IHK Ratgeber

Werbung mit der UEFA Fußball EM 2020

Soccer players in action on sunset stadium background panorama
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Am 12. Juni 2020 beginnt die erste paneuropäische Fußballeuropameisterschaft in 12 verschiedenen europäischen Austragungsorten. München ist der einzige deutsche EM-Spielort. Wenn Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen im Kontext der Europameisterschaft vermarkten möchten, gibt es dabei einige Spielregeln zu beachten. Andernfalls kann eine Werbekampagne teuer werden.

Inhalt

Werbung mit der EM 2020

Wer ist der Veranstalter der Fußballeuropameisterschaft 2020?

Die EM 2020 ist eine Veranstaltung der UEFA (Union des Associations Européennes de Football), dem europäischen Fußballverband. Die Adresse der offiziellen Internetplattform zur Europameisterschaft lautet: https://de.uefa.com/uefaeuro-2020/

Die UEFA und ihre Schutzrechte

Die Fußballeuropameisterschaft ist nicht nur ein riesiges internationales Volksfest, sondern auch ein Markenprodukt der UEFA. Die Vermarktung der kommerziellen Rechte, das heißt Medien-, Marketing-Lizenzierungs- und Ticketing-Rechte liegen ausschließlich in den Händen der UEFA. Sie ist Inhaberin etlicher Schutzrechte, die im Zusammenhang mit der UEFA EURO 2020™ verwendet werden.

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Neben dem offiziellen Emblem sind die Begriffe „UEFA EURO 2020“ und „UEFA EURO 2020 EURO for EUROPE“ ebenso wie der Name des offiziellen Maskottchens „Skillzy“, aber auch die Namen der zwölf Austragungsorte (z.B. „Munich 2020“) als Wortmarken geschützt. Ferner hat die UEFA bestimmte Grafiken als europäisches Design schützen lassen, beispielsweise die Frauenkirche (München), Olympiapark (München) und Stadion München.

Folge des Schutzes der Marken ist, dass es ausschließlich den offiziellen UEFA-Partnern gestattet ist, mit den geschützten Begriffen und Symbolen zu werben. Unternehmen, die mit den geschützten Logos und Marken werben wollen, benötigen dafür eine Lizenz der UEFA.

Achtung: Wer ohne eine solche Lizenz den Absatz seiner Produkte und Dienstleistungen mit Begriffen rund um die EM 2020 bewerben möchte, sollte vor jeder Verwendung derartiger Begriffe rechtlichen Rat ‎einholen.‎

Andernfalls besteht die Gefahr, von der UEFA auf Unterlassung, Auskunft, Beseitigung und ggf. Schadensersatz in Anspruch genommen zu werden. Insbesondere ‎drohen Abmahnungen, einstweilige Verfügungen und Klagen, die nicht unerhebliche Anwalts- und Gerichtskosten verursachen können. Unserer Erfahrung nach verfolgt die UEFA die Verletzung ihrer Rechte sehr genau!

Darf überhaupt nicht mit Hinweisen auf die Europameisterschaft geworben ‎werden?‎

Das kommt darauf an:

Eine Werbung unter Bezugnahme auf die Europameisterschaft (in allen Formen von Print- und digitalen Medien wie etwa gedruckte Publikationen, TV, Web, Mobil-Anwendungen, Apps und Social Media) kann zulässig sein, wenn die Werbeaussage rein beschreibend ist und nicht gegen die guten Sitten verstößt.

Rein beschreibende Angaben sind solche, die zur Beschreibung der Merkmale und Eigenschaften der darunter vertriebenen und beworbenen Waren und Dienstleistungen dienen.

Es darf keine unlautere Rufausnutzung oder -beeinträchtigung, keine gezielte Behinderung und Herkunftstäuschung oder sonstige Verwechslungsgefahr bzw. Verknüpfung mit der UEFA hervorgerufen werden. Ferner darf es nicht zu einer Irreführung über eine tatsächlich nicht bestehende Partnerschaft oder sonstige Verbindung mit der UEFA oder sonstigen Rechteinhabern kommen.

Beispiele für zulässige Werbung:‎

  • ‎„Das Fußballfieber steigt, die Preise fallen: 20 Prozent auf alles während der EM“, ‎‎„Europäische Wochen: Für den Zeitraum der Fußballeuropameisterschaft senken wir die Preise für alle Sportartikel um 20 Prozent“, „Für jedes geschossene Tor der deutschen Nationalelf erhalten Sie 5 Prozent Rabatt auf unser gesamtes Sortiment“, „Fan-Wurst für 2,50 ‎Euro“, „10 Prozent Fan-Rabatt auf alle Hosen“, „Europameister-Produkt“, „Während der EM gibt es bei dem Kauf von 3 Paar Schuhen eines umsonst“.
  • Fußballaffine generelle Werbeaussagen („Fußball in ganz Europa“), dekorative Schaufenstergestaltung mit den Fahnen der europäischen Austragungsländer, Fußball-Schaufensterpuppen, Bälle, Tore (immer OHNE die offiziellen UEFA-Symbole!; also keine UEFA-Merchandisingprodukte zur Schaufenstergestaltung verwenden!)

