Fachkräftereport 2018

Fachkräftemangel in Bayern verschärft sich

In Bayern nimmt die Fachkräftelücke in der Wirtschaft weiter zu. Trotz des aktuellen Beschäftigungsrekords fehlen 260.000 Fachkräfte. Damit ist die Fachkräftelücke binnen Jahresfrist noch einmal um 15 Prozent gewachsen.

Wie sieht der Arbeitsmarkt in Bayern aus? Wichtigste Ergebnisse des Fachkräftereports 2018

Entwicklung des Fachkräfteangebots und Fachkräftemangels in Bayern bis 2030
© IHK
  • 2018 fehlen der bayerischen Wirtschaft über alle Branchen hinweg rund 260.000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 steigt der Engpass auf 542.000 Arbeitskräfte an.
  • 4,8 % der Fachkräftenachfrage der bayerischen Unternehmen kann schon heute nicht gedeckt werden. Bis 2030 steigt diese Zahl auf 11,5 % an.
  • In absoluten Zahlen tritt der Fachkräftemangel am stärksten bei den Anforderungsniveaus „Fachkraft“ (v. a. berufliche Ausbildung) und „Spezialist“ (z.B. Meister, Fachkräfte mit Weiterbildung oder Bachelor) auf. In diesem Segment steigt der Mangel von 198.000 (2018) auf 426.000 Fachkräfte (2030). Beim Anforderungsniveau „Experte“ (v.a. Akademiker) steigt der Fachkräftemangel von 63.000 (2018) auf 116.000 (2030).
  • Besonders stark betroffen sind schon heute die Branchen
    „beratende und wirtschaftsnahe Dienstleistungen“ sowie
    „personenbezogene Dienstleistungen“.
    Bis 2030 wird auch das Gesundheits- und Sozialwesen zu den am stärksten betroffenen Branchen gehören.
  • Für Bayern bedeutet dies im Zeitraum 2018 bis 2030 Wertschöpfungsverluste von insgesamt 325 Mrd. €.

Welche Fachkräfte fehlen?

Qualifikationen

Von den 260.000 qualifizierten Arbeitskräften, die der bayerischen Wirtschaft 2018 fehlen, entfallen 63.000 auf das Niveau Experte, 74.000 auf das Niveau Spezialist und 124.000 auf das Niveau Fachkraft.

In Relation zur Gesamtnachfrage in den einzelnen Qualifikationsniveaus wird deutlich, dass vor allem Höherqualifizierte (Akademiker, Meister, beruflich Qualifizierte mit Weiterbildungen) von den Unternehmen dringend gesucht werden: 8,7 % der Stellen auf dem Niveau Experte und 8,6 % der Stellen auf dem Niveau Spezialist können schon heute nicht mehr besetzt werden. Bis 2030 erhöht sich diese Zahl auf 17,1 % bzw. 17,8 % noch deutlich.

Aktuell tritt der Fachkräftemangel bereits besonders stark bei den Berufen mit technischer Ausrichtung auf. Hier fehlen 173.000 Arbeitskräfte. 6,9 % aller Stellen sind unbesetzt. Bis 2030 wird sich der Engpass jedoch auch bei den kaufmännischen Berufen dramatisch verschärfen auf dann 333.000 Arbeitskräfte (12,9 % aller Stellen). Bei den Technikern steigt der Mangel gleichzeitig auf 209.000 Personen (9,8 % aller Stellen).

Berufsgruppen

In absoluten Zahlen fehlen insbesondere Fachkräfte mit Berufen in Unternehmensführung und Organisation (71.000), in der technischen Forschung, Entwicklung und Produktionssteuerung (46.000) sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (46.000). In Relation zur jeweiligen Gesamtnachfrage sind die Berufe in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung am stärksten betroffen (15,1 % unbesetzte Stellen), gefolgt von Berufen in Bauplanung Architektur und Vermessung (13,1 %) sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik (12,5 %).

Bis 2030 spitzt sich die Fachkräftelage in den meisten Berufsgruppen weiter zu. Besonders dramatisch verschärft sich der Fachkräftemangel in den erzieherischen und sozialen Berufen. Verkaufsberufe und Berufe in Verkehr und Logistik werden 2030 ebenfalls unter den zehn am stärksten von Fachkräftemangel betroffenen Berufen sein.

Wirtschaftszweige

Der höchste Fachkräftemangel in absoluten Zahlen ist schon heute im Dienstleistungssektor zu finden – und bis 2030 wird sich dieser noch weiter verschärfen. Bei den wirtschaftsnahen Dienstleistungen steigt der Fachkräftemangel bis 2030 von 79.000 auf 125.000, bei den personenbezogenen Dienstleistungen von 49.000 auf 69.000. In beiden Sektoren kann dann jede fünfte Stelle nicht mehr besetzt werden.

