Jahreswechsel: Sieben Tipps zum Thema Steuern

Was ändert sich 2018 im Steuerrecht? Die wichtigsten Neuerungen für Unternehmen im Überblick.

Investitionen tätigen

Das Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken, das erst im Juni 2017 beschlossen wurde, enthält einige Entlastungen für Unternehmen. Eine der wichtigsten Änderungen: Ab 1. Januar 2018 können Firmen neu erworbene Wirtschaftsgüter noch im selben Jahr abschreiben, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 800 Euro nicht überschreiten. Bislang betrug die Grenze für diese Sofortabschreibung 410 Euro. Was mehr kostet, müssen die Unternehmen über mehrere Jahre abschreiben und in einem Anlagenregister aufführen. Eine weitere Neuerung: Für Sammelposten (sog. „Pool-Abschreibung“) erhöht sich die untere Grenze von 150 auf 250 Euro.

Schon seit vielen Jahren setzt sich die IHK-Organisation dafür ein, die Schwellenwerte für geringwertige Wirtschaftsgüter zumindest auf 1000 Euro anzuheben. „Doch auch die Erhöhung auf 800 Euro ist bereits ein wichtiger Schritt“, stellt Martin Clemens fest, Steuerexperte der IHK für München und Oberbayern. Für die Betriebe baue das in erheblichem Maße Bürokratie ab. „Sie müssen für diese Güter nicht mehr die Nutzungsdauern ermitteln, die ohnehin oft Objekte von Auseinandersetzungen zwischen Firmen und Finanzbehörden sind“, beschreibt der Experte die Vorteile. Zudem profitieren die Unternehmen von einer höheren Liquidität.

Kunden richtig beschenken

Unternehmer dürfen Aufwendungen für Geschenke an Geschäftspartner und Kunden grundsätzlich nicht steuermindernd absetzen. Ausnahme: Geschenke, die den Wert von 35 Euro pro Jahr und Empfänger nicht übersteigen. Diese Geschenke können jedoch beim Empfänger zu einkommensteuerpflichtigen Einnahmen führen. Das Unternehmen darf in diesem Fall die auf das Präsent entfallende Einkommensteuer des Beschenkten übernehmen. Die Firma führt dann pauschal 30 Prozent Einkommensteuer ab. Nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs in München ist die Pauschalsteuer jedoch in die Berechnung der 35 Euro-Grenze miteinzubeziehen. Zwar wurde das Urteil im Bundessteuerblatt veröffentlicht und wäre damit für die Finanzverwaltung bindend. In einer Fußnote wird aber auf das BMF-Schreiben vom 19. Mai 2015 verwiesen, wonach für die Finanzverwaltung weiterhin allein der Geschenkewert maßgeblich ist. Die übernommene Steuer wäre hiernach nicht bei der Prüfung der 35 Euro-Grenze einzubeziehen.

„Die Pauschalsteuer können Firmenlenker auch für Geschenke an Mitarbeiter als Wahlrecht nutzen, wenn sie die Präsente nicht in Geldform und zusätzlich zum Arbeitslohn gewähren“, erläutert Clemens. Wer seine Beschäftigten mit weiteren Geschenken erfreuen will, sollte daran denken, dass es in diesem Bereich zwar zahlreiche Möglichkeiten, aber ebenso viele Steuerregeln gibt.

Kassensysteme anpassen

Firmen dürfen nur noch solche elektronischen Registrierkassen einsetzen, mit denen sie jeden einzelnen Umsatz aufzeichnen und mindestens zehn Jahre lang unveränderbar abspeichern können. „Allerdings gibt es keine allgemeine Registrierkassenpflicht“, betont IHK-Experte Clemens. Wer eine offene Kasse führt, muss aber einen Tageskassenbericht erstellen.

Ab 2018 wird die Möglichkeit der Kassen-Nachschau eingeführt. Dabei handelt es sich um unangemeldete Kassenkontrollen durch die Betriebsprüfer. Hierdurch sollen etwaige Unregelmäßigkeiten und Steuerbetrug schneller entdeckt werden. Betroffen sind neben computergestützten Kassensystemen auch Registrierkassen und offene Ladenkassen.

In diesem Zusammenhang ein Blick über das Jahr 2018 hinaus: Unternehmen müssen grundsätzlich ab 2020 elektronische Registrierkassen mit einer zertifizierten Hard- und Software ausrüsten. Hinzu tritt dann auch eine grundsätzlich verpflichtende Belegausgabe bei elektronischen Aufzeichnungssystemen.

