Alles Wissenswerte rund um den Ehrbaren Kaufmann

CSR-Berichtspflichten

Was ist das? Das Gesetz zur sogenannten CSR-Richtlinie wurde am 9. März 2017 vom Bundestag beschlossen und hat am 31. März 2017 den Bundesrat passiert. Es wurde am 18. April 2017 im Bundesgesetzblatt verkündet und ist somit nun inkfraft. Betroffene Unternehmen müssen in ihrem Lagebericht oder einem separaten Bericht nichtfinanzielle Informationen offenlegen. Diese beinhalten unter anderem Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung und die Folgen des jeweiligen Geschäftsmodells für Umwelt und Gesellschaft.

Wer ist betroffen? Betroffen sind Unternehmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, die kapitalmarktorientiert sind sowie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, unabhängig davon, ob sie börsennotiert sind und deren Umsatz bei über 40 Millionen Euro oder dessen Bilanzsumme bei über 20 Millionen Euro liegt.
Allerdings ist davon auszugehen, dass Großbetriebe die CSR-Berichte auch von ihren Zulieferbetriben einfordern werden.

Ab wann gilt sie? Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2017 und wird damit bereits für das Geschäftsjahr 2017 wirksam.

Was ist gegenüber dem ursprünglichen Gesetzentwurf neu?

  • Die Veröffentlichungsfrist wurde auf 4 Monate verkürzt! Die gesonderte nichtfinanzielle Erklärung ist nun vier Monate – und nicht wie bisher vorgesehen sechs Monate – nach Ende des Geschäftsjahrs vorzulegen bzw. im Internet zu veröffentlichen.
  • Eine Berichterstattung auf Konzernebene reicht aus und entbindet die Töchter von der Berichtspflicht - vorausgesetzt das Mutterunternehmen legt einen nichtfinanziellen Bericht vor, der die Anforderungen der europäischen CSR-Richtlinie erfüllt.
  • Die Veröffentlichungspflicht hinsichtlich der Ergebnisse einer freiwillig beauftragten externen Überprüfung bleibt bestehen, tritt allerdings erst am 1. Januar 2019 in Kraft.
  • Für die Erstellung können, wie bisher vorgesehen, nationale, europäische oder internationale Rahmenwerke genutzt werden. Aber: Es muss nun berichtet werden, ob ein Rahmenwerk und wenn ja, welches, verwendet wurde. Andernfalls ist darzustellen, warum kein Rahmenwerk genutzt wurde.

Informationen des Bundestags zum CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz

Stellungnahme zum Referentenentwurf eines CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes

Merkblatt zur CSR Berichtspflicht

Wirtschaft und Menschenrechte

  • Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und MenschenrechteDie Bundesregierung hat am 21. Dezember 2016 den Nationalen Aktionsplans für ‘Wirtschaft und Menschenrechte‘ (kurz: NAP) im Bundeskabinett verabschiedet. Der NAP setzt die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte um. Mit dem Ziel, die menschenrechtliche Lage entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette in Deutschland und weltweit zu verbessern, bündelt der Plan die Kräfte der verschiedenen Akteure aus Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften. Die Bundesregierung formuliert im Aktionsplan ihre klare Erwartung: Unternehmen sollen die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht einhalten. Durch verlässliche Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen möchte die Bundesregierung auf faire, globale Wettbewerbsbedingungen („Level-Playing-Field“) hinwirken und den mit dem G7-Beschluss der Staats- und Regierungschefs zu nachhaltigen Lieferketten 2015 angestoßenen Prozess fortsetzen.

Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

Merkblatt zum Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP)

Merkblatt zu CSR Richtlinien und Standards

  • Maßnahmen zur Einhaltung menschenrechtlicher Standards
    Konkret beinhaltet der Plan zum Beispiel Verfahren zur Ermittlung von Menschenrechtsverletzungen, Maßnahmen und eine Wirksamkeitskontrolle zur Einhaltung menschenrechtlicher Standards sowie eine transparente Berichterstattung und einen Beschwerdemechanismus. Zudem wird das Prüfverfahren von Anträgen auf Übernahme von Exportkreditversicherungen, Direktinvestitionen im Ausland und Ungebundenen Finanzkrediten im Hinblick auf die Einhaltung menschenrechtlicher Belange weiter intensiviert. Darüber hinaus wird ein umfassendes Monitoringverfahren etabliert. Falls Unternehmen die im Aktionsplan verankerten Standards nicht hinreichend annehmen, sieht der Plan für die Zukunft explizit die Möglichkeit von gesetzlichen Maßnahmen vor.
  • UK Modern Slavery Act - Auch deutsche Firmen sind vom britischen Modern Slavery Act betroffen. In Kraft getreten ist der Act im Oktober 2015 und hält Firmen an zu berichten, wie sie gegen Zwangsarbeit, Sklaverei und Menschenhandel in der Lieferkette vorgehen. Konkret heißt das, dass Unternehmen, die im Vereinigten Königreich Waren oder Dienstleistungen vertreiben und einen jährlichen Umsatz von mehr als 36 Mio. Pfund haben, einmal im Jahr über Maßnahmen, die sie getroffen haben, um in ihren Lieferketten "Sklavenarbeit" zu vermeiden, berichten müssen. Für die Berechnung des Umsatzes werden auch die Umsätze aller Tochtergesellschaften des betreffenden Unternehmens berücksichtigt, und zwar auch dann, wenn sich diese außerhalb des Vereinigten Königreichs befinden. Mutter- wie Tochterunternehmen betrifft die Erklärungspflicht gleichermaßen. Detaillierte Anforderungen an eine solche Erklärung gibt es derzeit noch nicht. Nützliche Hinweise enthält ein Leitfaden, den die britische Regierung herausgegeben hat (nur auf Englisch).