Nicht empfehlenswert ist beispielsweise:

  • Offizielle Marken/Logos und Embleme der UEFA oder Dritter ohne entsprechende Lizenz zu verwenden (sei es in der Printwerbung, sei es in der Verwendung als Hyperlinks, Apps oder sonstige mobile Services, Desktop-Wallpaper, auf Social-Media-Plattformen, etc.).
  • Verwendung von UEFA-Merchandisingprodukte ‎zur ‎Schaufenstergestaltung.
  • Die Übernahme des UEFA-Spielplans (urheberrechtlich geschützt!); aber die Gestaltung eines eigenen Spielplans ist zulässig.
  • Geschützte Markennamen der UEFA als Teil eines Produktnamens zu verwenden, z. B. „UEFA EURO 2020-Fernseher“.
  • Einen Hinweis, der den falschen Eindruck erweckt, man sei offizieller Sponsor, Förderer, Unterstützer oder sonstiger Partner der UEFA. Gleiches gilt, wenn der Verbraucher davon ausgehen könnte, es handle sich um offizielle UEFA-Waren bzw. spezielle Weltmeisterschaft-Produkte (Merchandising-Produkte).
  • Ein Hinweis, wonach die eigenen Produkte mit UEFA-Produkten vergleichbar seien.
  • Nachahmungen von Produkten der UEFA und ihrer Sponsoren, Förderer und sonstigen Partner.

Alles in allem ist die Zulässigkeit der jeweiligen Werbung eine Frage des Einzelfalls.

Wir empfehlen deshalb, vor Veröffentlichung eine eingehende juristische Überprüfung der Zulässigkeit der geplanten Werbung durch einen auf das Wettbewerbsrecht und Marken-/ Kennzeichenrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

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Logos, Gewinnspiele, Sonderaktionen, Sportwetten zur EM 2020: Was ist zulässig?

Können eigene EM-Logos entworfen und verwendet werden?

Wer selbst ein EM-Logo entwerfen und verwenden will, muss sehr genau darauf achten, dass es keine gedankliche Verbindung zum offiziellen Emblem oder allgemein zur EM 2020 als Veranstaltung der UEFA herstellt.

Dürfen Sammelbilder / Porträts von Fußballspielern geschäftlich / werblich verwendet werden?

Ohne entsprechende und nachweisbare Zustimmung der einzelnen Fußballspieler ist dies nicht zu empfehlen.

Sind Sonderaktionen anlässlich der EM zulässig?

Sonderpreise anlässlich der EM sind grundsätzlich zulässig. Zu beachten sind dabei die allgemeinen wettbewerbsrechtlichen Regeln (siehe https://www.ihk-muenchen.de/de/Service/Recht-und-Steuern/Werbung-Fairer-Wettbewerb/Richtig-Werben-von-A-Z/) und insbesondere die Markenrechte der UEFA und sonstiger Dritter (siehe dazu die Hinweise auf Seite 1).

Darf ein Gewinnspiel veranstaltet werden, bei dem es EM-Eintrittskarten zu gewinnen gibt?

Gewinnspiele mit Eintrittskarten können nur von den offiziellen Partnern der EM ausgerichtet werden. Allgemein gilt: Jede Nutzung der Eintrittskarten zur Fußball-Europameisterschaft für werbliche Zwecke - einschließlich des Verkaufs - ist unzulässig.

Sportwetten während der EM

Sportwetten sind nach höchstrichterlicher Rechtsprechung Glücksspiele. Sportwetten dürfen daher nur mit der erforderlichen Erlaubnis der Landesregierung angeboten werden.

Achtung! Wer ohne die erforderliche Erlaubnis Sportwetten und andere Glücksspiele ausrichtet, muss nicht nur mit wettbewerbsrechtlichen Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen rechnen, sondern macht sich auch strafbar! Wenn ein „Einsatz“ bezahlt werden muss, wenden Sie sich daher zur Abklärung der Frage, ob ein Gewinnspiel oder ein Glücksspiel vorliegt, an die Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörde (https://www.regierung.oberbayern.bayern.de).

Was passiert bei Verstößen? – „Ambush-Marketing“

Wenn Unternehmen versuchen, das offizielle Emblem, das offizielle Maskottchen oder den Pokal für ihre eigenen kommerziellen Zwecke zu nutzen, ohne dass sie Lizenzpartner der UEFA sind, wird dies als "Ambush Marketing" („Trittbrett-Fahrer“) bezeichnet. Hier drohen dem betroffenen Unternehmen Unterlassungs-, Beseitigung-, Auskunfts- und Schadensersatz-Ansprüche seitens der UEFA. Das kann schnell Kosten in fünfstelliger Höhe verursachen. Unter Umständen können auch die mit dem unlauteren Verhalten erzielten Gewinne „abgeschöpft“ werden.