Von Entlastungen profitieren, lohnsteuerliche Änderungen beachten

Das zweite Bürokratieentlastungsgesetz brachte für Unternehmen einige Erleichterungen. So ist die umsatzsteuerlich relevante Grenze für Kleinbetragsrechnungen von bisher 150 auf 250 Euro gestiegen – rückwirkend zum 1. Januar 2017. Zudem können Firmen Lieferscheine, die keine Buchungsbelege darstellen, nach Erhalt der Rechnung entsorgen.

Ferner gilt ebenfalls seit diesem Jahr die quartalsweise Lohnsteueranmeldung, wenn die Lohnsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr nicht mehr als 5000 Euro betragen hat. Für kurzfristig Beschäftigte dürfen Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal mit 25 Prozent berechnen, vorausgesetzt der Tageslohn bleibt unter 72 Euro. Außerdem neu: Ab 1. Januar 2018 müssen Arbeitgeber die digitale LohnSchnittstelle (DLS) verwenden, bisher wurde das nur empfohlen. Bei der DLS handelt es sich um eine Schnittstelle zum elektronischen Lohnkonto, über die der Finanzverwaltung die lohnsteuerrelevanten Daten nach einem amtlich vorgeschriebenen Standarddatensatz bereitgestellt werden müssen.

Handlungsbedarf bei Betriebsrenten prüfen

Ab 1. Januar 2018 gilt ein neues Gesetz zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung. Gewerkschaften und Arbeitgeber können künftig per Tarifvertrag betriebliche Altersversorgung in Unternehmen vereinbaren. Erstmals müssen die Firmenchefs nicht für die Zusagen haften. Sie sollen sich aber an der Absicherung der Zielrente mit Sicherungsbeiträgen beteiligen – auf Basis von Tarifverträgen. Zudem sieht das Gesetz vor, die Regeln zur steuerlichen Förderung der betrieblichen Altersversorgung und der Riesterrente auszubauen und zu vereinfachen.

Sich auf mehr Transparenz einstellen

Beschlossen wurde auch das Gesetz zur Bekämpfung der Steuerumgehung und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften. „Vor allem geht es darum, mehr Transparenz zu schaffen und etwa Briefkastenfirmen leichter zu erkennen“, erklärt Experte Clemens. Wenn Unternehmen „beherrschende“ Geschäftsbeziehungen zu Personengesellschaften, Körperschaften, Vereinigungen oder Vermögen mit Sitz außerhalb der EU haben, müssen sie damit rechnen, dass die deutschen Behörden einfacher an Informationen kommen als bisher. Zudem bestehen für Anteile an Gesellschaften in solchen Ländern jetzt mehr Melde- und Mitwirkungspflichten. Generell erweitert das Gesetz die Ermittlungsbefugnisse. Die IHK-Organisation hat sich nachdrücklich für eine effektive Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche ausgesprochen, aber auch vor den zusätzlichen, bürokratischen Lasten gewarnt.

Das Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen sieht außerdem vor, dass Firmen konzerninterne Ausgaben für Patente, Lizenzen, Konzessionen oder Markenrechte ab 2018 nur noch teilweise als Betriebsausgaben abziehen dürfen. Das gilt dann, wenn das Geld beim Zahlungsempfänger, das heißt beim Überlasser der Rechte, im Ausland nicht oder kaum besteuert wird.

Erbschaftsteuer im Blick behalten

Dem Ländererlass vom 22. Juni 2017 zur Erbschaftsteuer stimmten nur 15 Bundesländer zu, Bayern lehnte diesen ab. Das 90-seitige Papier konkretisiert die Sicht der Verwaltung zu den geänderten Regeln des Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts. Die Neuregelungen betreffen unternehmerische Erbschaften und Schenkungen, die nach dem 30. Juni 2016 eintraten. Zusätzlich will das Bundesfinanzministerium seine Richtlinie zur Reform überarbeiten. Experten rechnen damit, dass die neue Richtlinie im zweiten Quartal 2018 vorliegt.

Ab 1. Januar 2018 sind bei der Erbschaftsteuer auch Abfindungen zu besteuern, die für nicht mehr geltend gemachte Ansprüche gewährt werden.