IHK Ratgeber

Ladeinfrastruktur – Ladesäulen für E-‎Mobilität

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Die Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz von ‎Elektrofahrzeugen. Bereits mit den aktuellen Batteriekapazitäten sind 80 Prozent ‎aller Fahrten mit E-Autos möglich. Was bisher eindeutig fehlt, sind flächendeckend ‎verteilte und kundenfreundliche Ladesäulen. Mit rund 14.600 klassischen ‎Tankstellen ist die Versorgung für Autos mit Verbrennungsmotor, die dazu über ‎eine größere Reichweite verfügen, mehr als gut. Besitzer von E-Autos müssen ‎dagegen mit 4.800 Ladesäulen auskommen. Dazu ist die Ladeinfrastruktur bisher ‎uneinheitlich, das Laden und das Bezahlen sind kompliziert. In einer Befragung der ‎IHK nannten Unternehmer die unzureichende Ladeinfrastruktur als größtes ‎Hindernis für die Anschaffung von E-Fahrzeugen. Aktuell arbeiten ‎Fahrzeughersteller und Stromversorger an Lösungen für barrierefreie Ladesäulen ‎mit einheitlichem Bezahlsystem. So kooperieren mehrere Stadtwerke unter ‎ladenetz.de und bieten ein einheitliches Abrechnungssystem. Andere Anbieter ‎möchten Straßenlaternen als Ladestation etablieren. Klar ist: Um die ‎umweltfreundliche und kostengünstige E-Mobilität mit Strom aus regenerativen ‎Energien für Privatleute und Unternehmen attraktiv zu machen, muss eine ‎flächendeckende Ladeinfrastruktur her – in Deutschland, in ganz Europa und der ‎Welt.

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Welche Anreize gibt es europaweit für eine ‎flächendeckende Ladeinfrastruktur?‎

Dass eine einheitliche Ladeinfrastruktur in Europa unverzichtbar ist, hat die EU-Kommission längst erkannt. Erst ein flächendeckendes Angebot an Ladesäulen mit einheitlichen Steckersystemen und einfacher Abrechnung ermöglicht die einfache und praxisgerechte Nutzung von E-Fahrzeugen im Verkehrsraum Europa. Daher hat die Europäische Union mit der Richtlinie 2014/94/EU einen rechtlichen Rahmen für die Etablierung einer einheitlichen Ladeinfrastruktur in Europa geschaffen. Die Richtlinie legt den Aufbau der Ladeinfrastruktur in den Mitgliedsstaaten ebenso fest, wie sie die Steckerstandards an den Ladesäulen vereinheitlicht. Die unterschiedlichen Stecker gehörten bisher zu den größten Problemen für Fahrer von E-Autos. Denn eine nahe gelegene Ladesäule war nicht immer nutzbar oder die Schnellladefunktion erlaubte keinen Adapter.

Deutschland setzt die EU-Richtlinie über die am 17. März 2016 in Kraft getretene Ladesäulenverordnung (LSV) um. Diese regelt unter anderem:

  • Ladesteckerstandards
  • Mindestanforderungen zum Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladesäulen
  • Informationspflicht von Betreibern von Ladesäulen an die Bundesnetzagentur
  • Nachweispflicht über die Einhaltung technischer Anforderungen an Schnellladepunkten

Der Bundesrat hat der Änderungsverordnung zur Ladesäulenverordnung II im Mai 2017 zugestimmt. Seitdem können Nutzer von Elektrofahrzeugen beim sogenannten punktuellen Laden mit gängigen webbasierten Zahlungsmethoden (z. B. als App) oder, sofern angeboten, mit EC- oder Kreditkarte zahlen. Die Abhängigkeit von Bezahlkarten der betreibenden Stadtwerke entfällt damit. Bisher waren viele Ladesäulen für reisende Fahrer unzugänglich, da Auswärtige nicht über das passende Bezahlsystem verfügten.

