Alyne

Mehr Sicherheit dank Cloud

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Die Alyne-Gründer Stefan Sulistyo und Matthias Danner helfen mit ihrer Software, Risiken für Unternehmen zu minimieren.

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Matthias Danner ‎und Stefan Sulistyo.

Nettes Gelände. Wo befinden wir uns hier eigentlich?

Stefan Sulistyo: Das Ganze hier nennt sich Medienfabrik. Das Gelände gehört der Allianz. Wir haben hier eine schöne Mischung aus alten und neuen Gebäuden.

Die Medienfabrik ist bunt und hat viel Grün. Das wirkt sehr inspirierend. Gibt es hier viele Start-ups?

Matthias Danner: Es gibt hier einige gute Start-ups, aber auch etablierte Firmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern, die ein ganzes Gebäude bezogen haben. Electrola ist zum Beispiel hier, das ist ein bekannter Musikverlag. Ich finde es sehr spannend, in dieser direkten Nachbarschaft von Start-ups und größeren Unternehmen zu arbeiten. Unten in der Tiefgarage ist alles voll mit Ladestationen für E-Mobile. Das zeigt, dass wir hier viele innovative Firmen haben.

Entsteht hier die Zukunft unserer Wirtschaft?

Stefan Sulistyo: Möglicherweise. Das betrifft auch die Raumgestaltung. Wir kommen alle aus dem Konzernumfeld. Und auch da kann man beobachten, dass der Trend weg von Einzelbüros hin zu größeren Räumen geht. Da kann man viel falsch machen. Für den einzelnen Mitarbeiter kann es zu unruhig und laut werden. Im schlimmsten Fall kann es Menschen krank machen. Wir haben versucht, mit unserer Einrichtung das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Man ist zu mehreren im Raum. Das wirkt kommunikativ. Und hat trotzdem die Chance, sich auch mal abzukapseln, wenn man Ruhe braucht.

Seit wann gibt es Alyne? Und was ist Ihr Geschäftsmodell?

Matthias Danner: Wir haben Alyne 2015 gegründet. Wir sind also seit knapp 3 Jahren auf dem Markt. Wir sind vier Gründer. Manuel Reil und Karl Viertel sind heute leider nicht da. Die sind unterwegs für Investorengespräche, weil wir gerade eine neue Finanzierungsrunde machen. Wir waren zuvor alle bei großen Consulting-Firmen tätig. Stefan war zuletzt bei einem großen Medien- und Telekommunikationsunternehmen verantwortlich für IT-Sicherheit, Risikomanagement und Compliance. Wir vier Gründer hatten alle die gleiche Erkenntnis: Viele Firmen haben genau bei diesen Zukunftsthemen große Probleme. Und genau dafür haben wir eine Cloud-basierte Software entwickelt.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Firma zu gründen?

Matthias Danner: Weil der Bedarf nach Lösungen so groß ist, und wir für die meisten Firmen kein passendes Produkt gesehen haben. Viele Unternehmen haben noch rein gar nichts gemacht. Wir wissen aus Untersuchungen, dass die Hälfte der Mittelständler nicht einmal eine Sicherheitsrichtlinie hat – und das ist das absolute Minimum, um das organisatorisch zu regeln.

Wie erklären Sie sich diese Passivität?

Stefan Sulistyo: Ein Grund dafür ist ein Missverständnis. Viele glauben, Sicherheit und Cyber-Sicherheit seien rein technische Themen. Man baut Firewalls auf und lässt Anti-Virensoftware installieren. Fertig. Das ist ein großer Irrtum. Tatsächlich geht es um Menschen, Organisation, Richtlinien, Prozesse und Regelungen, die ich für meinen Betrieb treffen muss.

Warum sollten Firmen, die das alles jahrelang ignoriert haben, sich plötzlich um diese Themen kümmern?

Stefan Sulistyo: Weil die Risiken und der öffentliche Druck immens gestiegen sind. Man schaut heute genau hin, was Firmen tun und lassen. Auch der Gesetzgeber zwingt die Firmen zum Handeln. Die Datenschutzgrundverordnung war nicht zufällig ein heißes Thema in den vergangenen Monaten. Die Firmen stehen plötzlich vor Aufgaben, die sie mit ihren alten Werkzeugen nicht in den Griff bekommen. Auch Mittelständler fragen sich heute zum ersten Mal ernsthaft: Sorgen alle meine Zulieferer für die nötige Cyber-Sicherheit in der Wertschöpfungskette? Achten die auf den Datenschutz? Da stehe ich als Auftraggeber gesetzlich mit in der Verantwortung.

Der Gedanke ist sicher löblich. Aber wofür braucht es da Ihre Software?

Matthias Danner: Ein Mittelständler kann Hunderte von relevanten Zulieferern haben, ein Großkonzern leicht 5.000 und mehr. Niemand hat die personellen Kapazitäten, um das zu prüfen. Man kann natürlich eine Beratungsfirma engagieren. Die knöpft dir dann für die Prüfung eines einzelnen Zulieferers leicht ein paar Tausend Euro ab. Das kann wohl nicht die Lösung sein.

