Die Veranstaltungsreihe "Erfolgreiche Integration von Geflüchteten in Ausbildung" zu Gast in Rosenheim

Unternehmen kritisieren hohen Verwaltungsaufwand und wünschen mehr ‎praxistaugliche Sprachförderung ‎

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Weniger Bürokratie und Restriktion, dafür mehr Planungssicherheit und Unterstützung bei der Ausbildung von Geflüchteten – das sind auch am Ende der IHK-Veranstaltungsreihe „Erfolgreiche Integration von Geflüchteten in Ausbildung“ die Kernanliegen der oberbayerischen Ausbildungsbetriebe. „Der Wille, die Anstrengung und das Engagement sind da, aber der Mehraufwand, um einen Geflüchteten ausbilden zu können, darf nicht noch größer werden“, mahnten Ausbilder, Vertreter der Arbeitsagentur und auch des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf der Veranstaltung des IHK-Integrationsteams im Rosenheimer OVB-Medienforum.

© IHK Reger Austausch an den Themeninseln des IHK-Integrationsteams

Seit April tourt das siebenköpfige Integrationsteam der IHK für München und Oberbayern mit seiner Veranstaltungsreihe durch Oberbayern, um Expertise weiterzugeben und eine Plattform zum Vernetzten zu bieten. ‎In Rosenheim nutzen jetzt rund 30 Teilnehmer ‎‎- darunter Firmenchefs, Ausbilder, Berufsschullehrer sowie ‎Vertreter der Agentur für ‎Arbeit und Jobcenter ‎- das Informationsangebot der IHK. Dabei wurden die Erfolgsfaktoren für ein Gelingen der Integration in Ausbildung herausgearbeitet – besonders intensiv das Thema berufsbezogene Sprachförderung.

In seiner Begrüßung unterstrich Wolfgang Janhsen , Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim die wichtige Rolle, die die Ausbildung von Geflüchteten inzwischen ‎in der Region Rosenheim spielt: Die oberbayeri‎sche Wirtschaft sei ‎von der starken ‎integrativen Kraft von Ausbildung ‎und Arbeit überzeugt. ‎‎„Ganz im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns stellen sich unsere ‎Unternehmen der ‎Herausforderung, Geflüchteten ‎berufliche Perspektiven zu bieten“, so Janhsen.

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt werden in Oberbayern derzeit mehr als 2.300 Flüchtlinge in ‎IHK-Berufen ausgebildet, davon 133 in der Region ‎Rosenheim sowie 54 in den Landkreisen Traunstein und 27 in Miesbach. Die IHK München unterstützt die Unternehmen bei ihrer Integrationsarbeit mit einem vielfältigen Angebot. Dieses reicht von interkulturellen Trainings über Kompetenzfeststellungstools bis hin zu persönlichen Beratungsgesprächen durch die IHK-Integrationsberater.‎ Janhsen sagte aber auch, dass das Thema Spracherwerb nach wie vor eine der größten Hürden für Geflüchtete sei, um eine Ausbildung erfolgreich meistern zu können.

Strategien fürs Sprachlernen

Meta Cehak-Behrmann und Judith Schilling von der Fachstelle für berufsintegriertes Sprachlernen ‎‎(Faberis) ermunterten deshalb in ihrem Impulsvortrag die Unternehmen dazu, „den Arbeitsalltag sprachlich so zu gestalten und zu strukturieren, dass er überhaupt für Geflüchtete gelingen kann“. Beide Seiten müssten es schaffen, Strategien für ein gegenseitiges Verstehen und eine bessere Verständigung zu entwickeln. Erfolgreiches Arbeiten setze stets voraus, „dass ich mich auch berufssprachlich kompetent und richtig ausdrücken kann“, so die Sprachexpertinnen. D‎er Arbeitsplatz und die Berufsschule seien dabei ideale Sprachlernorte. Dort könnten in Gesprächen mit Kollegen und Mitschülern die Alltagssprache und in Fachgesprächen mit Vorgesetzten, Kunden und Lehrern die Berufssprache geübt werden.

