Digitalisierungsumfrage 2020

Die IHK-Organisation hat Ende 2020 wieder ihre Mitglieder zum Stand der Digitalisierung in ihren Unternehmen befragt. Dabei zeigt sich, dass Unternehmen die Digitalisierung immer wichtiger nehmen. Es sehen sich deutlich mehr Unternehmen digital gut aufgestellt als noch vor drei Jahren bei der letzten Befragung. Darüber hinaus zeigen sie großes Interesse am Einsatz neuer Technologien.
Die klare Mehrheit der Unternehmen schätzt ihre digitale Entwicklung jedoch nach wie vor nicht gut ein. Demnach steht die Digitalisierung in den Unternehmen vor einer Reihe von Hürden und Herausforderungen, die unternehmensintern wie auch durch die Politik gelöst werden müssen.


Digitalisierungsbewusstsein gewachsen - Umsetzung aber herausfordernd

Die wichtigsten Ergebnisse der Digitalisierungsumfrage:

  • Fast alle Unternehmen haben sich in ihrer "Digitalisierung" weiterentwickelt: Bei der Digitalisierung ist nicht mehr die Frage "ob", sondern die Herausforderung des "wie". Viele Unternehmen sind auf dem Weg ins Digitale, sehen sich aber vor einigen Herausforderungen.
  • Unternehmen in Oberbayern sind digitaler geworden: 43,8% der befragten Unternehmen sehen sich digital gut oder sehr gut aufgestellt. Das sind 20 % mehr als bei der letzten Befragung 2017 und 5% mehr als der bundesweite Vergleich. Das bedeutet aber auch, das weiterhin mehr als die Hälfte der Unternehmen hier noch Nachholbedarf haben.
  • Viele Unternehmen sehen die Digitalisierung v. a. als eine Möglichkeit, Bestehendes zu optimieren und zu verbessern. Der Fokus auf neue Produkte und Geschäftsmodelle ist vorhanden, aber im Vergleich zu anderen Gründen zur Digitalisierung wesentlich weniger wichtig.
  • Die Unternehmen wollen sich digitalisieren - sehen aber Hürden v.a. bei der Komplexität, digitale Kompetenzen der Mitarbeiter sowie hohem Investitionsaufwand.
  • Jedes dritte Unternehmen sieht Mängel in der Breitbandversorgung.
  • Digitale Kompetenzen: Der Umgang mit digitalen Technologien wie auch Agiles Arbeiten und neue flexible Arbeitsorganisationen müssen bei den Mitarbeitern am dringendsten weiterentwickelt werden.
  • Die Politik soll ein digitales innovatives Umfeld schaffen und damit die Digitalisierung von Unternehmen vor allem in folgenden Bereichen mit vorantreiben: bei der Vermittlung digitaler Basiskomponenten in allen Bildungsbereichen, regulativen Rahmenbedingungen, die innovative Geschäftsmodelle unterstützen, sowie durch digitale Verwaltungsangebote für Unternehmen.

Digitalisierungsgrad: Unternehmen digitalisieren sich mehr - aber viele hinken noch hinterher

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Abb.: Stand der Digitalisierung (gerundet)

Wie digital sind die Unternehmen in OBB?

Oberbayerische Unternehmen nutzen zunehmend die Chancen der Digitalisierung: Auf einer Notenskala von 1 (voll entwickelt) bis 6 (wenig entwickelt) stufen die Unternehmen ihren eigenen Digitalisierungsgrad demnach als gut bis befriedigend ein (Durchschnittsnote: 2,6). Bei der Vorumfrage im Jahr 2017 hatte der Notendurchschnitt bei 3,2 gelegen. Im Bundesdurchschnitt geben sich die Unternehmen nur eine Durchschnittsnote von 2,9 für ihre Digitalisierung.
Konkreter heißt das: 43,8% der Unternehmen sehen sich als digital voll oder zumindest gut entwickelt an. Das sind deutlich mehr als noch in der letzten Befragung aus 2017, als sich erst 23,7% der Unternehmen in Oberbayern als digital gut oder sehr gut entwickelt eingeschätzt haben. Oberbayern liegt damit auch fast 5 Prozentpunkte höher als der bundesweite Wert (39%).
Allerdings bedeutet dieser Wert auch, dass sich 56,2% der Unternehmen digital noch nicht gut aufgestellt sehen.

