IHK Ratgeber

Gesundheitswirtschaft

Working nurses in the CCU.

Die Gesundheitswirtschaft gehört in Bayern zu den größten Arbeitgebern. Darüber hinaus ist ein funktionierendes Gesundheitswesen nicht nur ein unverzichtbarer Standortfaktor für Betriebe, sondern bildet mit Angeboten und Leistungen Möglichkeiten für die Bewältigung des demographischen Wandels.

Inhaltsnavigation

Aufholprozess der Gesundheitswirtschaft dauert an

Die Corona-Pandemie hat nach wie vor negative Auswirkungen auf die Betriebe der Gesundheitswirtschaft - das verdeutlichen die Ergebnisse dieser Umfrage: Die Geschäftslage befindet sich noch unter Vorkrisenniveau. Nach dem Einbruch zu Beginn der Krise zeigt die Befragung der Industrie- und Handelskammern unter rund 700 Unternehmen der Gesundheitswirtschaft allerdings auch, dass sich die Lage für viele Unternehmen aufgehellt hat. Insbesondere die Geschäftslage der Medizintechnik hat sich gegenüber Jahresbeginn nochmals deutlich verbessert. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft liegen noch leicht unter Vorkrisenniveau. Unter den Händlern mit Gesundheitsgütern rechnen weiterhin mehr Unternehmen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung der Geschäfte. Die Unternehmen der Medizintechnik blicken im Branchenvergleich besonders zuversichtlich in die Zukunft. Insgesamt sind die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft optimistischer als die Unternehmen in der Gesamtwirtschaft.

Die kompletten Ergebnisse der Erhebung gibt es hier zum Download.

Hersteller von In-vitro-Diagnostika befürchten zusätzliche Bürokratie ‎

Wird die Entwicklung diagnostischer Innovationen wie Corona-Schnelltests künftig schwieriger? Hersteller von In-vitro-Diagnostika sehen sich nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) durch neue EU-Vorgaben vor große Herausforderungen gestellt. Diagnostikunternehmen müssen ab Mai 2022 die Verordnung (EU) 2017/746 über In-vitro-Diagnostika (IVDR) verpflichtend anwenden. Hiervon erwartet fast die Hälfte der betroffenen Betriebe hierzulande einen erschwerten Zugang für ihre Innovationen zum EU-Markt. Das geht aus einer aktuellen DIHK-Umfrage hervor, an der sich mehr als 150 Unternehmen der Branche beteiligten.

Gerade viele kleinere Befragte sehen ihre Existenz bedroht

Demnach fürchten auch viele In-vitro-Diagnostika-Hersteller zusätzliche Bürokratie und lange Zulassungsverfahren. Gerade für kleine Betriebe sind die neuen Vorgaben mit großen Schwierigkeiten verbunden: Mehr als ein Drittel der Befragten mit weniger als 26 Mitarbeitern hat wegen der neuen Verordnung sogar Existenzängste. Fast die Hälfte der Unternehmen plant zudem, Produkte vom europäischen Markt zu nehmen. Um Krankheiten diagnostizieren oder Therapien steuern zu können, sind sogenannte In-vitro-Diagnostika jedoch von enormer Bedeutung. Das gilt etwa für Corona-Schnelltests, Blutzuckerkontrollen oder auch für Flüssigbiopsien in der Krebsdiagnostik. Hinzu kommt, dass die Covid-19-Pandemie bei 60 Prozent der Betriebe aktuell zu Verzögerungen führt und die Vorbereitungszeit auf die neuen EU-Vorgaben verkürzt. Umgekehrt zeigt gerade die Krise, wie wichtig innovative diagnostische Produkte, beispielsweise Coronavirus-Schnelltests, auch künftig sein können. Doch wollen 30 Prozent der Befragten aufgrund der neuen EU-Vorgaben in Zukunft weniger Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben.

