt sich zur Verkehrsverlagerung und fordert, die Attraktivität des Verkehrsträgers Schiene deutlich zu erhöhen. Aus Sicht der verladenden und transportierenden Wirtschaft sind folgende Maßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs
über den Brenner dringend notwendig:

  • REGELN UND NORMEN
    harmonisiertes Eisenbahnrecht und Angleichung technischer Bestimmungen in Europa
    Einführung des europäischen Zugleit- und Zugsicherungssystems ERMTM/ETCS an der Strecke und „on-board“ in den Zügen
  • BAHNBETRIEB
    zügigere Trassenbereitstellung und zusätzliche Slots für den Güterverkehr
    garantierte Fahrlaufzeiten der Züge für zuverlässige Transporte
  • BAHNPERSONAL
    harmonisierte Aus- und Weiterbildung des Personals in Europa für einen grenzüberschreitenden Arbeitseinsatz
    Verwendung einer einheitlichen Sprache zur grenzüberschreitenden Kommunikation im Brenner-Korridorverkehr
  • FAHRZEUGE
    Investition in zusätzliches Wagenmaterial und Lokomotiven
    Einführung einer europaweit standardisierten automatischen Kupplung

IHK-Ausschüsse setzen sich für den Brenner-Nordzulauf ein

Für den Ausbau des Brenner-Nordzulaufs haben sich der IHK-Verkehrsausschuss und der Regionalausschuss Rosenheim in einer gemeinsamen Sitzung im Februar 2019 ausgesprochen. Die heutige Lage widerspreche allen verkehrspolitischen Zielen: Heute fahren mehr Lkws über den Brenner Richtung Süden als über die gesamte Schweiz. Knapp 2,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr, ein Plus von 7,4 % gegenüber dem Vorjahr. Dazu kommen 11 Millionen Pkws. Entlang der Brenner-Autobahn liegt die Luftschadstoff-Belastung im roten Bereich.

Georg Dettendorfer, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Verkehrsausschusses, klagte, schon jetzt hätten Spediteure Mühe, die Logistik-Kette über den Brenner aufrecht zu erhalten. Staus, Fahrverbote, Grenzkontrollen – Dettendorfer sieht den Warenverkehr in Europa ernsthaft in Gefahr. Und das ist erst der Anfang.

Mehr Informationen zur Sitzung

Das Positionspapier zum Download

Priorität Güterverkehr: Konrad Bergmeister, Chef der Brenner Basistunnel Gesellschaft im Interview

Eine starke europäische Hand fordert Konrad Bergmeister. Nur so könne man es schaffen, die Zulaufstrecken rechtzeitig zu bauen. Seiner Ansicht nach haben die Länder am Bau grenzüberschreitenden Strecken kein Interesse. Sie setzten die nationale Mobilität und die Förderung des Personenverkehr auf die erste Stelle. Beim Brenner Basistunnel stehe der Güterverkehr ganz vorne, erst danach komme ein attraktiver Personenverkehr.

Lesen Sie das ganze Interview