20.05.2016

Gründungsbilanz: Keine Lust auf eigene Firma

Immer weniger Menschen im Freistaat wollen ihr eigener Chef werden. Die Existenzgründerzahlen sanken 2015 bereits das sechste Mal in ‎Folge. Insgesamt meldeten im Freistaat 104.807 Menschen ein Gewerbe an, 3,3 Prozent ‎weniger als im Vorjahr. Vor allem das Interesse, ein neues Unternehmen zu ‎gründen, hat spürbar nachgelassen. Nach Angaben des Bayerischen ‎Industrie- und Handelskammertags (BIHK) ‎sanken die Firmenneugründungen um 3,6 Prozent auf 94.773. Zugleich stagniert ‎die Anzahl der Betriebsübernahmen mit 10.034 Fällen (minus 0,7 ‎Prozent).‎

Grund für den fortschreitenden Rückgang ist die anhaltend positive Konjunkturentwicklung: „Der bayerische Arbeitsmarkt hat ein Rekordniveau ‎erreicht und in manchen Regionen Bayerns herrscht Vollbeschäftigung“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen. Damit sinke erfahrungsgemäß das ‎Interesse an einer unternehmerischen Selbstständigkeit. „Wer die Wahl hat“, so ‎Driessen, „entscheidet sich in konjunkturellen Hochzeiten eher für die sichere ‎Variante der Festanstellung“. ‎

Noch ausgeprägter ist dieser Trend in Oberbayern: Hier wurden im vergangenen ‎Jahr 4,5 Prozent weniger neue Unternehmen gegründet (insgesamt 40.031). Auch ‎die Motivation, einen bestehenden Betrieb zu übernehmen, ist in Oberbayern weiter ‎gesunken. Mit 4.141 Übernahmen ging die Anzahl um 5,9 Prozent zurück.

‎ Die Statistik zeigt aber auch, dass der Anteil der Gründer von Einzelunternehmen ‎mit nicht-deutschen Wurzeln in Bayern mit gut 25 Prozent höher liegt als ihr ‎derzeitiger Bevölkerungsanteil von rund 20 Prozent. „Wir rechnen damit, dass diese Gruppe mit der zunehmenden Anerkennung des Aufenthaltsstatus von Flüchtlingen ‎in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen wird und dem Gründungsklima in ‎Bayern neuen Schwung verleiht“, betont BIHK-Chef Driessen.