Wie sieht denn Ihre aus?

Matthias Danner: Die haben wir als Software gebaut. Es ist ein Cloud-Service, den wir Unternehmen anbieten. Damit kann jedes Unternehmen – vom Mittelständler bis zum Großkonzern – die entscheidenden Themen komplett abdecken: Datenschutz, Security-Management und Compliance.

Wie steht es mit der Nachfrage – und wie wollen Sie noch wachsen?

Stefan Sulistyo: Wir haben mittlerweile 40 Kunden. Es gibt eine Firma in unserem Umfeld, die setzt unsere Lösung weltweit an 60 Standorten ein. Geschäftspotenzial sehen wir vor allem bei Firmen, die bislang gar nichts gemacht haben, aber plötzlich unter Druck stehen. Die brauchen schnelle, leicht umsetzbare Lösungen. Da geht es auch darum, zu schulen, um fast ohne Zeitverlust Resultate zu erzielen.

Matthias Danner: Wir sehen auch Firmen, die sich aktiv um die genannten Themen kümmern, aber noch sehr „old school“-mäßig unterwegs sind. Da wird noch viel manuell gearbeitet mit Excel-Tabellen, mit Checklisten und so weiter.

Es gibt sicher andere Anbieter am Markt. Wie unterscheiden Sie sich von Konkurrenzprodukten?

Stefan Sulistyo: Natürlich gibt es schon Software auf dem Markt. Die kommt von Spezial-Anbietern, aber da sind auch große Namen wie IBM dabei. Die haben die Software schon vor 10 oder 15 Jahren auf den Markt gebracht. Und sorry, so sieht die auch aus. Das erinnert nicht nur optisch an Windows 95. Es ist sehr teuer und aufwendig, solche Systeme einzuführen. Letztlich ist das nur von Spezialisten zu bedienen. Für den Mittelstand ist das eine Nummer zu groß. Wir kennen Beispiele von Konzernen, die teilweise Millionen von Euro investiert haben und seit Jahren daran arbeiten, so eine Software einzuführen, aber es funktioniert einfach nicht.

Machen wir einen Werbeblock. Ist Ihre Lösung smarter, schlanker und besser?

Matthias Danner: Es ist auf alle Fälle ein moderner Ansatz. Mit unserem Cloud-Service sind wir in der Lage, unsere Kunden vom Tag eins an produktiv zu versorgen. Die Lösung ist gut skalierbar. Der Kunde bekommt den Leistungsumfang, den er wirklich braucht. Unsere Oberfläche ist absolut nutzerfreundlich gestaltet. Die Bedienbarkeit orientiert sich an Apps, die man von seinem Smartphone her kennt. Weiterer Pluspunkt: Unsere Software hat viel von dem eingebaut, was man ansonsten von externen oder internen Beratern mühsam erarbeiten lassen muss. Und das für alle wichtigen Themen: Informationssicherheit, Risikomanagement, IT-Governance und Datenschutz.

Zeigt das Ganze in den Firmen auch die gewünschte Wirkung?

Stefan Sulistyo: Wir schaffen zumindest die Voraussetzungen dafür. Wir machen das Risikomanagement so einfach, wie es nur geht. Warum das so wichtig ist, zeigt sich im Firmenalltag. Da gibt es dann im Unternehmen eine feste Rufnummer für den Compliance-Officer zum Beispiel. Der sitzt da einsam in seinem Elfenbein-Turm und arbeitet an einem Thema, das die restliche Firma sowieso schon hasst. Kein Kollege will damit etwas zu tun haben. Die sagen: Dein Job, Dein Team, Deine Aufgabe – aber bitte ohne mich. Das ist völliger Quatsch. Wer etwas ändern will, muss die ganze Firma mitnehmen. Das geht nur mit einer einfachen Benutzbarkeit.

Wir sind heute mit einem Spitzenpolitiker bei Ihnen. Wie könnte die Politik Start-ups und Jungunternehmen besser fördern?

Stefan Sulistyo: Das ist kein Scherz, wenn die Leute sagen: In Deutschland zu gründen, das geht schwerer als überall sonst. Bürokratie, stundenlang beim Notar sitzen, um eine Kapitalerhöhung zu machen. Im Ausland kennt man das nicht.

Matthias Danner: Wir haben am Anfang nach Fördermöglichkeiten geschaut. Und uns gefragt: Wie sind die Rahmenbedingungen? Es wird sehr viel geredet über Fördermöglichkeiten und Fördertöpfe. Leider ist sehr viel davon auf traditionelle Unternehmen ausgerichtet: Ich brauche einen Kredit, um eine Maschine zu kaufen. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn ich eine Software entwickle, wo es um Personalkosten geht. Da ist es auch viel schwieriger Geld für das Wachstum zu bekommen. Mit Software werden immaterielle Werte geschaffen. Und die werden nicht als Sicherheit für einen Kredit akzeptiert.