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Das sagen die Unternehmerinnen und Unternehmer

In München und Oberbayern gibt es rund 390.000 Unternehmerinnen und Unternehmer. Welche wirtschaftspolitischen Themen bewegen sie? Was muss sich im Zuge der Landtagswahl ändern? Wir haben mal nachgefragt...

"Die Landtagswahl am 14. Oktober ist ein Pflichttermin!"

"Ich bin überzeugt: Auch wir Unternehmerinnen und Unternehmer müssen uns in die politische Debatte mit einbringen. Es gibt wirtschaftspolitisch noch viel zu tun, und wir sind alle dazu aufgerufen, zur Lösung beizutragen. Die Landtagswahl am 14. Oktober ist deshalb ein Pflichttermin für jeden von uns. Wir müssen in der Politik wieder verstärkt für die Freiheit des Unternehmertums eintreten. Es ist nicht zielführend, wenn die öffentliche Hand zu stark in die betrieblichen Prozesse und Entscheidungen eingreift.

Bestes Beispiel ist die ganze Flächendebatte. Anstatt über Beschränkungen zu sprechen und damit Gewerbeflächen faktisch zu begrenzen, sollen unter Voraussetzung einer wettbewerbsfähigen Infrastruktur, einem uneingeschränkten Breitbandausbau und gleichzeitig Bürokratieabbau, bessere Voraussetzungen für schnelleres Bauen und mehr Ressourcen- und Flächeneffizienz geschaffen werden. Nur so bleiben wir als Wirtschaftsstandort attraktiv und vermeiden Abwanderungen"

Katrin Eissler, Spedition Neuner GmbH & Co. KG

"Wo ist der große Plan für Bayern?"

"Unabhängig vom Tagesgeschäft hat jeder Unternehmer seine langfristige Entwicklung im Blick. Man plant für die Zukunft, tätigt Investitionen für mehrjährige Zeiträume und setzt sich Ziele. Genau diese langfristige Planung fehlt mir in der Politik. Wo ist der große Plan für Bayern? In welche Richtung sollen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gehen? Darauf gibt es in meiner Wahrnehmung derzeit leider keine umfassenden Antworten, schon gar nicht über Parteigrenzen hinweg. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner für die Zukunft Bayerns. Das muss sich ändern."

Wilfried Horn, FranchiseWerk GmbH

"Ein klares Ja! zu neuen Rahmenbedingungen!"

"Familie und Beruf lassen sich auch im Jahr 2018 noch immer nicht ohne Reibungsverluste vereinen. Beim Thema Kinderbetreuung in den Schulen und Kindertagesstätten gibt es weiterhin viel zu tun, da ist die Situation für Familien nicht optimal - ganz egal ob aus Sicht der Unternehmer oder Mitarbeiter. Die Politik muss endlich die Voraussetzungen für flexiblere Lösungen schaffen, die sich zur tatsächlichen Realität der Menschen passen. Die Arbeitswelt hat sich grundlegend verändert - deshalb ein klares Ja! zu neuen Rahmenbedingungen!"

Petra Göckel, ADJUVA Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft

"Abschiebung Geflüchteter in Arbeit: Die Politik muss umdenken!"


"Als Ausbildungsunternehmen investieren wir viel Zeit und Engagement in unsere Azubis. Da tragen wir viel Verantwortung. Aus Erfahrung weiß ich: jeder junge Azubi ist anders. Deshalb wäre mehr Flexibilität in der Ausbildung sinnvoll und wünschenswert. Beispielsweise bei der Dauer einer Lehre, damit individuell auf schwächere und stärkere Azubis eingegangen werden kann. Dann haben wir am Ende auch bessere und noch motiviertere Fachkräfte. Mit der Ausbildung verbunden ist auch die Integration von Geflüchteten. Es ist untragbar, dass Menschen einen Abschiebungsbescheid erhalten - obwohl sie das B2-Sprachniveau bestanden haben, eine Ausbildung absolviert haben und eine Festanstellung von ihrem Arbeitgeber erhalten haben und vom Betrieb übernommen worden sind. Dieser Geflüchtete darf nicht mehr abgeschoben, ganz egal, aus welchem Land er kommt. Hier muss die Politik umdenken."