Deutlich verschärfen wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Gesundheits- und Sozialwesen: Fehlen schon heute 19.000 Arbeitskräfte, so werden 2030 86.000 Stellen – rund ein Siebtel der Gesamtnachfrage – nicht mehr besetzt werden können. Damit rückt dieser Sektor im Ranking 2030 auf den zweiten Platz vor.

Wertschöpfungsverluste in Bayern wegen des Fachkräftemangels

Wertschöpfungsverluste durch Fachkräftemangel in Bayern 2018
© IHK Wertschöpfungsverluste aufgrund fehlender Fachkräfte

Allein im Jahr 2018 summieren sich die Wertschöpfungsverluste in Folge des Fachkräftemangels über alle Branchen hinweg auf 22,9 Milliarden Euro. Für das Jahr 2030 werden Ausfälle in Höhe von 50,8 Milliarden Euro prognostiziert. Kumuliert ergeben sich von 2018 bis 2030 über alle Jahre hinweg Wertschöpfungsverluste von 325 Milliarden Euro.

Der größte Teil der Verluste entsteht in den beratenden und wirtschaftsnahen sowie personenbezogenen Dienstleistungen, im Fahrzeugbau, bei den öffentlichen Dienstleistungen, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche.

Wie sieht das Fachkräfteangebot in Bayern aktuell aus?

Welche Qualifikationen sind vorhanden?

  • In Bayern steht 2018 ein Angebot von insgesamt rund 5,13 Millionen qualifizierten Arbeitskräften in Voll- und Teilzeit zur Verfügung. Davon entfallen auf das Anforderungsniveau Fachkraft rund 3,68 Millionen Arbeitskräfte (71,7 %), auf das Niveau Spezialist 788.000 (15,4 %) sowie auf das Niveau Experte 662.000 (12,9 %).
  • 2,35 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte (45,8 %) sind technisch qualifiziert, während 2,78 Millionen (54,2 %) kaufmännischen Berufen zuzuordnen sind.

Wie sieht die Altersstruktur des Fachkräfteangebots aus?

  • Das Durchschnittsalter der bayerischen Arbeitnehmer beträgt 2018 43,7 Jahre und wird bis zum Jahr 2030 auf 48,6 Jahre ansteigen.
  • Im Bau ist das Durchschnittsalter 2018 mit 42,6 Jahren von allen Branchen am niedrigsten, am höchsten in Verkehr, Transport und Lagerei mit 45,6 Jahren.
  • Auch regional zeigen sich leichte Unterschiede: in Niederbayern ist das Durchschnittsalter mit 43,3 Jahren 2018 am niedrigsten, in der Region Coburg mit 44,3 Jahren am höchsten.

Qualifikation: Was ist ein Experte, Spezialist oder Fachkraft?

Für diese Tätigkeiten werden fundierte Fachkenntnisse und Fertigkeiten vorausgesetzt, die üblicherweise mit dem Ab-schluss einer zwei- bis dreijährigen Berufsausbildung erreicht werden.

Diese Tätigkeiten sind mit zusätzlichen Spezialkenntnissen und –fähigkeiten verbunden, die häufig im Rahmen einer beruflichen Fort- oder Weiterbildung, etwa einer Meister- oder Technikerausbildung, oder eines Bachelor Abschlusses an einer (Fach) Hochschule vermittelt werden.

Hierunter fallen hoch komplexe Tätigkeiten (z.B. Entwicklung, Forschung, Diagnose) sowie Leitungs- und Führungsaufgaben. Meist setzt die Ausübung dieser Berufe eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung (Master, Diplom, Staatsexamen, o. ä.) oder eine entsprechende Berufserfahrung voraus.

Zuwanderung: Einfluss auf das Fachkräfteangebot

Zuwanderung aus dem Ausland

  • Circa 67.000 ausländische Arbeitskräfte haben in Bayern 2017 eine Arbeit neu aufgenommen. Von diesen arbeiten rund 13.800 in Verkehrsberufen (Verkehr und Logistik sowie Führung von Fahrzeugen), 5.500 in Reinigungsberufen, sowie jeweils 3.800 in medizinischen Berufen und im Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe.
  • Bei den technischen Berufen sind besonders die Maschinen- und Fahrzeugtechnik (3.200 Personen) sowie der Hoch- und Tiefbau (2.900 Personen) beliebt.
  • 64 % aller 2018 in den bayerischen Arbeitsmarkt zugewanderten Arbeitskräfte hatten eine Qualifikation, die mindestens einer Berufsausbildung entspricht (Fachkraft, Spezialist oder Experte).

Binnenwanderung in Deutschland

  • Bayern profitiert vom Zuzug aus anderen Bundesländern. 2015 kamen aus dem übrigen Deutschland rund 4.000 Arbeitskräfte mehr nach Bayern, als den Freistaat verließen.
  • Negativ ist der Saldo Gesamtbayerns vor allem mit den Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Der größte Zuzug fand zuletzt aus Nordrhein-Westfalen (rund 1.600 Arbeitskräfte netto) sowie aus Baden-Württemberg (rund 1.400 Arbeitskräfte netto) statt.