Die Bemühungen der EU und der Bundesregierung zeigen Wirkung. Seit Anfang 2017 hat sich die Zahl der Ladesäulen um elf Prozent vergrößert, im Bereich der Schnellladepunkte ist das Wachstum mit rund 20 Prozent Zuwachs besonders groß. Die Bundesregierung sorgt aber nicht nur für einheitliche Standards. Mit einer Fördersumme von 300 Millionen Euro soll die Ladeinfrastruktur in Deutschland ausgebaut werden. Dabei entfallen zwei Drittel der Summe auf Schnellladepunkte, hundert Millionen stehen für konventionelle Ladesäulen bereit.

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Welche Förderungen sind zeitnah für Ladesäulen zu ‎erwarten?‎

Das Bundesförderprogramm zur Ladeinfrastruktur läuft Ende 2019 aus. Ab 2020 plant die Große Koalition, den Aufbau von Ladepunkten verstärkt zu fördern. Statt der bisher 300 Millionen für Ladesäulen sollen sich die Fördermittel 2020 auf 600 Millionen Euro verdoppeln. Allerdings ist zu erwarten, dass diese Verdoppelung der Fördermittel den Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht deutlich schneller macht. Denn bereits das erste Förderprogramm wurde sehr gut angenommen, sodass die Käufer von Ladesäulen mit Lieferengpässen rechnen müssen. Aktuell übersteigt die Nachfrage das Angebot.

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In welchen Regionen ist die Ladeinfrastruktur schon ‎gut ausgebaut?‎

Die Bundesregierung möchte, dass Deutschland bis zum Jahr 2020 zum Leitmarkt für E-Mobilität wird und eine Million E-Fahrzeuge auf den Straßen rollen. Für eine Exportnation ist eine Führungsrolle in diesem Markt der Zukunft essenziell. Experten rechnen damit, dass für eine Million E-Fahrzeuge eine Ladeinfrastruktur mit 70.000 normalen Ladesäulen und 7.000 Schnellladepunkten bereitstehen muss. Doch wie sieht die Ladeinfrastruktur bisher aus?

Hier sind die zehn Städte mit den meisten öffentlich zugänglichen Ladepunkten (Stand 07.2019):

  • Hamburg (882 Ladepunkte)
  • Berlin (779 Ladepunkte)
  • München (762 Ladepunkte)
  • Stuttgart (389 Ladepunkte)
  • Düsseldorf (211 Ladepunkte)
  • Leipzig (168 Ladepunkte)
  • Ingolstadt (148 Ladepunkte)
  • Köln (141 Ladepunkte)
  • Dortmund (125 Ladepunkte)
  • Regensburg (101 Ladepunkte)

In den Städten ist die Ladeinfrastruktur deutlich verbesserungswürdig.

Ebenso unterschiedlich verläuft der Ausbau der Ladeinfrastruktur in den Flächenländern. Besonders gut vorbereitet auf einen Zuwachs der E-Mobilität sind:

  • Bayern (4.052 Ladepunkte)
  • Nordrhein-Westfalen (2.814 Ladepunkte)
  • Baden-Württemberg (2.796 Ladepunkte)

In allen anderen Bundesländern sind erheblich weniger Ladesäulen verfügbar. In Niedersachsen und Hessen sind zumindest noch knapp 1.500 Ladepunkte vorhanden, in allen anderen Bundesländern liegt das Angebot bei deutlich unter 1.000 Ladesäulen. Die Schlusslichter bilden Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland mit 152 bzw. 65 Ladepunkten. Dabei ist zu bedenken, dass die Einwohnerdichte zwar einen Einfluss auf die erforderliche Anzahl der Ladepunkte hat. Aber auch in nicht dicht besiedelten Gebieten ist aufgrund der geringeren Reichweite von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu Modellen mit Verbrennungsmotor ein dichtes Netz aus Ladesäulen nötig.

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Bestehen für Ladesäulen Förderrichtlinien?‎

Ohne das Engagement von Privatleuten und Unternehmen, die Ladesäulen mit einem oder mehreren Ladepunkten aufbauen, ist eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge nicht innerhalb weniger Jahre zu realisieren. Daher fördern der Bund, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie die Bundesländer Privatleute und Unternehmen, die öffentlich zugängliche Ladesäulen installieren. Hier erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Programme.

