IHK Ratgeber

Krisennavigation: Steuern durch die Krise

Exit krisenmanagement
© Pixabay

Die Coronakrise beutelt das Unternehmen, der Blick geht nach vorne: Welche Fragen muss sich die Geschäftsführung jetzt stellen, um das Unternehmen durch diese Phase zu steuern?

Welche Fragen müssen Sie sich jetzt als Unternehmer stellen?

Ein Krisenstab braucht eine Aufgabe, um sinnvoll tätig zu werden. Folgende Fragen sollten Sie sich als Unternehmer in der Coronakrise jetzt stellen:

  • Können wir aufgrund einer integrierten Finanzplanung ein best case, middle case und ein worst case Szenario rechnerisch abbilden?
  • Ist die Fortführungsfähigkeit des Geschäftsbetriebs gefährdet?
  • Wo können Zahlungsaufschübe (Mieten, Steuern,‎ Forderungen) sinnvoll sein?
  • Wie hoch ist der Liquiditätsbedarf, um flüssig zu bleiben?
  • Gibt es Notfallpläne zur Aufrechterhaltung von Produktions- und Administrationsprozessen?
  • Ist die Materialversorgung sichergestellt?
  • Welche Lieferketten sind von Ausfällen betroffen?

Was macht der Krisenstab?

Jetzt ist die Zeit für die Bildung einer Taskforce oder eines Krisenstabs, um den operativen Betrieb am Leben zu erhalten. Krisenmanagement ist Chefsache. Hierbei ist die Erstellung eines Maßnahmenplans mit den wichtigsten To Dos unerlässlich:

  • Wer?
  • Macht was?
  • Bis wann?
  • Mit wie viel (finanziellem) Aufwand?
  • Mit welchem Erfolgspotenzial?
  • Wer muss dabei informiert bzw. eingebunden werden?
  • Wie ist der aktuelle Umsetzungsstatus?
  • Sind die Maßnahmen objektiv geeignet, um das Unternehmen in überschaubarer Zeit am Leben zu erhalten?

Chefsache: Welche Sofortmaßnahmen stehen jetzt an?

Finanzen, Reporting, Kommunikation: Im Krisenmanagement stehen mehrere Unternehmensbereiche im Fokus. Was ist jetzt wichtig?

  • Cashflow: Testen und validieren Sie die Cashflowströme auf Aktualität und passen Sie die Prämissen an. Stellen Sie sicher, dass die Cash Flow Prognose integriert in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie in die Bilanz mindestens für 3 Monate im Voraus ist.
    Modellieren Sie ein Abwärtsszenario um vorausschauend handeln zu können und um Risiken zu umgehen. Um die nötige Liquidität sicherzustellen , informieren Sie sich über die Liquiditätsplanung
  • Kreditvereinbarungen: Überprüfung Sie die bestehenden Kreditvereinbarungen auf deren Inhalte und den Zahlungsverpflichtungen. Sprechen Sie mit den beteiligten Kreditinstituten bezüglich möglicher flexibler Gestaltung und Sondervereinbarungen aufgrund der aktuellen Lage.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Finanzierung und Förderung:

  • Reporting: Die externen, nicht planbaren, Einflüsse sind oft nicht steuerbar, dennoch besteht die Möglichkeit diese in Form von Kennzahlen möglichst früh zu erkennen. Mit unserem Merkblatt „9 Kennzahlen für die Früherkennung von Krisenpotenzialen“ haben Sie die Möglichkeit diese Kennzahlen anzuwenden um möglichst früh einer Krise entgegensteuern zu können.
  • Monitoring: Bei einer angespannten finanziellen Situation ist ein objektives Monitoring der jeweiligen Unternehmenslage Voraussetzung für die nötigen Handlungsoptionen. Das Monitoring gibt der Geschäftsleitung einen Überblick über den aktuellen Stand des Unternehmens. Kennzahlen aber auch eine Einordnung in mögliche Krisenszenarien sind elementar für die Stakeholder und die Geschäftsführer. Mit unserer „IHK Krisenampel“ können Sie in einem ersten Schritt die bestehende Situation einschätzen und mögliche Maßnahmen ergreifen.
  • Aktives Forderungsmanagement: In einer akuten Krisensituation gilt der Grundsatz „Liquidität vor Rentabilität“. Deshalb ist ein aktives Forderungsmanagement unerlässlich. Hierbei geht es vor allem um die Reduktion eines möglichen Zahlungsausfallrisikos. Wie Sie Ihre Forderungen zielgerichtet in Sondersituationen beitreiben und managen können zeigen wir Ihnen hier:
  • Kommunikation: Die Phase nach Eintritt des Krisenfalls entscheidet darüber, ob Ihr Unternehmen die Situation unter Kontrolle behält oder ihr hilflos ausgeliefert ist. Bereits die ersten Reaktionen sind essenziell. Zwar verläuft jede Krise anders und hat andere Ursachen, doch für die Krisenkommunikation gelten feste Grundsätze:
    • Schnelligkeit: Treten Sie aktiv und frühzeitig auf und überlassen Sie die Berichterstattung nicht unbeteiligten Dritten, die eigene Interessen verfolgen (etwa Auflage oder Follower in sozialen Medien zu generieren).
    • Glaubwürdigkeit: Informieren Sie sachlich und transparent und halten Sie sich an die Wahrheit.
    • Konsistenz: Gestalten Sie Ihre Krisenkommunikation einheitlich und koordinieren Sie die Veröffentlichungen. Melden Sie regelmäßig weitere Entwicklungen und den aktuellen Stand.
    • Verständlichkeit: Halten Sie Ihre Ausführungen kurz und knapp und nutzen Sie eine bildhafte Sprache.

Über eine klare Krisenkommunikation stärken Sie das Vertrauen in Ihr Unternehmen und beruhigen die Gerüchteküche. Gleichzeitig haben die Art der Herangehensweise und die Sprache einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung. Wer sich offensiv seinen Problemen stellt, ist vertrauenswürdig und hat nichts zu verbergen. Eine unkomplizierte Sprache verbessert nicht nur die Verständlichkeit. Eine in einfachen Worten geschilderte Krise wirkt weniger bedrohlich als eine verklausuliert beschriebene.

TIPP: Definieren Sie die Anspruchsgruppen und kommunizieren Sie relevante Informationen Adressatengerecht. Wie das funktioniert beschreiben wir hier.