Branchen: Stand der Digitalisierung

Nicht überraschend ist, dass sich die Branche "Information / Kommunikation" als sehr gut digitalisiert einschätzt (Bund & Oberbayern: 76%). Auch de Industrie zeigt sich in Oberbayern bereits stark digitalisiert (56%). Am anderen Ende fallen Bau, Handel und besonders das Gastgewerbe auf, die einen deutlich geringeren digitalen Reifegrad angeben.

Digitale Innovationen bereits heute im Einsatz

Digitale Innovationen sind in Unternehmen jedoch auf dem Vormarsch. So sind z.B. Technologien wie Cloud-Lösungen für ca. 90% der Unternehmen ein Thema. Andere vielversprechende, aber noch nicht im Mainstream angekommene, Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain, IoT (Internet of Things), Virtual / Augmented Reality, 5G, 3D-Druck werden von 10 bis 30% der Unternehmen genutzt. Dabei sind oberbayerische Unternehmen im Bundesvergleich fast immer diesen neuen Technologien gegenüber stärker aufgeschlossen. Der digitale Ehrgeiz der Unternehmen zeigt sich aber auch in ihrer Planung, welche Technologien sie innerhalb der nächsten 3 Jahren einführen wollen: hier liegen Künstliche Intelligenz, Blockchain, Cloud und auch Augmented / Virtual-Reality-Lösungen an der Spitze.

Gründe für die Digitalisierung: Bestehendes optimieren

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Abb.: Hauptgründe für Digitalisierung (gerundet)

Viele Unternehmen sehen die Digitalisierung v. a. als eine Möglichkeit, Bestehendes zu optimieren und zu verbessern. So werden in Oberbayern als Hauptgründe für die Digitalisierung im Unternehmen v. a. die Verbesserung von internen Strukturen genannt ("Strategische Unternehmensentwicklung", "Realisierung von Kostensenkungspotenzialen (Material, Energie, Zeit etc.)", "Flexibilisierung des Arbeitens/neue Arbeitsmodelle") sowie die "Kundenbindung". Der Fokus auf disruptivere Beweggründe wie neue Produkte und Geschäftsmodelle ist vorhanden, aber im Vergleich dazu wesentlich weniger wichtig. Corona wurde von 48% der Unternehmen als unmittelbarer Digitalisierungstreiber genannt.

Herausforderungen für die Digitalisierung in Unternehmen

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Abb.: Herausforderungen der Digitalisierung (gerundet)

Digitalisierung bringt erhebliche Veränderungen für Unternehmen mit sich, in der Branche, in der Unternehmensorganisation, in der technologischen Ausrichtung, in der Ressourcenplanung, beim Personal,... Die Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen dabei konfrontiert sehen, werden am häufigsten in der Komplexität bei der Änderung von Bestehendem gesehen, das gemeinsam mit der Herausforderung der Weiterbildung der Mitarbeiter einen deutlichen Fokus auf das Problem fehlendem digitalen Know Hows im Unternehmen legt. Eine weitere große Herausforderung für Unternehmen sind die hohen Kosten. Unternehmen ist klar, dass noch viel mehr in ihre Digitalisierung investiert werden muss: digitale Kompetenzen müssen aufgebaut werden, Zeit, Geld und Engagement in die Hand genommen werden. Aber auch regulative Anforderungen, die bei Unternehmen Unsicherheiten auslösen, wie z.B. aktuell im Datenschutz, stellen für die Hälfte der befragten Unternehmen eine Herausforderung dar.

Breitbandversorgung - nicht für alle

Schnelles Internet am Unternehmensstandort ist die Grundvoraussetzung für die Digitalisierung. Für 69% der befragten Unternehmen ist dies gegeben. Für den Rest ist das ein Problem: bei 31% der Umfrageteilnehmer entspricht die aktuelle Breitbandverfügbarkeit bei ihnen vor Ort nicht ihrem Bedarf - auf Bundesebene liegt der Wert sogar bei 35%. Zwar gelang es in Bayern durch Investitionen der Netzanbieter und staatliche Förderprogramme, die Breitbandinfrastruktur deutlich zu verbessern - gleichzeitig steigt aber auch der Bedarf der Unternehmen an einer leistungsfähigen, schnellen und zuverlässigen Internetverbindung rasant. Daher bleibt unter dem Strich: Jedes dritte Unternehmen spürt Mängel in der Breitbandversorgung - die Ausbaugeschwindigkeit sollte weiter gesteigert werden.