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Bundesprogramm Ladeinfrastruktur des BMVI

Das Förderprogramm für den flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) läuft bis zum 31.12.2020. Die Antragsstellung ist nicht jederzeit möglich, das Ministerium startet regelmäßig Förderaufrufe mit einer festgelegten Frist. So lief beispielsweise der dritte Förderaufruf vom 22. November 2018 bis zum 21. Februar 2019. In dieser Zeit war es möglich, Förderanträge einzureichen. Wurden die Anträge für Zuschüsse zu Ladesäulen in den ersten beiden Förderaufrufen noch nach Eingang bewilligt, hat sich das Verfahren mit der dritten Förderwelle verändert. Nun erfolgt die Vergabe der Mittel nach dem regionalen Bedarf. Um eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zu unterstützen, verteilt das Ministerium Fördermittelkontingente, deren Höhe sich nach dem Ausbaustand der einzelnen Regionen richtet. Damit stehen in Zukunft in den Bereichen, in denen die Ladeinfrastruktur bisher besonders schlecht ausgebaut ist, mehr Fördermittel zu Verfügung als in Vorreiterregionen wie dem Freistaat Bayern. Wann der nächste Förderaufruf stattfindet, ist noch nicht bekannt. Durch die Fortführung der Förderung mit verdoppelter Gesamtfördersumme steht fest, dass weitere Aufrufe zu erwarten sind.

Die Vorgaben für die Förderung der Ladeinfrastruktur im Überblick:

  • Antragsberechtigt sind natürliche und juristische Personen.
  • Die Ladesäule muss den Vorgaben aus der Ladesäulenverordnung entsprechen.
  • Der Ladestrom muss aus regenerativen Energien stammen, auch selbst erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien ist erlaubt.
  • Die Ladesäule muss an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr zugänglich und leicht als solche erkennbar sein. Bei eingeschränkten Nutzungszeiten verringert sich die Förderung anteilig.
  • Der Bezahlvorgang soll einfach über Internet und Apps erfolgen.
  • Es ist eine Mindestbetriebsdauer von sechs Jahren vorgeschrieben.
  • Eine doppelte Förderung ist ausgeschlossen. Erhalten Sie bereits andere Fördermittel für den Ladepunkt, ist eine Bewilligung nicht möglich.

In welcher Höhe wird der Aufbau einer Ladesäule gefördert?

Die Förderrichtlinie zum Förderprogramm des Bundes für die Ladeinfrastruktur sieht einen Zuschuss in Höhe von maximal 60 Prozent der Kosten für einen Ladepunkt vor. Wie hoch die Zuschüsse tatsächlich ausfallen, erfahren Sie im jeweiligen Förderaufruf. Zur Orientierung sehen Sie hier die Förderungshöhen des ersten Aufrufs:

  • Normalladepunkte mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW werden zu 40 Prozent gefördert, die Förderungshöchstsumme beträgt 3.000 Euro pro Ladepunkt.
  • Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von bis zu 100 kW werden ebenfalls zu 40 Prozent gefördert, die Förderung ist auf 12.000 Euro pro Ladepunkt begrenzt.
  • Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung über 100 kW erhalten Zuschüsse in Höhe von 40 Prozent, die Förderung ist auf 30.000 Euro pro Ladepunkt begrenzt.

Tipp: Die Antragstellung erfolgt über easy-Online, das Fördermittelportal des Bundes.

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Das Umweltprogramm der KfW

Auch die KfW fördert mit dem Umweltprogramm den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Sie können das Programm 240/241 unter anderem für die Ladeinfrastruktur oder die Anschaffung eines E-Autos oder Plug-in-Hybriden nutzen.
Die Eckdaten kompakt im Überblick:

  • Antragsberechtigt sind Unternehmen jeder Größe und Freiberufler.
  • Gefördert werden Ladesäulen für E-Fahrzeuge und Betankungsanlagen für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge.
  • Die Förderung erfolgt über einen vergünstigten Kredit mit einer maximalen Darlehenssumme von 10 Millionen Euro je Vorhaben, einem effektiven Jahreszinssatz ab 1 Prozent mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren. Die genauen Konditionen legen beide Seiten individuell fest.
  • Voraussetzung für die Antragstellung durch gewerbliche Unternehmer ist, dass sich das Unternehmen mehrheitlich in Privatbesitz befindet oder durch eine Contracting-Vereinbarung Dienstleistungen für einen Dritten erbringt.
  • Die KfW-Förderung ist mit anderen Fördermitteln kombinierbar, allerdings darf die Gesamtfördersumme die tatsächlichen Kosten nicht übersteigen. Es gelten die EU-Beihilfegrenzen.

