IHK-Positionen zur Bundestagswahl 2017

Digitalisierung der Arbeitswelt

Digitalisierung Arbeitswelt
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Die Arbeitswelt wird sich vor dem Hintergrund des digitalen Wandels verändern. Wie diese Veränderung im Einzelnen aussehen wird, ist derzeit noch offen. Fest steht jedoch: Die Arbeit der Zukunft wird vernetzter, digitaler und flexibler sein.

Auf einen Blick

Für die Zukunftsfähigkeit der oberbayerischen Unternehmen ist es von zentraler Bedeutung, die Chancen des digitalen Wandels zu nutzen und die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern. Der Politik kommt dabei die Aufgabe zu, die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Unternehmen bestmöglich bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

Aus Sicht der oberbayerischen Wirtschaft sollte die Politik:

  • Arbeitszeitregelungen anpassen
  • Nutzung von Dienst- und Werkverträgen nicht einschränken
  • In Kindertageseinrichtungen und Schulen auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereiten
  • Aus- und Weiterbildung anpassen

Die rechtlichen Rahmenbedingungen aus der Zeit der Industrialisierung funktionieren in der digitalen Welt nicht mehr. Wir brauchen flexible Lösungen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Zudem sind massive Investitionen im Bildungsbereich notwendig, um den Aufbau digitaler Kompetenzen zu fördern.

Herbert Klein, Werkleiter Agfa-Gevaert HealthCare GmbH, Peißenberg, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau

Grafik Digitalisierung Arbeitswelt
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Mindestens wöchentliche Höchstarbeitszeit festlegen

Bei der Flexibilisierung der Arbeitsorganisation spielt die Flexibilisierung der Arbeitszeit eine
wesentliche Rolle. Das Arbeitszeitgesetz hat das Ziel, die Gesundheit der Beschäftigten zu
schützen. Das ist ein wichtiges Anliegen. Tatsächlich entspricht eine tägliche Höchstarbeitszeit
von acht bzw. zehn Stunden aber nicht mehr der Arbeitswirklichkeit einer digitalisierten Welt.
Mehr Flexibilität liegt im beiderseitigem Interesse von Unternehmen und Arbeitnehmern. So
können Angestellte dank der digitalen Möglichkeiten etwa an einzelnen Tagen länger arbeiten,
um Freiräume an anderen Tagen zu gewinnen. Um Arbeitnehmer vor Überlastungen zu schützen, muss das Gesamtarbeitsvolumen begrenzt bleiben. Aus Sicht der oberbayerischen Unternehmen ist zu prüfen, ob eine Umstellung von täglicher auf mindestens wöchentliche Höchstarbeitszeit zielführend ist.

Anpassung der Ruhezeitregelungen

Entsprechendes gilt für die Ruhezeit von elf Stunden, die vor dem Hintergrund der Digitalisierung oft Fragen aufwirft: Führt jede E-Mail am Abend zum erneuten Start der vollen Ruhezeit?
Warum sollten Eltern nicht am Abend noch arbeiten dürfen, um die so gewonnene Zeit tagsüber mit ihren Kindern verbringen zu können? Des Weiteren kommt es durch die zunehmende Vernetzung auch häufiger zur Zusammenarbeit von Personen in verschiedenen Zeitzonen. Diese Umstände führen dazu, dass eine Ruhezeit von durchgehend elf Stunden nicht immer eingehalten werden kann. Auch hier kann dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten beispielsweise durch eine Koppelung der Reduzierung der ununterbrochenen Ruhezeit mit einer Gesamtruhezeit Rechnung tragen.

Zusätzliche Arbeitszeitkategorie

Seit Jahren wird die Einführung einer dritten Arbeitszeitkategorie in die EU-Arbeitszeitrichtlinie
diskutiert, weil Bereitschaftsdienste zur Arbeitszeit zählen, an die sich die elfstündige Ruhezeit
anschließen muss. Diese Überlegung sollte nicht nur in Bezug auf Bereitschaftsdienste geführt,
sondern generell auch auf weniger belastende Tätigkeiten sowie kurze, die Erheblichkeitsschwelle
nicht überschreitende, Unterbrechungen der Ruhezeit ausgeweitet werden.

Forderungen

  • Mindestens auf wöchentliche Höchstarbeitszeit abzielen
  • Ruhezeitregelungen anpassen
  • Zusätzliche Arbeitszeitkategorie prüfen

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in blendender Verfassung. Die Kehrseite: Den Unternehmen fehlen Fachkräfte. Neben dem Fachkräftemangel ist die Digitalisierung der Arbeitswelt das große Thema der nächsten Legislaturperiode.

IHK Position zum Arbeitsmarkt

Der künftige Bundestag muss die Weichen für den deutschen Arbeitsmarkt neu stellen. Dazu gehört für IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen vor allem mehr Flexibilität - eine Notwendigkeit, die sich aus der fortschreitenden Digitalisierung ergibt. #wirtschaftwählt