Digitale Kompetenzen gebraucht - aber welche?

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Abb.: Bedarf digitaler Kompetenzen

Die genannten Herausforderungen der Digitalisierung haben gezeigt, dass ihre erfolgreiche Umsetzung digitale Kompetenzen benötigt. Dabei werden vor allem Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien gebraucht, aber auch die Digitalisierung begleitende, methodische Kompetenzen wie Agiles Arbeiten und neue flexible Arbeitsorganisationen. Für knapp 50% der Befragten ist darüber hinaus ein Ausbau der Kenntnisse im Bereich Datenschutz und IT-Sicherheit erforderlich. Wie sich bereits bei den Gründen für die Digitalisierung gezeigt hat, stehen die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle für weniger Unternehmen im Fokus - und somit auch die dafür benötigten Kompetenzen.

IT-Sicherheit

Viele Unternehmen geben an, grundlegende Maßnahmen für ihre IT-Sicherheit durchzuführen: Rund 94% (Bund: 92%) der Unternehmen machen regelmäßige Sicherungskopien, 68% (Bund: 66%) haben ein Identitätsmanagement oder Analysieren die Risiken (65%, Bund: 54%). Darüber hinaus gehende Maßnahmen wie Schulungen (62%, Bund: 48%), Richtlinien (61%, Bund: 51%) für Mitarbeiter sind weniger anzutreffen. Eine aktive Suche nach bisher unbekannten IT-Sicherheitsproblemen oder eine größere Vorbereitung auf Notfälle findet selten statt: Notfallvorbereitungen (41%, Bund: 30%) und Sicherheitstests (18%, Bund: 11%).

IT-Sicherheitsvorfälle melden?
Viele Unternehmen gaben an, bisher mangels IT-Sicherheitsvorfällen keine Meldung gemacht zu haben. Festzustellen ist jedenfalls, dass schon eine ganze Reihe von Unternehmen Meldepflichten nachgekommen ist, aber auch freiwillige Meldungen erstattet wurden.

Fazit: In der Unternehmenspraxis hat IT-Sicherheit den Status "bisher ist nichts passiert, wir tun ja etwas dafür und es wird schon gut gehen". Eine aktive Suche nach bisher unbekannten Sicherheitsproblemen oder größere Vorbereitung auf Notfälle findet selten statt.

Politische Unterstützung gebraucht

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Abb.: Bedarf politischer Unterstützung (gerundet)

Welche Digitalisierungsthemen sollte die Bundes- / Landesregierung vorantreiben?

Um den hiesigen Standort im internationalen digitalen Wettbewerb nach vorne zu bringen, liegt es auch an der Politik, Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen hierfür bereit zu stellen und sie zu unterstützen. Oberbayerische Unternehmen wünschen sich vor allem ein innovatives digitales Umfeld. Wie die Herausforderungen der Unternehmen bei der Digitalisierung bereits andeuten, nennen fast die Hälfte der befragten Unternehmen aus Oberbayern die Vermittlung digitaler Basiskomponenten in allen Bildungsbereichen als wichtigstes Thema, das die Politik in der Digitalisierung vorantreiben soll. Als zweitwichtigstes Thema werden die regulativen Rahmenbedingungen genannt, die innovative Geschäftsmodelle unterstützen sollen. Nahezu gleich wichtig sind digitale Verwaltungsangebote für Unternehmen, die in einem Verwaltungsportal zusammen gefasst werden sollen. Im Bundesschnitt wird der Zugang zu Fördermitteln am häufigsten genannt. In Oberbayern landet dieser Punkt auf Platz 5. Im Freitext wird sehr häufig die Hilfe bei der Verbesserung der Breitbandanbindung gefordert.

Informationen zur Befragung

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Abb.: Teilnehmende Unternehmen

Teilnehmende Unternehmen

Aus Oberbayern nahmen knapp 200 Unternehmen teil. Sie gehören v. a. zu den Branchen Dienstleistungen, Handel, Industrie, Information und Kommunikation (IuK) und Finanzwirtschaft. In der bundesweiten Umfrage ist die Branchenverteilung nahezu identisch.