Unternehmen berichten von Engpässen bei den "Benannten Stellen"

Dass durch die neuen EU-Vorgaben zusätzliche Bürokratie entsteht, befürchten zwei Drittel der Betriebe; knapp 60 Prozent erwarten außerdem höhere Kosten beim Marktzugang und fehlende Kapazitäten bei den sogenannten "Benannten Stellen". Denn künftig müssen deutlich mehr Unternehmen ein Zulassungsverfahren bei einer Benannten Stelle durchlaufen, um überhaupt einen EU-Marktzugang für ihre Diagnostikprodukte zu erhalten: Für fast die Hälfte der befragten Betriebe mit weniger als 26 Mitarbeitern steht dies aufgrund der EU-Verordnung nun erstmals an. Gleichzeitig werden künftig auch viele größere Unternehmen für weitere Produkte verpflichtend eine Benannte Stelle hinzuziehen müssen. Hinzu kommen Betriebe beispielsweise aus den USA, die bisher Zulassungsstellen in Großbritannien nutzen und nun aufgrund des Brexit ausweichen müssen – eine Überlastung bahnt sich an.

Betriebe sehen auch Chancen, hoffen aber auf Übergangsfristen

Zwar erwarten einige Diagnostik-Unternehmen von den neuen Vorgaben auch Vorteile – etwa EU-weit gleiche Marktbedingungen oder eine leichtere internationale Markterschließung. Viele wünschen sich jedoch einen pragmatischen Umgang mit den Übergangsfristen, um die neuen Vorgaben erfüllen zu können. So befürwortet mehr als die Hälfte der Befragten eine Verschiebung des Geltungsbeginns um ein Jahr. Eine Schonfrist für Produkte, die bisher noch keine Benannte Stelle für einen EU-Marktzugang benötigt haben, fänden mehr als 40 Prozent hilfreich. Für 45 Prozent der betroffenen Unternehmen ist zudem eine weitere Harmonisierung der Zulassungen wichtig, um internationale Märkte mit weniger Aufwand und Kosten erschließen zu können.

Die kompletten Ergebnisse der Erhebung gibt es hier zum Download.

Zurück zur Übersicht

Medizinprodukteverordnung-Checkliste

In einer Ende 2019 gemeinsam mit dem Fachverband Medical Mountains erstellten Checkliste informiert der DIHK über die wichtigsten Regelungen der EU-Medizinprodukte-Verordnung, die seit dem 26. Mai 2021 in Kraft ist.

Hier geht es zur Checkliste von DIHK und Medical Mountains zur Europäischen Verordnung 2017/745 über Medizinprodukte.

Zurück zur Übersicht

Betriebliches Gesundheitsmanagement und -förderung

Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermeiden krankheitsbedingte Ausfälle und unterstützen auch erfahren Beschäftigte dabei, länger leistungsfähig ihren Beruf auszufüllen. Die betriebliche Gesundheitsförderung stärkt die Potenziale der Beschäftigte, aber auch die Position als Arbeitgeber. Mit dem Einsatz in der Gesundheitsförderung und –prävention zeigen Arbeitgeber, dass Sie Verantwortung für die Menschen im Betrieb übernehmen. Das Engagement ist somit auch eine Visitenkarte für die Arbeitgeber, um das Personal an sich zu binden und neue Fachkräfte zu gewinnen. Die deutsche Industrie- und Handelskammer unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, sich zu engagieren.

Hier finden Sie ein Checkheft, das Ihnen dabei helfen wird, die passenden Maßnahmen für Ihr Unternehmen zu finden – egal ob Sie gerade erste Schitte auf diesem Gebiet planen oder bereits aktiv und aus der Suche nach Anregungen sind.

Zurück zur Übersicht

Digitalisierung

Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierung Gesetz (DVPMG)

Digitale Helfer für die Pflege, mehr Telemedizin und eine moderne Vernetzung im Gesundheitswesen, das sind Ziele des Gesetzes zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege, das in weiten Teilen seit dem 09. Juni 2021 gilt. Das neue Gesetz sieht insbesondere folgende Neuregelungen mit einem Wirtschaftsbezug vor:

Anpassung der Rahmenbedingungen für digitale Gesundheitsanwendungen:

Im Rahmen des Digitale Versorgung Gesetzes (DVG) aus 2019 wurde für Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen ein eigenständiges Antragsrecht auf Aufnahme in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung geschaffen (insb. §§ 33a, 139e SGB V). Nun werden die Rahmenbedingungen bereits etwas angepasst. So ist für Hersteller ab 2023 ein Zertifikat für den Datenschutz und die Datensicherheit verpflichtend (§ 139e Abs. 10 und 11 SGB V). Der Hersteller ist nun verpflichtet, Veränderungen an der digitalen Gesundheitsanwendung zu dokumentieren.