Transparency in Supply Chains - A practical guide

Was ist Corporate Volunteering?

Corporate Volunteering (CV) ist das gesellschaftliche Engagement von Mitarbeitern, das von Unternehmensseite gefördert und unterstützt wird. Im Corporate Volunteering besteht die Chance für Unternehmen, das regionale Umfeld aktiv zu gestalten, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und sich als Unternehmen im Wettbewerb zu positionieren. Dennoch stehen viele engagierte Betriebe und solche, die sich engagieren wollen, noch häufig vor offenen Fragen. Sie finden keinen adäquaten Einstieg in ein eigenes Engagement oder wissen nicht, wie sie einen passenden Kooperationspartner auf Seiten der gemeinnützigen Organisationen finden können. Umgekehrt haben soziale Einrichtungen Hemmungen, ein Unternehmen anzusprechen und um Unterstützung zu bitten.

Dieses Video erläutert worum es beim Corporate Volunteering geht und wie langfristige Kooperationen entlang des Kerngeschäfts des Unternehmens aussehen können.

Online-Umfrage Bürgerschaftliches Engagement

Corporate Volunteering gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die sich an Unternehmen jeder Branche und Größe aus ganz Oberbayern sowie an soziale Einrichtungen richtete. Die Studie wurde von der IHK für München und Oberbayern in Kooperation mit der Landeshauptstadt München und dem Beratungsunternehmen Roland Berger als Vertreter des Unternehmensnetzwerks „Unternehmen für München“ erstellt.

Die Umfrage Bürgerschaftliches Engagement gibt einen Überblick, in welchem Umfang sich Oberbayerns Wirtschaft bereits gesellschaftlich engagiert. Insgesamt 64 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, bereits im Feld Corporate Volunteering aktiv zu sein. 63 Prozent stellen ihre Mitarbeiter vollständig oder teilweise für entsprechende Projekte frei. Die Studie zeigt auch Verbesserungspotenzial auf. Nur ein Bruchteil der befragten Unternehmen berichtet im Internet oder anderen Medien über die Projekte. Bislang spielten auch die Wirkungsmessung der Projektarbeit eine untergeordnete Rolle sowie langfristige Kooperationen mit den sozialen Einrichtungen.

Kurzfassung Umfrage Bürgerschaftliches Engagement

Corporate Volunteering

Was ist Social Entrepreneurship?

Social Entrepreneurship oder auch Soziales Unternehmertum integriert unternehmerisches Handeln und innovative Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen.

Es existieren unterschiedliche Definitionen dieses Begriffs, doch grundsätzlich geht es darum, gesellschaftliche Herausforderungen mit innovativen und unternehmerischen Strategien zu bewältigen. Ganz konkret wird mit Sozialunternehmen neben finanziellem Mehrwert auch sozialer Mehrwert geschaffen. Der finanzielle Mehrwert wird in den meisten Sozialunternehmen wieder in gesellschaftlichen Mehrwert investiert, sei es in das eigene Unternehmen oder für andere soziale Projekte. Erfolgreich etablierte Sozialunternehmen sind selbst wirtschaftlich tragfähig, nachhaltig und vor allem wirkungsvoll in ihrem Lösungsansatz für ein konkretes gesellschaftliches Problem. Dabei werden vielfältige gesellschaftliche Herausforderungen thematisiert - dies erstreckt sich vom Thema Bildung über Gesundheit bis hin zu Ökologie.

Im Raum München hat sich rund um das Thema Social Entrepreneurship in den letzten Jahren eine wachsende Szene entwickelt. Verschiedene Sozialunternehmen wurden gegründet, Netzwerke und Zertifikatsprogramme sind entstanden. Erfolgreiche Beispiele aus dem Raum München sind z.B. die sira munich GmbH, die Unternehmen beim Aufbau ‎betrieblicher Kinderbetreuung berät, die Polarstern GmbH, die die ‎Energiewende weltweit unterstützt, die Leonhard gGmbH, die für Strafgefangene berufliche Perspektiven schafft, indem ihnen unternehmerische Qualifizierungen angeboten werden, ‎oder auch die VerbaVoice GmbH, die ‎auf Basis digitaler Technologien ‎einen mobilen Sprach- und ‎Gebärdendolmetscher für ‎hörgeschädigte Menschen entwickelt ‎hat.‎

Die finanzielle Nachhaltigkeit stellt besonders für neu gegründete Sozialunternehmen eine Herausforderung dar. Häufig sind hierbei Mischfinanzierungen sinnvoll oder innovative Finanzierungsformen, wie beispielsweise Crowdfunding. Wichtig für den nachhaltigen Erfolg von Sozialunternehmen ist auch die Unterstützung durch Unternehmen, die beispielsweise als Mentoren oder Finanzpartner auftreten können.

Die IHK für München und Oberbayern setzt sich für eine starke Gründerregion ein und unterstützt demnach auch Social Entrepreneure bei der Existenzgründung beispielsweise in der Rechtsformwahl. Angehende Gründer, die sozialen Mehrwert mit einem Geschäftsmodell verbinden möchten, können sich im Münchner Existenzgründungsbüro beraten lassen.