Skandinavien

Skandinavien: Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden

Sie sind schon auf dem skandinavischen Markt tätig oder möchten Geschäftsbeziehungen zu den Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen oder Schweden aufbauen. Hier finden Sie Informationen und weiterführende Links.

Dänemark ist eines der attraktivsten Länder Europas, wenn es um Gründungen und Geschäfte ‎geht. Das Land im Norden bietet einen attraktiven Markt mit großen Margen. Allerdings gibt es ‎viele steuerliche und rechtliche Tücken sowie kulturelle und praktische Fragen. Diese sollten ‎Unternehmen, die den Markteintritt erwägen, vermeiden oder berücksichtigen.

Die Broschüre ‎‎„Geschäfte in Dänemark“ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Markteintritt in ‎Dänemark. ‎

Beginnend mit grundlegenden Daten und interkulturellen Tipps, finden Sie Hinweise zum Vertriebs-, ‎Steuer- und Arbeitsrecht. Auch das Thema Dienstleistungserbringung in Dänemark wird ‎behandelt. Alles in allem ein guter Einstieg, um spätere Fehler zu vermeiden.‎

Kostenlose Bestellmöglichkeit (auch als PDF).

Dänemark: Eigentumsvorbehalt bei insolventen Kunden

Wie die Deutsch-Dänische Handelskammer und die dänische Rechtskanzlei Dahl berichten, sind bei einer Insolvenz des dänischen Kunden besondere Regelungen zu beachten.

In Dänemark ist der Eigentumsvorbehalt nur gültig, wenn dieser vor Übergabe der Ware vereinbart ‎wurde, d.h. der Eigentumsvorbehalt muss aus dem unterzeichneten Kaufvertrag oder den ‎Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Verkäufers, die wirksam einbezogen waren, ‎hervorgehen. Der Verkäufer muss nachweisen, dass der Käufer von den AGB Kenntnis hatte. ‎

Verlängerte oder erweiterte Eigentumsvorbehalte, die das deutsche Recht kennt, werden in ‎Dänemark nicht anerkannt. ‎

Eigentumsvorbehalte an Fahrzeugen müssen im Register für Pfandrechte an Autos (“Bilbogen”) eingetragen sein. Der Antrag für die Eintragung erfolgt beim Amtsgericht in Hobro, das zentral für ganz Dänemark zuständig ist. ‎

Sollte die Ware weiterverkauft oder umgewandelt werden, kann der Eigentumsvorbehalt erhalten ‎bleiben, wenn die Konsignationsbedingungen erfüllt werden. Sie erfordern zum einen, dass ein zeitlicher ‎Zusammenhang zwischen dem Weiterverkauft bzw. der Umwandlung der Ware und der Zahlung ‎an den Verkäufer besteht, und zum anderen, dass der Verkäufer regelmäßige Kontrollen durchgeführt hat. ‎

Im Falle der Insolvenz des dänischen Kunden unterliegt der Eigentumsvorbehalt den Regeln des ‎dänischen Rechts, auch wenn etwas anderes vereinbart wurde. Daher ist es ratsam, dass deutsche ‎Warenlieferanten überprüfen, ob die Eigentumsvorbehaltsklauseln auch vom dänischen Recht ‎anerkannt werden, und gegebenenfalls andere Formen der Kreditsicherung wählen, wie z.B. die ‎Warenkreditversicherung.‎

Quelle: Newsletter "Legal & Tax" der Deutsch-Dänischen Handelskammer (Mai 2016)

Dänemark: Mitarbeiterentsendung ‎– ‎Arbeitsmarktfond (AFU) ‎– ‎ Umlage 2017 neu festgesetzt

Im Sommer 2016 hat Dänemark die europäische „Richtlinie zur Durchsetzung der Richtlinie 96/71/EG über die Entsendung von Arbeitnehmern im Rahmen der Erbringung von Dienstleistungen“ in dänisches Recht umgesetzt.

Wer muss an den AFU zahlen?
Von der neuen Regelung betroffen sind alle Unternehmen in Dänemark, die zur Zahlung der Arbeitsmarktzusatzrente ATP verpflichtet sind sowie ausländische Arbeitgeber, die in Dänemark Dienstleistungen erbringen.

Der Beitrag pro Vollzeitäquivalent für 2017 wurde nun auf 7,20 Dänische Kronen festgesetzt. Das entspricht aktuell etwa einem Euro (Stand 8.2.2017). Für ausländische Arbeitgeber wird der Beitrag anhand der RUT-Registrierung erhoben. Die Erhebung des Beitrages erfolgt somit automatisch. Für Unternehmen, die in Dänemark ATP zahlen, wird der Beitrag mit den sonstigen Sozialabgaben erhoben. Den Firmen werden vierteljährlich die entsprechenden Beiträge in Rechnung gesetzt.

Wann ist eine Lohnzahlung aus dem AFU möglich?
Der AFU deckt Lohnforderungen, die nach Inkrafttreten des Gesetzes entstanden sind. Eine Auszahlung aus dem AFU setzt voraus, dass die folgenden vier Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die ausgeführten Arbeiten sind von einem Tarifvertrag umfasst und
  • die Lohnforderung wurde in einem arbeitsrechtlichen Verfahren festgestellt und
  • das ausländische Unternehmen ist in einem EU/EWR-Staat registriert und
  • der entsendete Mitarbeiter oder eine Gewerkschaft haben im Anschluss an das arbeitsrechtlichen Verfahren erfolglos versucht, die Lohnforderung durchzusetzen.

Neben festgestellten individuellen Lohnforderungen kann der AFU auch Geldbußen beitreiben, die in einem arbeitsrechtlichen oder schiedsrichterlichen Verfahren festgestellt wurden. Zahlt der ausländische Arbeitgeber den Sonderbeitrag nicht, haftet der erste dänische Auftraggeber für den Gehaltsanspruch.

Wie erwartet, entstehen durch die neuen Regelungen zusätzliche Bürokratielasten für entsendende Unternehmen – gerade unter Berücksichtigung der relativ niedrigen Jahresbeträge. Ob hier zeitnah Entlasungsmaßnahmen wie Bagatellgrenzen oder Jahresrechnungen eingeführt werden, steht nicht fest. Unklar ist weiterhin, ob auch Arbeiten, die nicht durch einen geltenden Tarifvertrag geregelt werden, unter die Zahlpflicht für den AFU fallen. Die IHK München wird hierüber weiter auf dem Laufenden halten.