Leistungen von Heilmittelerbringern wie Physiotherapeuten, die im Zusammenhang mit DiGAs erbracht werden, werden künftig vergütet (§ 125 SGB V, für Heilmittelerbringer werden nun auch telemedizinische Leistungen ermöglicht).

DiGAs sind ab dem 1. Januar 2023 so zu gestalten, dass die von der DiGA verarbeiteten Daten in einem interoperablen Format in die elektronische Patientenakte des Versicherten übermittelt werden können (vgl. § 342 Abs. 2 SGB V). Entsprechende Änderungen gibt es auch in der "Digitale Gesundheitsanwendungen-Verordnung" (Artikel 7), die Details zum Verfahren regelt.

Neues Verfahren für digitale Pflegeanwendungen:

Angelehnt an das DiGA-Verfahren wird ein neues Verfahren zur Prüfung der Erstattungsfähigkeit digitaler Pflegeanwendungen (DiPA) und zur Aufnahme in ein entsprechendes Verzeichnis beim BfArM eingeführt (insb. §§ 40a, 78a SGB XI). Hersteller können einen Antrag auf Aufnahme in das Verzeichnis stellen. Zum Beispiel sind Kriterien wie Barrierefreiheit, altersgerechte Nutzbarkeit und Qualität der pflegebezogenen Inhalte für das Bewertungsverfahren relevant.

Für digitale Pflegeanwendungen ist durch den Hersteller und den Spitzenverband Bund der Pflegekassen ein Vergütungsbetrag zu verhandeln. Zur genauen Ausgestaltung des neuen Bewertungs- und Zugangsverfahren im SGB V wird das BMG ermächtigt, eine Rechtsverordnung zu erlassen.

Integration offener und standardisierte Schnittstellen in Hilfsmitteln und Implantaten:

Hilfsmittel oder Implantate, die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung an Versicherte abgegeben werden und die Daten über den Versicherten elektronisch über öffentlich zugängliche Netze an den Hersteller oder Dritte übertragen, müssen ab dem 1. Juli 2024 (im Entwurf noch 1. Juli 2023) ermöglichen, dass die von dem Hilfsmittel oder dem Implantat verarbeiteten Daten in geeigneten interoperablen Formaten in eine erstattungsfähige digitale Gesundheitsanwendung übermittelt und dort weiterverarbeitet werden können.

E-Rezept und Anbindung an die Telematik Infrastruktur:

Heil- und Hilfsmittelerbringer sind ab dem 1. Juli 2026 verpflichtet, die Leistungen auf der Grundlage einer elektronischen Verordnung zu erbringen. Um eine flächendeckende Nutzbarkeit der jeweiligen elektronischen Verordnungen sicherzustellen, werden die entsprechenden Erbringer der verordneten Leistungen (z.B. Pflegedienste oder auch die Heil- und Hilfsmittelerbringer) zum sukzessiven Anschluss an die Telematikinfrastruktur verpflichtet (z.B. § 360 Abs. 7 und 8 SGB V). Die ihnen dadurch entstehenden Kosten werden erstattet.

Eine Übersicht weiterer Neuregelungen finden Sie auf dem Homepage des BMG.

Zurück zur Übersicht

‎Hilfsmittelversorgung

Unternehmen der Hilfsmittelversorgung wie etwa Sanitätshäuser leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung vor Ort und damit zur Standortqualität. Eine Mitte Oktober 2020 vom DIHK vorgestellte Umfrage zeigt, dass die Betriebe nicht nur unter der Pandemie leiden, sondern auch unter einer enormen Bürokratie, die noch zu wachsen droht. Wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen, damit die Betriebe die Versorgung mit individuellen Prothesen, Sauerstoffgeräten, Inkontinenzprodukten oder anderen Hilfsmitteln sicherstellen können? Was erwarten die Unternehmen von der zunehmenden Digitalisierung? Welche Vorschläge zum Bürokratieabbau erachten sie als besonders wichtig, und welche Auswirkungen der Corona-Krise spüren sie? Diese Fragen stellten der DIHK und die Verbundgruppe rehaVital den Unternehmen der Branche in einer gemeinsamen Online-Befragung.