Den Unternehmen empfahlen Cehak-Berhmann und Schilling, den Lernprozess mit Bildern, Sprachpaten und vor allem anfangs auch mit Geduld zu unterstützen: „Auch zu frühes Helfen und abnehmen von Sprechaktionen im Arbeitsalltag verhindern das Sprechenlernen“. In der anschließenden Diskussion wünschten sich die Teilnehmer vor allem auch im Berufsschulunterricht und in den Prüfungen eine einfachere und besser verständliche Sprache. Hier lägen die größten Hindernisse für Geflüchtete, ‎um ihre Berufsausbildungen erfolgreich abschließen zu können, kritisierten die Teilnehmer.

Tipps aus der Ausbildungspraxis

© IHK An der Themeninsel "Recht" standen Fragen zur Ausbildungsgenehmigung im Foukus

Wie es mit der Integration von Geflüchteten in der Praxis konkret aussieht, beleuchtete die abschließende Podiumsdiskussion mit Ausbildern und Geflüchteten sowie Vertretern der Arbeitsagentur Rosenheim und des BAMFs. Markus Wunderlich, Geschäftsführer des Raublinger Cafés, Restaurant und Kaffeerösterrei „Romanicum“ betonte, dass die Integration im Betrieb nur gelingen könne, wenn das gesamte Team dahinter stehe und mitmache: „Der Azubi, darf niemals alleine dastehen“. Dies erfordere von allen Beteiligten – vor allem aufgrund der größeren Bürokratie bei der Ausbildung von Geflüchteten - hohe Einsatzbereitschaft und Engagement.

Wie wichtig diese Unterstützung für das Zurechtkommen in der Ausbildung ist, berichtete Jonah Katung. Er absolviert zurzeit im Romanicum eine Ausbildung zum Koch. Erst durch den Zuspruch und die Praxiserfahrungen im Betrieb habe er sich eine Ausbildung überhaupt erst zugetraut.

Auch Nicole Cujai, Leiterin der Agentur für Arbeit in Rosenheim, unterstrich, dass sich die Ausbildung von Geflüchteten gesellschaftspolitisch und betriebswirtschaftlich lohne. „Aber ich muss wissen und berücksichtigen, dass es mit mehr Aufwand und Investitionen verbunden ist“. Dies betreffe sowohl die Unterstützung bei der Behördengängen als auch beim Spracherwerb.

Zwar gibt es inzwischen gerade für die berufsbezogene Sprachförderung zahlreiche BAMF-Angebote. Diese Kurse, so die Kritik der Unternehmen, gingen aber oftmals am eigentlichen Bedarf und an der Arbeitsrealität vorbei. So sei die Kursdauer - acht Unterrichtseinheiten die Woche - weder für den Betrieb noch den Geflüchteten neben Arbeit und Berufsschule zu stemmen. Dies räumte auch Georg Decker vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in der Podiumsdiskussion ein und stellte in Aussicht, dass ab 2018 die Mindeststundenzahl auf fünf Stunden reduziert werden soll. ‎Auch bei der eng gefassten Zugangsberechtigung für Geflüchtete in Ausbildung zu den BAMF-Sprachkursangeboten und bei der bislang fehlenden Kostenübernahme für die Fahrten der Azubis zu den zusätzlichen Unterrichtsstunden sah Decker Handlungsbedarf.

Wie engagiert und kreativ Unternehmen bereits in der Region Rosenheim mit den Herausforderungen umgehen, legte schließlich Andreas Schmiddunser, Ausbilder bei der Alpenland Maschinenbau GmbH, dar: Das Rottaler Unternehmen, das derzeit 72 junge Menschen ausbildet – darunter 2 Geflüchtete, hat kurzerhand selbst zusätzlichen Sprachunterricht organisiert. Donnerstags, aber auch freitagsnachmittags, wenn die übrige Belegschaft in den Feierabend geht, büffeln die ALPMA-Azubis mit Fluchthintergrund im betriebseigenen Sprachkurs Deutsch. Das zahlt sich aus: Esmaily Mohsen, ALPMA-Auszubildender zur Fachkraft Metalltechnik, berichtete, dass er seine Zwischenprüfung - auch Dank der zusätzlichen Sprachförderung - erfolgreich mit der Note 2,6 ablegen konnte.

Impressionen zur Rosenheim Veranstaltung "Erfolgreiche Integration von Geflüchteten in Ausbildung"

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