Pazifik Allianz

Offen für den freien Handel

Vier sehr dynamische Länder Lateinamerikas – Mexiko, Chile, Kolumbien und Peru – haben sich zur Pazifik Allianz zusammengeschlossen. Bayerischen Unternehmen bieten sich dort viele Chancen.

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© PeterHermesFurian, ayzek, fcknimages – Fotolia

Zugegeben, die Gelegenheiten liegen nicht gerade um die Ecke, sondern 10 000 Kilometer und mehr von Deutschland entfernt. Diese große Distanz ist sicher ein Grund, warum die Länder der Pazifik Allianz bisher noch nicht so sehr im Fokus bayerischer Mittelständler stehen. Doch das könnte sich schnell ändern.

In Zeiten, in denen sich der Zugang zu wichtigen Märkten wie den USA oder Großbritannien bald schwieriger gestalten könnte und das Geschäft mit ehemaligen Wachstumsstars wie Russland oder Brasilien lahmt, sucht die exportorientierte bayerische Wirtschaft nach Alternativen. „Die aktuelle Entwicklung motiviert bayerische Unternehmen zu diversifizieren, sich weltweit neue Zielmärkte zu erschließen“, sagt Gabriele Vetter, Referatsleiterin Nord- und Lateinamerika bei der IHK in München. „Die Pazifik Allianz bietet dynamische Märkte und viel Potenzial.“

Alle vier Staaten der 2012 gegründeten Allianz – Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile – wachsen stärker als die Weltwirtschaft, und das trotz sinkender Nachfrage und Preisverfall bei wichtigen Exportgütern, den Produkten aus Bergbau und Landwirtschaft. Ihr Erfolgsrezept: Sie setzen auf eine investorenfreundliche Wirtschaftspolitik, bieten stabile Rahmenbedingungen und treiben die Liberalisierung des Handels voran. Innerhalb der Allianz sind bereits 92 Prozent der Zölle abgeschafft, bis 2020 soll es keinerlei Importbeschränkungen mehr geben. Dazu herrscht Visafreiheit bei der Migration von Arbeitskräften, ein gemeinsamer Börsenplatz wird aufgebaut.

Die vier Staaten sind offen gegenüber dem Rest der Welt. Jedes Land hat zahlreiche Freihandelsabkommen vereinbart, unter anderem mit der EU und wichtigen Handelspartnern in Asien und Afrika, aber auch mit den USA. „Der präferenzielle Zugang zu diesen Märkten ist ein starkes Pfund, mit dem die Länder wuchern können“, sagt IHK-Fachfrau Vetter. Bayerische Exporteure können davon profitieren.

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© Phototreat – thinkstock Mexiko-Stadt – Mexiko ist das wirtschaftlich stärkste Land der Allianz

Interessant als Absatzmarkt und Investitionsstandort sind die Länder vor allem wegen ihrer wirtschaftlichen Stärke: Zwar ist Brasilien nach wie vor die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, die Pazifik Allianz kann aber durchaus konkurrieren: Mit rund 220 Millionen Einwohnern – das sind 37 Prozent der lateinamerikanischen Bevölkerung – erwirtschaften die vier Länder 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Besonders stark sind sie beim Außenhandel. 46 Prozent aller Exporte Lateinamerikas und 50 Prozent aller Importe kommen aus den beziehungsweise gehen in die Länder der Allianz. „Mexiko mit seiner starken verarbeitenden Industrie hat daran den weitaus größten Anteil“, sagt Daniel Delatrée, Lateinamerika-Experte bei der IHK. 61 Prozent des gemeinsamen BIP werden dort erwirtschaftet. Kolumbien, Peru und Chile, die vom Rohstoffexport abhängig sind, wollen aufschließen.

Der Weg dahin ist nicht einfach. Viele Industriezweige vor allem in Kolumbien und Peru sind noch wenig entwickelt, die Bergbauindustrie muss modernisiert werden. Das gilt auch für die Lebensmittelverarbeitung, ein weiterer wichtiger Sektor in allen vier Ländern. Dafür werden neue Technologien, Maschinen und Anlagen gebraucht. „Um das Potenzial der Allianz besser nutzen zu können, müssen auch die Wertschöpfungsketten zwischen den Ländern ausgebaut werden“, sagt IHK-Expertin Vetter. Die fehlende regionale Infrastruktur ist dabei eine der Herausforderungen. Die Länder investieren sehr viel in den Ausbau von Häfen, Airports und Landverbindungen, ebenso in erneuerbare Energien, Energieeffizienz sowie in die Wasserversorgung. Zudem erweitern sie die Gesundheitsfürsorge.