Herausforderungen Corona, Bürokratie und Fachkräftemangel

Dabei zeigte sich, dass die Hälfte der Betriebe bereits jetzt mehr als 30 Prozent ihrer Zeit auf Bürokratiepflichten verwendet. Zugleich sorgt etwa der Corona-bedingte Rückgang von Operationen bei fast 70 Prozent der Unternehmen der Hilfsmittelversorgung für Umsatzausfälle. Und für mehr als 50 Prozent der Umfrageteilnehmer bleibt auch der Fachkräftemangel eine große Herausforderung.

Gleichzeitig ist abzusehen, dass der Aufwand für bürokratische Anforderungen durch die neuen Vorgaben der europäischen Medizinprodukteverordnung noch weiter steigen werden. Diese EU-Verordnung, die für die Unternehmen zusätzlichen Aufwand bedeutet, kommt ab Mai 2021 zur Anwendung. Dann werden beispielsweise höhere Anforderungen an die Dokumentation und Bewertung für bestimmte Produkte gelten.

Das führt nicht nur zu noch mehr Bürokratie, sondern kann auch den Zugang innovativer, individuell gefertigter Medizinprodukte zum Markt erschweren. Entsprechend halten es der Umfrage zufolge auch rund 65 Prozent der Betriebe für sehr oder äußerst wichtig, dass die neuen Vorgaben praxisgerecht ausgelegt werden.

Digitalisierung vorantreiben Von der geplanten Einführung des E-Rezepts allein verspricht sich sich die Mehrheit der befragten Unternehmen noch keinen Durchbruch beim Bürokratieabbau. 75 Prozent sind klar für vollständig digitalisierte Prozesse, und 40 Prozent der Betriebe halten es für besonders wichtig, dass digitale Anwendungen in der Hilfsmittelversorgung stärker genutzt werden können.

Die kompletten Ergebnisse der Erhebung gibt es hier zum Download.

Zurück zur Übersicht

Fachkräftemangel im Pflegebereich

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist da. Diese Situation wird sich aufgrund der großen Krankenhausdichte vor allem in der Stadt München und seinem Umland noch weiter verschärfen. Fast sieben von zehn Betrieben aus dem Bereich der Gesundheits- und Sozialdienstleistungen sehen ihn als großes Risiko für ihre Geschäftsprozesse an. Vor diesem Hintergrund herrscht ein harter Konkurrenzkampf um gut ausgebildete Fachkräfte in der Pflege. Übereinstimmung besteht unter Experten deshalb darin, Pflegeberufe attraktiver zu machen, um mehr junge Leute für die Pflege zu gewinnen und so dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken. Die Bundesregierung hat deshalb am 13. Januar 2016 einen Gesetzentwurf zur ‎Reform der Pflegeberufe beschlossen. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen hat man sich nun geeinigt: Das Konzept sieht vor, dass künftig in allen Pflegeschulen die Ausbildung mit einer zweijährigen generalistischen Pflegeausbildung beginnen wird. Nach zwei Jahren haben die Auszubildenden die Wahl, die generalistische Ausbildung fortzusetzen oder den bisherigen Abschluss als Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger zu wählen. In der generalistischen Ausbildung wird es eine Vertiefung in der Alten- und Kinderkrankenpflege geben. Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben. Die Neuregelungen sollen für die Ausbildungsjahrgänge ab 2019 gelten. Die Ausbildung soll über einen Fonds finanziert werden, dadurch würden die in mehreren Bundesländern üblichen Schulgebühren entfallen.

Zurück zur Übersicht

Gesundheitsfinanzierung sicherstellen

Bei den Gesundheitskosten nimmt Deutschland mit Ausgaben von 344 Milliarden Euro einen internationalen Spitzenplatz ein. Allein die gesetzliche Krankenversicherung gab im Jahr 2015 rund 200 Milliarden Euro aus. Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurde mit dem Morbi-RSA (morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich) ‎im Jahr 2009 neu gestaltet. Der Morbi-RSA ‎regelt als wichtigstes Steuerungsinstrument den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen. Er wurde zeitgleich mit dem Gesundheitsfonds eingeführt. Darin werden die für die ‎Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehenen Mittel – wie Steuerzuschuss des Bundes und Beitragssätze zur Krankenversicherung –‎ gesammelt.