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Ladeinfrastruktur-Förderung im Freistaat Bayern

Zusätzlich zum Förderprogramm für Ladeinfrastruktur, das der Bund anbietet, hat der Freistaat Bayern ein ähnliches Programm auf den Weg gebracht. Auch hier ist die Förderung jeweils nur für einen bestimmten Zeitraum nach einem Förderaufruf erhältlich. Ziel der Förderung ist es, die Ladeinfrastruktur in Bayern auf 7.000 öffentlich zugängliche Ladesäulen auszubauen. Bisher wurden drei Förderrunden erfolgreich absolviert; wann der nächste Förderaufruf erfolgt, ist unklar. Die Konditionen für das bayerische Förderprogramm für die Ladeinfrastruktur ähneln denen des Bundesprogramms, allerdings muss die geplante Ladesäule im Freistaat Bayern aufgestellt werden. Folgende Konditionen dürfen Sie erwarten:

  • Normalladesäulen mit einer Ladeleistung von maximal 22 kW werden zu 40 Prozent gefördert, der Höchstförderbetrag liegt bei 3.000 Euro pro Ladepunkt.
  • Für den Anschluss der Ladesäule an das Stromnetz erhalten Sie ebenfalls einen Zuschuss in Höhe von 40 Prozent, der auf maximal 5.000 Euro begrenzt ist.

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Was sollten Unternehmen bei der Installation von Ladesäulen berücksichtigen?

Wenn Sie Ihr Unternehmen mit Elektrofahrzeugen und Ladesäulen ausstatten möchten, ist es wichtig, dass die Ladetechnik der Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur aufeinander abgestimmt werden. Nur dann profitieren Sie von kurzen Ladezeiten und halten Ihren Fuhrpark einsatzbereit.

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Grundlagen der Ladeinfrastruktur

Für das Aufladen der Akkus in Elektrofahrzeugen stehen grundsätzlich drei Ladevarianten zur Verfügung:

  • Normalladung
  • Mittelschnellladung
  • Schnellladung

Die Normalladung, bei der das Fahrzeug im Prinzip an einer normalen Steckdose hängt, ist für Unternehmen nicht interessant. Hier müssen Sie je nach Kapazität der Batterie mit einer Ladezeit von 8 bis 16 Stundenfür eine Vollladung rechnen. Das ist maximal eine Option, wenn Sie Ihren Mitarbeitern das kostenlose Aufladen des Privatwagens während der Arbeitszeit ermöglichen möchten. Schnellladestationen, die bereits in weniger als 30 Minuten einen Akku füllen, sind sehr teuer und aufwendig zu installieren. Diese Technik ist für Stromtankstellen ideal. Für Unternehmen bietet die Mittelschnellladung in der Regel das ideale Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein vollständiger Ladezyklus ist hier in zwei bis vier Stunden abgeschlossen.

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Ladebetriebsarten

Für die Ladeinfrastruktur stehen insgesamt vier Ladebetriebsarten zur Verfügung. Die verschiedenen Ladebetriebsarten im Überblick:

  • Ladebetriebsart 1: Hier handelt sich um die einfachste Form, ein E-Fahrzeug aufzuladen. Das Ladekabel des Fahrzeugs wird an eine normale Haushaltssteckdose (Schuko) angeschlossen. Voraussetzung dafür ist, dass der genutzte Stromkreis über einen RCD verfügt, der umgangssprachlich als FI-Schutzschalter bezeichnet wird.
  • Ladebetriebsart 2: Im Prinzip unterscheidet sich diese Variante von der Ladebetriebsart 1 lediglich durch einen im Ladekabel integrierten Schutzmechanismus, den „In Cable Control and Protection Device“. Über ein Plotsignal findet ein Informationsaustausch zwischen Fahrzeug und Ladestromkreis statt, der die Überwachung ermöglicht und vor elektrischen Schlägen schützt. Diese Ladeart ist nur empfohlen, wenn keine Station der Ladebetriebsart 3 oder 4 zur Verfügung steht.
  • Ladebetriebsart 3: Hierbei erfolgt das Laden ebenfalls mit Wechselstrom (AC). Als Stromquelle dient eine ausschließlich für das Laden von E-Fahrzeugen konzipierte Steckdose, die fest an einer Ladesäule oder einer Wallbox verbaut ist. Die spezielle Ladeinfrastruktur dieser Betriebsart arbeitet mit einem ständigen Informationsaustausch zwischen Fahrzeug und Ladepunkt. Damit wird der Ladevorgang aktiv gesteuert und bietet ein hohes Maß an Sicherheit; Überlastungen des Stromkreises und Überhitzung werden effektiv vermieden. Nahezu alle aktuellen und zukünftigen elektrisch betriebenen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge unterstützen diese Technik. Aus Sicherheitsgründen ist diese Ladebetriebsart sehr empfehlenswert.
  • Ladebetriebsart 4: Das Ladekabel ist fest mit der Ladesäule oder der Wallbox verbunden, geladen wird mit Gleichstrom (DC). Gleichstrom wird für höhere Ladeleistungen eingesetzt und ist z. B. an Schnellladestationen üblich. Aktuell sind zwei Systeme auf dem Markt, und zwar „CHAdeMO“ und das „Combined Charging System“. Der Verband der europäischen Automobilhersteller empfiehlt seit 2017 das „Combined Charging System“ als Schnittstelle für die Ladeinfrastruktur. Denn dieses System erlaubt Schnellladen mit Wechselstrom und mit Gleichstrom über nur eine Schnittstelle am Fahrzeug. Unter Sicherheitsaspekten ist die Ladebetriebsart 4 ebenso empfehlenswert wie die Variante 3.

Für Unternehmen mit einer elektrischen Fahrzeugflotte bietet sich die Ladebetriebsart 3 an. Großunternehmen mit vielen Fahrzeugen sollten überlegen, ob sie eine Schnellladefunktion benötigen und in Ladebetriebsart 4 investieren.

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Ladepunkte

Auch bei den Ladepunkten haben Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, wie sie eine Ladeinfrastruktur für die Firmenfahrzeuge schaffen.

  • Schuko- oder CEE-Steckdose: Eine handelsübliche Schuko-Steckdose oder eine CEE-, also Camping-Steckdose für den Außenbereich, sind die einfachste und kostengünstigste Lösung, eine Ladeinfrastruktur im eigenen Unternehmen zu schaffen. An diesen Anschlüssen sind die Ladebetriebsarten 1 und 2 möglich. Lassen Sie die Belastbarkeit des Stromkreises von einem Fachmann prüfen, bevor E-Autos an den Steckdosen laden.
  • Wallbox: Eine Wallbox oder Wand-Ladestation schafft eine eigene Verbindung zwischen dem Stromnetz und dem Ladekabel. Anders als einfache Steckdosen bietet eine Wallbox Spannungen bis zu 400 Volt, die den Ladevorgang spürbar verkürzen. Wand-Ladestationen bieten nicht nur eine Kommunikation zwischen Station und Fahrzeug, es sind auch ein Nachtladen oder die Steuerung per App möglich. Wallboxen unterstützen die Ladebetriebsarten 1 bis 3 und kosten zwischen 600 und 1.500 Euro; für die Installation müssen Sie mit Ausgaben von etwa 1.000 Euro rechnen. Eine Wallbox ist für geschützte Bereiche wie Garagen und Carports geeignet. Die Einbindung eines E-Mobility Providers (EMP) ist möglich, so kann die Wallbox öffentlich zugänglich sein und von zahlenden Dritten genutzt werden.
  • Ladesäulen: Ladesäulen funktionieren wie Wallboxen, aber sie sind witterungsfest und können an Straßen und auf Plätzen installiert werden. Ladesäulen unterstützen die Ladebetriebsarten 3 und 4. Die Leistungsabgabe ist sehr variabel und reicht von 3,7 kW Wechselstrom wie bei einer Haushaltssteckdose bis zu 150 kW an Gleichstrom-Ladepunkten. Ladesäulen für Wechselstrom mit maximal 22 kW Leistung kosten zwischen 5.000 und 7.000 Euro, für die Installation fallen Beträge in Höhe von 5.000 bis 10.000 Euro an. Auch hier ist es möglich, die Ladesäule öffentlich zugänglich zu machen und den „getankten“ Strom über Online-Zahlsysteme beim Kunden abzurechnen.

