IHK Ehrenamt

Tourismusausschuss

Der Tourismusausschuss setzt sich aus unterschiedlichen Akteuren der oberbayerischen Tourismuswirtschaft zusammen und befasst sich mit diversen Themen, die den Tourismus betreffen. Diese reichen von der Förderung der touristischen Infrastruktur über die Digitalisierung bis hin zum Klimawandel. Gemeinsam werden Positionen entwickelt und gegenüber der Politik vertreten.

Berichte aus den Sitzungen des IHK-Tourismusausschusses

Am 29. September 2022 fand die Herbstsitzung des Ausschusses Tourismus statt. Der Ausschuss hat sich dem Thema der Nachhaltigkeit im Tourismus gewidmet, denn „Der Tourismus der Zukunft ist nachhaltig“. Der bayerische Tourismus lebt von der intakten Natur, der authentischen Kultur und dem typisch bayerischen Lebensgefühl ebenso wie von der Akzeptanz der einheimischen Bevölkerung. Wie lassen sich also ökologische, ökonomische und soziale Interessen in Einklang bringen, um einen Tourismus zu ermöglichen, der allen guttut? Was muss auf Ebene der Unternehmen, der Destinationen und der Politik getan werden?

Fachvortrag zur Nachhaltigkeit im Tourismus und soziale Kriterien – was akzeptiert der Gast?

Lars Bengsch, Geschäftsführer von der dwif-Consulting GmbH, hält einen Fachvortrag zum Thema „Nachhaltigkeit im Tourismus und soziale Kriterien – was akzeptiert der Gast“. Daraus ergeben sich folgende Informationen:

  • In Bayern versteht man unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ eine Chance, um die Heimat lebenswert zu bewahren, um Gäste und Einheimische gleichermaßen im Blick zu haben und einen gemeinsamen Weg zu finden, bei dem alle beteiligten Akteuren zusammenarbeiten und Unterstützung erhalten.
  • Vor allem konzentrierte sich der Vortrag auf den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit. Die soziale Komponente (u. a. faire Löhne für die Arbeitnehmer, Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, etc.) spielen eine wichtige Rolle in Bezug auf die Gewinnung von Arbeitskräften und die Bindung der Mitarbeiter. Bis 2023 ist nämlich eine Fachkräftelücke von 8 Mio. Menschen prognostiziert. Diese Lücke kann über zwei mögliche Wege reduziert werden:

1. Prozessoptimierung und damit Senkung des Personalbedarfes (z.B. Einführung von Self Check-in/-out oder der Einsatz von Robotern in der Gastronomie)

2. Wertorientierte Unternehmenskultur und damit sozial nachhaltiges Handeln (Durchführung von Maßnahmen für die Mitarbeiter-Bindung)

  • Abschließend wurde festgestellt, dass es keine pauschale Lösung für alle Betriebe gibt. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, um die Prozesse zu optimieren und um die Nachfrage aufrecht zu erhalten.

Nachhaltige Destinationsentwicklung im Tourismus – Best Practice Beispiel aus der Region Allgäu

Klaus Fischer, Geschäftsführer von der Allgäu GmbH hält einen Fachvortrag zum Thema „Nachhaltige Destinationsentwicklung im Tourismus – Best Practice Beispiel aus der Region Allgäu“. Er liefert einen Überblick über die strategische Entwicklung der Marke Allgäu:

  • Nachhaltige touristische Entwicklung gelingt nur im Einklang mit der Bevölkerung. Daher wurde aus einem Tourismuskonzept ein Lebensraumkonzept entwickelt. Hier wird der Fokus daraufgelegt, wie die Balance zwischen Gästeerlebnis und Lebensqualität für die Einwohner der Destination gefunden werden kann.
  • Die Marke Allgäu übernimmt die Verantwortung für ein gesichertes und nachhaltiges Leben der künftigen Generationen. Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung entwickeln sich in Richtung einer selbstverständlichen Balance.
  • Außerdem bietet die Region Allgäu naturnahe Angebote, z-B. unterstützt sie die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Tourismus und die regionale Wertschöpfung über die Direktvermarktung und über regionale Produkte.

In der anschließenden Diskussion werden folgende Punkte thematisiert:

  • Akzeptanz des Tourismus: Die Bedürfnisse der Einheimischen müssen berücksichtigt werden und ein passender Lebensraum muss kreiert werden für Touristen, aber auch für die lokale Bevölkerung.
  • Wettbewerb: Es herrscht noch viel Unsicherheit, wie sich die Branche in den Jahren nach der Corona-Krise weiter entwickeln wird. Die Befürchtung besteht, dass sich viele Menschen in den nächsten Jahren für einen Urlaub außerhalb Deutschlands (u. a. Österreich und Südtirol) entscheiden werden. Daher ist es wichtig, sich im Bereich Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
  • Mobilität: Um die touristischen Angebote nachhaltig zu gestalten, muss man auch die An- und Abreise-Möglichkeiten der Gäste berücksichtigen. In diesem Zusammenhang müssen sich alle Destinationen darum kümmern, nachhaltige Mobilitätsangebote zu entwickeln.
  • Nachhaltigkeitssiegel: Derzeit gibt es leider eine verwirrende Vielzahl von Nachhaltigkeitssiegeln am Markt, die eingesetzt und den Gästen vorgezeigt werden. Zertifizierungen sollten zur Positionierung der Betriebe und den Suchkriterien der Gäste passen. Der Fokus der Gäste auf Nachhaltigkeit steigt. Ein europaweiter Standard ist die EMAS (Eco Management and Audit Scheme) Zertifizierung, die von den IHKs begleitet und eingetragen wird.
  • Energieengpässe: Die Mitgliedunternehmen wurden gefragt, ob Sie bereits von den Energieengpässen berührt sind. Hotels haben schon einige Maßnahmen umgesetzt, um Kosten zu sparen (z. B. Anpassung der Öffnungszeiten der Sauna).
  • Finanzierung: Finanzierung bleibt dabei ein wichtiges Thema. Die Politik muss die Bedeutung der Branche wahrnehmen und die Finanzierung von Maßnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit fördern (z.B. Aufbau der Rad- und Wanderwege)

Das Ergebnisprotokoll finden Sie hier.