Die Krankenkassen erhalten aus dem Gesundheitsfonds ‎Zuweisungen, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Wie hoch die Zuweisungen für ‎den einzelnen Versicherten an die Krankenkassen ausfallen, legt der Morbi-RSA ‎fest. Die Kritik an diesem Zuweisungssystem zwischen den gesetzlichen Krankenkassen hält an. Denn es berücksichtigt nicht die regionalen Kostenunterschiede: Lt. einem Gutachten des bayerischen Gesundheitsministeriums fließen rd. 2 Mrd. Euro im Rahmen des Ausgleichs für Krankenkassen aus Bayern ab. Gleichzeitig reicht in einzelnen Regionen Bayerns (v.a. in den Ballungsgebieten) das Zuweisungsvolumen nicht, um den Versorgungsbedarf zu decken. Es ist wird daher gefordert, die Zuweisungsgerechtigkeit zu verbessern. Bestehende regionale Kostenunterschiede müssen mittels eines Regionalfaktors im Morbi-RSA einen Ausgleich erfahren. Allerdings sind die Daten des Gutachtens umstritten. Dies rührt daher, dass einzig das Bundesversicherungsamt (BVA) über die relevanten Daten verfügt und diese bislang (auch aus Gründen des Konkurrenzschutzes zwischen den Krankenkassen) nicht offengelegt wurden.

Zurück zur Übersicht

Ärztliche Versorgung in ländlichen Raum

Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist eine der großen, künftigen Aufgaben. Denn der demografische Wandel führt dazu, dass in einigen Regionen Oberbayerns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Bevölkerungsdichte massiv abnehmen wird. Diese geht mit einem steigenden Durchschnittsalter der verbleibenden Bevölkerung einher und damit mit einem steigenden Bedarf an medizinischer Betreuung. Doch auch in diesen oberbayerischen ländlichen Regionen muss die medizinische Versorgung aufrechterhalten werden, denn es gibt letztlich eine gesellschaftliche Pflicht, für gleiche Lebensbedingungen und gleiche Lebensqualität zu sorgen.
Um die Attraktivität dieser ländlichen Räume aufrecht zu erhalten und so Fachkräfte in diese Regionen zu ziehen, kommt der Vernetzung der Sektoren ein hoher Stellenwert zu. Gerade in dünn besiedelten Gebieten spielen die unter dem Oberbegriff E-Health zusammengefassten Aktivitäten eine große Rolle. Zu den möglichen Einsatzgebieten zählen insbesondere die Telemedizin, die die räumliche Trennung von Arzt und Patient überbrücken soll, sowie die Möglichkeiten, die eine elektronische Gesundheitskarte bieten.

Hindernisse liegen insbesondere noch in fehlenden flächendeckenden, bundesweiten schnellen Breitbandanschlüssen. Auch die heutigen heterogenen IT-Landschaften in der Versorgung sind ein wesentlicher Hemmschuh für eine bessere Zusammenarbeit. Die Bundesregierung hat diese Herausforderungen erkannt und plant laut Koalitionsvertrag eine Ausweitung der Telemedizin. Dieses Ziel ist nach Ansicht der IHK prinzipiell sinnvoll, der Weg dorthin ist jedoch noch zu konkretisieren.

Zurück zur Übersicht

Krankenhaus-Potenziale nutzen

Der Krankenhaussektor hat mit einer Bruttowertschöpfung von mehr als 60 Mrd. Euro und über 1,5 Mio. Erwerbstätigen eine enorme Bedeutung. Seine Potenziale – insbesondere die der Krankenhäuser in privater Trägerschaft – müssen genutzt werden. Die Finanzierung ist dafür ein Kernmechanismus. Das Wichtigste in Kürze: Die duale Finanzierung ist nicht zukunftsfähig. Die Trennung zwischen krankenkassenfinanzierten Betriebskosten und steuerfinanzierten Investitionen hindert die Krankenhäuser an einer sinnvollen betriebswirtschaftlichen Planung. Zudem sind sie stark von kommunalpolitischen Einflüssen abhängig.