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Öffentliches Laden

Besonders wichtig, um die E-Mobilität auch auf Langstrecken nutzen zu können, ist eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Das Netz aus öffentlich zugänglichen Ladestationen besteht derzeit aus etwa 23.000 Ladepunkten. Die Mehrzahl der Ladepunkte arbeiten mit Normalladung, das Schnellladenetz verfügt über rund 1.400 Ladepunkte. Seit 2015 wächst die Ladeinfrastruktur in Deutschland rasant, die Zahl der Ladepunkte hat sich um 500 Prozent erhöht. Die Bundesregierung möchte die Anzahl der Schnellladepunkte bis 2020 auf mindestens 6.000 erhöhen.

Bisher ist die Ladeinfrastruktur in den verschiedenen Regionen unterschiedlich weit entwickelt. Im Vorreiterland Bayern mit vielen Ladestationen ist die E-Mobilität gut nutzbar. Ladesäulen finden sich mühelos dank Internet-Portalen und Apps, die auf die Anzeige von Ladepunkten spezialisiert sind. Auch die Bezahlung der „getankten“ Energie wird dank mobiler Zahlsysteme immer einfacher.

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Ladezeiten

Nicht nur die Ladeinfrastruktur bestimmt über die bereitgestellte Ladebetriebsart die Ladezeit. Ebenso haben die maximale Ladeleistung des Fahrzeugs sowie die Kapazität der Batterie einen großen Einfluss auf die Ladezeiten. Zwar sind bereits viele Wechselstromladepunkte mit einer Leistung von 22 kW verfügbar, aber nur die wenigsten Fahrzeuge sind in der Lage, die angebotene Leistung zu nutzen. Gleichstrom-Schnellladung beherrschen dagegen fast alle Fahrzeugtypen – diese Technik findet sich jedoch in erster Linie an Stromtankstellen.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

FahrzeugmodellNennkapazität AkkuMax. Ladeleistung WechselstromMax. Ladeleistung Gleichstrom
Smart ED17,6 kW4,6 kW, seit 2018 22 kWEntfällt
VW e-up!19 kW3,7 kW50 kW
Nissan e-NV20024 kW7,5 kW50 kW
BMW i3 (60/94 Ah)21,6 oder 29,2 kW7,6 kW oder 11 kW50 kW
Nissan LEAF24 kW oder 30 kW6,6 kW50 kW
Renault ZOE22 kW oder 41 kW22 kWnicht möglich

Wie sich diese Unterschiede auf die Ladezeiten auswirken, zeigt die folgende Tabelle:

LadeinfrastrukturLadevarianteStromstärkeSpannungMax. Lade-leistungLadedauer bei 30 kW BatterieLadedauer bei 60 kW Batterie
Schuko- oder CEE-SteckdoseNormal10 A230 V2 kW15 Std.30 Std.
Schuko oder CEE-SteckdoseNormal16 A230 V3,7 kW8 Std.16 Std.
Ladesäule oder WallboxMittel32 A230 V7 kW4 Std.8 Std.
Ladesäule oder WallboxMittel32 A400 V11 kW3 Std.6 Std.
Ladesäule oder WallboxMittel32 A400 V22 kW1 Std.2 Std.
Stromtankstelle GleichstromSchnell100 A500 V50 kW36 Min.1 Std.
Stromtankstelle GleichstromSchnell300 A500 V150 kW12 Min.24 Min.
Stromtankstelle GleichstromSchnell700 A500 V350 kW5 Min.10 Min.

