IHK Unternehmensbefragung

Fachkräftemangel

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55 % aller bayerischen Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Mit 81 % sieht sich das Baugewerbe am stärksten vom Fachkräftemangel bedroht, gefolgt vom Tourismus mit 72 %.

Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein Rückgang - dennoch bleibt der Fachkräftemangel für die bayerischen Unternehmen das dringendste Problem.

Das sind Kernergebnisse einer bayernweiten Befragung im Herbst 2019, bei der sich rund 3.700 Unternehmen beteiligten.

Der Fachkräftemangel bleibt ein gesamtwirtschaftliches Geschäftsrisiko

55 % der befragten bayerischen Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang um 11 Prozentpunkte. Gleichzeitig nannte 2019 ein deutlich höherer Anteil der Unternehmen die Inlandsnachfrage als ein Risiko: Gegenüber dem Vorjahr stieg dieser Anteil von 36 % auf 51 %.

Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass für die Unternehmen 2019 zusehends konjunkturelle Risiken in den Vordergrund rücken. Dennoch bleibt das „Risiko Fachkräftemangel“ aber das größte Wachstumshemmnis und wird sich weiter verschärfen: Allein demografiebedingt werden dem bayerischen Arbeitsmarkt bis 2030 rund eine Million Fachkräfte weniger zur Verfügung stehen.

Fachkräftemangel in einzelnen Branchen: Bau und Tourismus am stärksten betroffen

Mit 81 % sieht sich das Baugewerbe am stärksten vom Fachkräftemangel bedroht, gefolgt vom Tourismus mit 72 %. Auch bei den Dienstleistungsbetrieben (56 %) sowie der Informationswirtschaft (53 %) und dem Handel (51 %) ist der Fachkräftemangel sehr ausgeprägt.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Einschätzung des Fachkräftemangels als Geschäftsrisiko in allen Branchen zurückgegangen – allerdings auf nach wie vor sehr hohem Niveau. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Industriebetrieben von 67 % auf 47 %. Dies spiegelt die negative konjunkturelle Entwicklung in diesem Wirtschaftszweig 2019 wider.

Längerfristige Besetzung offener Stellen: weiterhin problematisch

51 % der bayerischen Betriebe gaben im Herbst 2019 an, offene Stellen längerfristig nicht besetzen zu können. An erster Stelle steht erneut das Baugewerbe, in dem 68 % der Unternehmen Schwierigkeiten beim Besetzen von Stellen haben, gefolgt vom Tourismus mit 59 % und der Informationswirtschaft mit 55 %.

In den meisten Branchen liegt die Anzahl betroffener Unternehmen in etwa auf Vorjahresniveau. Lediglich in der Industrie ist der Anteil der Unternehmen mit Problemen bei der Stellenbesetzung deutlich von 56 % auf 47 % gesunken.

Im regionalen Vergleich ist der Anteil der Unternehmen in Oberbayern, die Probleme bei der Stellenbesetzung haben, gegenüber dem Vorjahr von 51 % auf 57 % angestiegen. Dies ist v.a. auf einen deutlichen Anstieg in der Region München um 10 Prozentpunkte auf 62 % zurückzuführen. Dagegen hat sich die Lage in der Region Ingolstadt mit einem Rückgang von 53 % auf 43 % merklich entspannt.

Ausländische Fachkräfte und Fachkräfteeinwanderungsgesetz

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Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2019

Im März 2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz der Bundesregierung in Kraft und bringt v. a. für beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern Erleichterungen. Zu den Inhalten des Gesetzes herrscht allerdings noch hoher Informationsbedarf bei den Unternehmen in Bayern: Nur 29 % der Unternehmen sind die neuen Regelungen bekannt. Rund zwei Drittel trauen sich zum Nutzen des Gesetzes keine Einschätzung zu.

Insgesamt hat mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen in den letzten Jahren Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt.

Rund 10 % der Unternehmen in Bayern möchten gezielt in Nicht-EU-Ländern rekrutieren. Dabei wünschen sie sich v.a. bessere Rahmenbedingungen: Rund ein Viertel der Befragten hält die Anwerbung in Drittstaaten bislang für zu aufwendig. Gleichfalls rund ein Viertel wünschen sich bessere Informationen und Unterstützung sowie bessere Möglichkeiten um überhaupt mit Kandidaten in Nicht-EU-Staaten in Kontakt zu treten.