  • Die Monistik sollte als mittelfristiges Reformziel angestrebt werden. Bei dieser „Finanzierung aus einer Hand“ ergänzen die Krankenkassen die diagnosespezifischen Fallpauschalen, die sie an die Krankenhäuser zahlen, um Investitionszuschläge.
  • Es sollte umfassend selektives Kontrahieren (Einzelverträge zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern) für selektive Leistungen ermöglicht werden. Vorausgesetzt ist die Anwendung des Wettbewerbsrechts bei allen Beteiligten. Die Länder sind dann mittel- bzw. langfristig – und unter Beteiligung privater Anbieter – für die Notfallversorgung und die Versorgung im ländlichen Raum zuständig.

Zurück zur Übersicht

‎Neue Geschäftsfelder in der Gesundheitswirtschaft ‎

Demografischen Wandel als Chance begreifen – die Demografie eröffnet neue Geschäftsfelder für die Akteure der Gesundheitswirtschaft, um eine steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und Gütern zu bedienen. Auch der Export bietet große Chancen.

Neue Kooperationsformen sind nötig: Die Akteure der Gesundheitswirtschaft sind aufgefordert, Kreativität zu zeigen, um die langlebigen und zähen Hemmnisse in der Zusammenarbeit der Sektoren – Prävention, ambulante und stationäre Kuration und Rehabilitation – zu überwinden. Hierfür bieten lokale Netzwerke, in die alle Akteure – auch Kommunen – eingebunden werden, den richtigen Einstieg.
Zweiter Gesundheitsmarkt mit Potenzial: Alle Beteiligten benötigen Informationen über die tatsächlich anfallenden Kosten von Gesundheitsleistungen. Auch muss klar sein, was die Kassen und Versicherungen im Rahmen der Versicherungspflicht – also des ersten Gesundheitsmarkts – leisten. Ausgehend hiervon müssen private Ergänzungs- oder Aufstockungszahlungen durchgängig möglich sein. Das Sachleistungsprinzip muss schrittweise überwunden und das Kostenerstattungsprinzip in der GKV umfassend und ohne Nachteile für die Versicherten angewendet werden.

Die Fachkräftebasis sichern: Insbesondere zur Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung und Pflege sollte

  • mehr Raum für die flexible Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen hinweg bestehen. Kooperationen zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sollten in größerem Umfang möglich sein
  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessert werden. Hier können auch die Betriebe ihren Mitarbeitern vielfach Unterstützung geben
  • die Pflegeausbildung ausgeweitet werden. Hierzu müssen die Betriebe und Schulen mehr ausbilden, und die Ausbildungen müssen insgesamt aufgewertet werden. Ebenso ist die Einführung eines bundeseinheitlich geregelten IHK-Pflegeberufs überlegenswert
  • das Potenzial ausländischer Fachkräfte angehoben werden. Die schnellere Anerkennung
    ausländischer Abschlüsse und sinnvolle Zuwanderungsregeln sind ebenso wichtig wie die Herstellung von Rechtssicherheit für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen
  • der Nachwuchs für neue Berufe, etwa im IT-Bereich, gesichert werden. Hier müssen sich vor allem die Betriebe anstrengen, um für Fachkräfte attraktiv zu sein. Aber auch die Politik muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass bisher ungenutzte Potenziale von den Betrieben gehoben werden können.


Prävention stärken: Im Zuge des demografischen Wandels wird Prävention immer wichtiger. Sie muss auf allen Ebenen – in den Betrieben, auf kommunaler Ebene und institutionell im System der Sozialversicherungen – gestärkt werden und einen größeren Stellenwert erhalten.
Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten: In diesem Feld kommt der Gesundheitswirtschaft eine besondere Rolle als Akteur und Betroffenem zu. Insbesondere gilt es, KMU zu unterstützen und ihnen einfache, praktische Hilfen aufzuzeigen.
Finanzierung sichern: Die Politik muss die gesetzliche Krankenversicherung,
ebenso wie die sozialen Pflegeversicherung, auf eine lohnunabhängige Finanzierung in Verbindung mit einem steuerfinanzierten Sozialausgleich umstellen. Ergänzende Kapitaldeckung ist notwendig, um eine spätere hohe Belastung von Beitragszahlern und Betrieben zu vermeiden. Debatte über zukünftigen Versorgungsumfang führen: Politik und Gesellschaft müssen die Diskussion über den künftigen Leistungsumfang des Gesundheitswesens führen, um auch künftigen Generationen eine angemessene Versorgung zu ermöglichen.

Zurück zur Übersicht