Es ist unerlässlich, die E-Fahrzeugflotte des Unternehmens und die ‎Ladeinfrastruktur aufeinander abzustimmen, um optimale Ergebnisse zu erzielen ‎und nicht unnötig zu investieren.‎

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Abrechnung

Solange Ihre Ladeinfrastruktur ausschließlich für Fahrzeuge der Firmenflotte zugänglich ist, müssen Sie sich über die Abrechnung keine Gedanken machen. Ladesäulen auf zugänglichem Gelände können Sie einfach mit einem Schloss gegen unbefugte Benutzung sichern.

Dürfen allerdings Dritte Ihre Ladesäule nutzen, benötigen Sie ein Abrechnungssystem, wenn Sie den Strom nicht kostenfrei zu Verfügung stellen möchten. Folgende Abrechnungsvarianten stehen zur Wahl:

  • Abrechnung pro Ladevorgang: Hier berechnen Sie pro Ladevorgang den Betrag X unabhängig von der Dauer und der abgegebenen Energiemenge. Das ist leicht umzusetzen und juristisch einwandfrei.
  • Abrechnung pro Minute: Ebenfalls ist es möglich, einen Betrag für jede Minute Ladezeit festzulegen. Nach einer vorgegebenen Zeit schaltet die Ladesäule automatisch ab. Auch diese Lösung ist einfach und juristisch unbedenklich.
  • Abrechnung der abgenommenen Energiemenge: An dieser Stelle wird es kritisch, da der Ladepunkt ähnlich wie eine konventionelle Zapfstelle geeicht sein muss. Die Vorschriften und Auflagen werden so deutlich verschärft. Zudem benötigen Sie ein Zahlsystem über Smartphone-App oder EC-/Kreditkarte, was Aufwand und Kosten zusätzlich erhöht.

Tipp: Stellen Sie Ihren Mitarbeitern den Strom aus der Ladesäule kostenlos zur Verfügung, ist kein geldwerter Vorteil zu versteuern. Auch Kunden und Besuchern dürfen Sie Ihre Ladeinfrastruktur kostenlos zur Verfügung stellen.

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Welche kostengünstigen Ladesäulen für Unternehmer ‎sind auf dem Markt erhältlich?‎

Ladesäulen sind leider nicht günstig. Für eine Säule mit einer Leistung bis zu 22 kW liegen die Anschaffungskosten bei 5.000 bis 7.000 Euro. Zusätzlich müssen Sie mit Installationskosten von 5.000 bis 10.000 Euro rechnen, der Preis richtet sich nach den Bedingungen vor Ort.

Günstiger lassen sich Ladepunkte mit Wallboxen in (Tief-)Garagen und unter Carports realisieren. Eine Wallbox kostet je nach Ausstattung zwischen 600 und 1.500 Euro, die Installationskosten liegen bei etwa 1.000 Euro. Auch hier kommt es auf die Bedingungen vor Ort an.

Bevor Sie mit dem Ausbau der unternehmenseigenen Ladeinfrastruktur beginnen, informieren Sie sich über die Möglichkeiten zur Förderung.

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Häufige Fragen zur Ladeinfrastruktur

Landratsamt München:

Daniel Hendrichs

Landratsamt München, Sachgebiet 3.3.1.1 – Mobilitätsplanung

Frankenthaler Str. 5-9, 81539 München

Telefon: 089 / 6221-1856

daniel.hendrichs@lra-m.bayern.de

IHK für München und Oberbayern:

Joseph Seybold

IHK für München und Oberbayern, Referat C2 – Infrastruktur und Mobilität

Max-Joseph-Str. 2, 80333 München joseph.seybold@muenchen.ihk.de

Um einheitliche Standards zu setzen, schreibt die Ladesäulenverordnung Stecker des Typs 2 vor und setzt bei Schnellladestation auf das Combined Charging System (CCS).

Sind die Ladesäule oder die Wallbox installiert, ist der Folgeaufwand gering. Die Ladepunkte müssen jährlich die DGUV-V3-Prüfung absolvieren.