Praxisbeispiel: Rekrutierung von Fachkräften im Ausland

Wiegand-Glas: Rekrutierung in Kroatien

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Wiegand-Glas rekrutiert erfolgreich in Kroatien. Das Unternehmen setzt dabei auf Telefoninterviews und Vor-Ort-Termine.

Der persönliche Kontakt ist entscheidend

Standorte: Steinbach am Wald
Mitarbeiter der Unternehmensgruppe: Knapp 2.000
Branche: Behälterglashersteller

Bevor die Personaler bei Wiegand Glas neue Mitarbeiter einstellen, treffen sie sie persönlich – selbst, wenn die neuen Kollegen in Kroatien leben. „Ich finde es sehr wichtig, die Person zuvor kennenzulernen“, sagt Ingbert Löffler, Personalleiter beim Hersteller für Behälterglas. „Man muss den Menschen gegenübersitzen, damit die Chemie rüberkommt und man merkt, ob es auch zwischenmenschlich passt.“

Als Wiegand Glas im Herbst 2018 beschloss, sich bei der Suche nach Fachkräften auch in Kroatien umzusehen, war für Löffler und sein Team deshalb klar, dass sie auch dorthin reisen würden. Zuvor hat das Unternehmen unter anderem im kroatischen Radio Stellenanzeigen platziert und viele Rückmeldungen erhalten.

Zunächst führte die Firma Telefoninterviews mit den potenziellen Mitarbeitern. Um sprachliche Barrieren zu überbrücken, suchte die Abteilung sich die Unterstützung einer bereits bei Wiegand Glas arbeitenden Kroatin. Sie half als Schnittstelle zwischen Bewerbern und Unternehmen beim Organisieren und Dolmetschen der Interviews.

Nachdem bei den Telefoninterviews eine engere Vorauswahl getroffen worden war, reisten Löfflers Kollegen dann nach Kroatien, um die Bewerber kennenzulernen – und eben zu schauen, ob die Chemie stimmt. So gewann die Unternehmensgruppe über 28 neue Mitarbeiter, von denen heute noch rund 15 bei Wiegand Glas arbeiten.

Erstmals im Ausland rekrutiert hatte das Unternehmen übrigens in Wales. Über die britische Initiative EUCONTACT knüpfte das Unternehmen dort Kontakte zu jungen Menschen, die kurz vor dem Berufsabschluss standen. 15 von ihnen lud es zu einem zweiwöchigen Praktikum nach Steinbach am Wald ein – um sie kennenzulernen und einzuschätzen, ob eine feste Zusammenarbeit in Frage kommt. Bei fünf Kandidaten war das tatsächlich der Fall, sie starteten nach ihrem Abschluss ihre Arbeit beim Glashersteller.

Für Ingbert Löffler ist die Arbeit nach der Anwerbung natürlich noch nicht zu Ende. „Es ist wichtig, den neuen Kollegen genug Unterstützung zu bieten, sonst sind sie sofort wieder weg“, weiß der Personalleiter. „Deshalb haben wir viel dafür getan, dass sich alle neuen Kollegen hier schnell wohlfühlen.“

Das Unternehmen stellt Wohnungen auf und rund um das Betriebsgelände zu Verfügung, hat einen ehemaligen Schulleiter als Deutschlehrer engagiert, hilft bei Behördengängen und Alltagsfragen und hat auch eine Onboarding - Broschüre mit allerlei Informationen erstellt: Wie läuft es in Deutschland mit der Vergütung, wo ist die nächste Bank, welche interessanten Städte gibt es in der Nähe, was gibt es für Freizeitangebote? Das sei sehr wichtig, so Löffler. „Es geht nicht nur darum, dass sie gut arbeiten, sondern dass sie sich hier auch wohlfühlen und ihre Freizeit genießen. Sie sollen ein Stückchen Heimat finden.“

Man muss den Menschen gegenübersitzen, damit die Chemie rüberkommt und man merkt, ob es auch zwischenmenschlich passt.

Ingbert Löffler, Personalleiter, Wiegand-Glas

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