Hans Medele, Autohaus MedeleSchäfer GmbH

"Daten- und Verbraucherschutz: Gute Absicht, schlechte Umsetzung"

"Als Dienstleister bewegen mich besonders die gesetzlichen Regelungen zum Daten- und Verbraucherschutz. Hier geht es speziell um die Datenschutzgrundverordnung. Mein Fazit: Diese Verordnung ist ein absolutes Monster in der täglichen Arbeit. An vielen Stellen hat man zwar in guter Absicht geplant, aber schlecht umgesetzt. In der Praxis ist der bürokratische Aufwand für uns kleinere Unternehmer groß, der tatsächliche Nutzen für die Verbraucher hingegen oft gar nicht spürbar. Viele Bestimmungen gehen in der Umsetzung vollkommen an der Realität von kleinen und mittelständischen Unternehmen vorbei.

Der durchschnittliche mittelständische Dienstleister hat beispielsweise nicht Hunderttausende oder mehr Kundendaten die er für seine Umsatzziele etc. nutzen kann. Dementsprechend überzogen ist deshalb der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Auflagen der DSGVO zu erfüllen. Konzerne haben die notwendigen Ressourcen - der Mittelstand meist nicht. Vielmehr werden wir zum Opfer für dubiose Abmahnanwälte gemacht und völlig allein gelassen. Auch wir wollen einen vernünftigen und nötigen Verbraucherschutz. Aber eben so, dass er Sinn macht und in der Praxis ohne eigene Rechtsabteilung händelbar ist. Hier hat die Bundespolitik an vielen Stellen enttäuscht. Zumindest auf Landesebene soll deshalb die künftige Staatsregierung den bürokratischen Aufwand für unsere Unternehmen lockern".

Udo Geller, Optyma GmbH & Co KG Versicherungsmakler

Netzinfrastruktur: "Da muss endlich angepackt werden!"

"Ich bin Jungunternehmer. Da mache ich mir natürlich viele Gedanken um die Zukunft der jungen Generationen. Welche Auswirkungen haben die gesellschaftspolitischen Maßnahmen auf meine unternehmerische Tätigkeit? Hier spielt für mich die Generationengerechtigkeit eine große Rolle. Die aktuelle Rentenpolitik empfinde ich als weniger solidarisch gegenüber den jüngeren Generationen. Und sie kostet uns Arbeitskräfte. Das ist besonders jetzt, in Zeiten leergefegter Arbeitsmärkte bitter. Sorgen bereitet mir ebenfalls, dass unser Standort bei der Digitalisierung noch immer hinter seinem Potential zurückbleibt. Gerade die Netzinfrastruktur entspricht in vielen Gegenden nicht den jetzigen und künftigen Anforderungen. Jetzt muss endlich angepackt werden."

Peter Goldbach, Valmed GmbH und Vorstands- sowie Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Bayern e.V.

Es ist Zeit für eine Wohnbauoffensive!

"Bezahlbarer Wohnraum ist Wahlkampfthema Nummer eins. Zu Recht, denn auch die Unternehmen sind massiv davon betroffen. Es ist deshalb ein gutes Zeichen, dass die Politik endlich erkannt hat, welche Bedeutung das Angebot von bezahlbarem Wohnraum für die gesamte Entwicklung der Wirtschaft hat. Jetzt ist es höchste Zeit für die Umsetzung der richtigen Instrumente. Dazu zählt eine Wohnbauoffensive und gerade für die Region München einen Verbund zwischen der Landeshauptstadt und den Landkreisen. In der Stadt selbst muss nachverdichtet und höher gebaut werden. Das wird aber auch Widerstände produzieren. Deshalb brauchen wir mehr Entwicklung auch am Land, kombiniert mit einem Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur."

Andreas Eisele, Eisele Real Estate GmbH