Gefragt sind also Branchen, in denen die bayerischen Unternehmen stark sind. „Die Firmen sollten die Pazifik Allianz deshalb als Zukunftsmarkt sehen und hier ihre Chancen nutzen“, betont Pamela Valdivia, bayerische Repräsentantin für Südamerika. Den Ländern gehe es wirtschaftlich sehr gut, und gegenüber anderen Märkten in der Region hätten sie einen entscheidenden Vorteil: „Zusammengenommen sind die Länder der Pazifik Allianz ein riesengroßer Markt, der auch von einer Zentrale aus verhältnismäßig einfach zu bearbeiten ist.“ Welches Land dabei für den Einstieg am besten geeignet ist, sollte jedes Unternehmen nach gründlicher Recherche für sich selbst entscheiden.

Text: Mechthilde Gruber, IHK-Magazin 3/2017

Mexiko

Das Land ist mit 120 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und dort der wichtigste Handelspartner Bayerns. Viele bayerische Unternehmen vor allem aus der Automobil- und Zulieferindustrie sind bereits vertreten.

Exzellente Standortbedingungen – niedrige Lohnkosten, hohe Arbeitsproduktivität, moderne Infrastruktur, die zahlreichen Freihandelsabkommen sowie der (noch) direkte Marktzugang zu den USA – haben Mexiko zum Topstandort für Nord- und Südamerika gemacht. 80 Prozent aller Exporte gehen in die USA. Allerdings verunsichern die protektionistischen Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Kolumbien

Neben Peru der wirtschaftliche Aufsteiger Lateinamerikas. Das Friedensabkommen mit der Guerillaorganisation FARC markiert das Ende eines langen Bürgerkriegs.

Durch seine Rohstoffe verfügt Kolumbien über relativ viel Geld, um notwendige Projekte in Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft umzusetzen.Schon jetzt hat sich Kolumbien, das Zugang zum Pazifik und zum Atlantik bietet, zu einer wichtigen logistischen Plattform entwickelt. Cartagena im Norden besitzt einen der größten und modernsten Containerhäfen Lateinamerikas.

Peru

Der Markt des kleinen Landes mit seinen 32 Millionen Einwohnern ist kaum erschlossen, wuchs aber in den vergangenen Jahren bereits um durchschnittlich mehr als fünf Prozent. Für 2017 wird ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 4,3 Prozent erwartet. Konjunkturtreiber ist der Bergbau. Auch die Agrar- und die Lebensmittelindustrie sind exportstarke Bereiche.

"Peru macht gerade einen großen Technologiesprung“, sagt Antje Wandelt (48), Geschäftsführerin der Auslandshandelskammer in Lima. „Die Industrie soll modernisiert und wettbewerbsfähiger gemacht werden, um den Ansprüchen des internationalen Marktes gerecht zu werden.“ Aber auch um soziale Konflikte zu vermeiden, besonders wenn es um die knappe Ressource Wasser geht. Groß ist deshalb der Bedarf an ressourcen- und energieeffizienter Technologie.

Chile

Wegen seiner liberalen Marktbedingungen wählen viele Unternehmen das Land für den Einstieg ins Lateinamerika-Geschäft. „Chile ist in der Region der stabilste Markt mit der größten Kaufkraft“, betont Johanna Sternberg (34), Leiterin DEinternational in Santiago. Aber: „Der Markt ist bereits sehr wettbewerbsintensiv, hier ist man nicht allein.“ Das Land ist mit seinen 18 Millionen Einwohnern außerdem relativ klein.

Trotz des starken Wettbewerbs bietet Chile aber weiterhin gute Geschäftschancen, etwa im Bereich Energie- und Umwelttechnik oder in der Lebensmittelindustrie. Im Bergbau, dem bedeutendsten Sektor der chilenischen Wirtschaft, ist wie in Kolumbien und in Peru die Produktivität gering. Neue Technologie ist gefragt, um Effizienz und Umweltverträglichkeit zu verbessern.