Instrumente für die Durchsetzung der Ansprüche sind die Abmahnung oder das gerichtliche einstweilige Verfügungs- und/oder Hauptsacheverfahren.

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Public Viewing bei der Fußball EM 2020

Wann benötigt der Gastronom für die öffentliche Übertragung von EM-Spielen ‎im TV oder auf Großbildleinwand eine Lizenz?‎

Alle Vorführungen von Spielen der EM außerhalb von häuslichen Umgebungen werden als Public Screening (Public Viewing) eingestuft. Gastronomen und Veranstalter, die ein Public Screening veranstalten möchten, müssen Folgendes beachten:

Zu unterscheiden sind

  • 1. sog. „kleine Veranstaltung“: KEINE Lizenz erforderlich;
  • 2. kommerzielle und nicht-kommerzielle öffentliche Übertragung: (kostenfreie bzw. kostenpflichtige) LIZENZ erforderlich.

zu 1.

Eine kleine Veranstaltung“, die ohne Lizenz durchgeführt werden kann, ist laut Definition der UEFA gegeben, wenn

  • an der Veranstaltung nurbis zu 300 Menschen teilnehmen,
  • wenn kein Sponsoring erfolgt (Sponsoring: wenn dritten Parteien Werbemöglichkeiten eingeräumt werden, unabhängig davon, ob kostenlos oder kostenpflichtig)
  • wenn kein Eintrittsgeld erhoben wird (Achtung, auch ähnliche Maßnahmen können hierunter fallen, z. B. Unkostenbeiträge, Mindestverzehranforderungen, erhöhte Speise- und Getränkepreise).

Die Organisatoren einer solchen „kleinen Veranstaltung“ dürfen nicht:

• die Logos/Marken der UEFA oder der UEFA EURO 2016 verwenden;

• ihre eigene Veranstaltung als offizielle Veranstaltung der UEFA EURO 2016 ausgeben;

• das TV-Signal verändern oder modifizieren, etwa indem zusätzliche Grafiken hinzugefügt werden.

Die Organisatoren solcher kleiner Veranstaltungen (z.B. die öffentliche Übertragung in Bars/Hotels/Restaurants und anderen kommerziellen Betrieben) müssen sicherstellen, dass die relevanten TV-Abonnements für den kommerziellen Bereich und die notwendigen örtlichen Genehmigungen vorliegen und dass sie die allgemeinen Bedingungen der UEFA für öffentliche Übertragungen einhalten.

Zu beachten sind hierbei die allgemeinen Geschäftsbedingungen der UEFA.

Die UEFA behält sich vor, gegen Veranstalter vorzugehen, die sich nicht an die genannten Bedingungen halten.

Zu 2.

Für die Durchführung einer kommerziellen öffentlichen Übertragung wird eine kostenpflichtige Lizenz der UEFA benötigt. Für die Durchführung einer nicht-kommerziellen öffentlichen Übertragung ebenfalls eine Lizenz der UEFA benötigt, die allerdings kostenfrei ist.

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Wann ist eine Veranstaltung kommerziell?

Laut der UEFA haben öffentliche Übertragungen kommerziellen Charakter und unterliegen damit einer Lizenzgebühr, wenn sie

  • direkten Gewinn durch den Verkauf von Produkten, Gütern und Dienstleistungen (auch Essen und Getränke) erzielen oder
  • dritten Parteien Werbemöglichkeiten einräumen (Sponsoring), unabhängig davon, ob dies kostenlos oder kostenpflichtig geschieht, oder
  • Eintrittsgelder erheben (ACHTUNG: Auch ähnliche Maßnahmen können hierunter fallen, z. B. Unkostenbeiträge, Mindestverzehranforderungen, erhöhte Speise- und Getränkepreise).


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Sind auch GEMA-Gebühren und Rundfunkbeitrag zu zahlen?‎

Beim Public-Viewing von Fußballspielen bei der EM 2020 können zusätzliche Gebühren der GEMA (www.gema.de) sowie der Rundfunkbeitrag für öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Fernsehen anfallen (www.rundfunkbeitrag.de).

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Sonderregeln für den Austragungsort München

Für Informationen rund um den deutschen Austragungsort München finden Sie Informationen unter

https://www.muenchen.de/uefaeuro2020

HINWEIS:

Die Ausführungen insbesondere zu den Konditionen beim Public Viewing beruhen auf den Informationen, die die UEFA im Dezember 2019 erteilt hat und die bereits hinsichtlich der EM 2016 galten.

Es ist nicht auszuschließen, dass seitens der UEFA kurzfristige Änderungen in Detailfragen erfolgen.

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