19.10.2016

Beste Stimmung in der bayerischen Wirtschaft

Wachstum
© Romolo Tavani

Die Konjunktur in Bayern läuft auf Hochtouren. Die Geschäftslage
erreicht Rekordniveau und die Unternehmen sind davon überzeugt, dass der Aufschwung anhält. Der BIHK-Konjunkturindex bleibt konstant bei starken 128 Punkten, so das Ergebnis der heute vorgestellten Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 4.000 Betrieben im Freistaat.

Geschäftslage stellt Rekordwert ein / Fachkräftemangel bremst weiteres Wachstum‎

„Die bayerische Wirtschaft geht mit bester Stimmung in einen sonnigen Konjunkturherbst“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen bei einer Presse­konferenz in München. Mehr als jeder zweite Betrieb bezeichnet seine aktuelle Lage als „gut“. Nur bei sieben Prozent laufen die Geschäfte schlecht. Bei den Geschäftserwartungen sieht das Bild ebenfalls positiv aus: Ein Viertel der bayerischen Betriebe erwartet eine Verbesserung und nur jedes zehnte Unternehmen eine Eintrübung seiner Geschäfte.

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt bleiben günstig: 18 Prozent der Unternehmen wollen Personal einstellen. „Ob die Wirtschaft die Fachkräfte findet, ist jedoch fraglich. Fast jedes zweite Unternehmen sieht im leergefegten Arbeitsmarkt ein Risiko für die Geschäftsentwicklung“, unterstrich der BIHK-Chef. Der Risikofaktor
Fachkräftemangel ist seit Jahresbeginn 2015 zum vierten Mal in Folge angestiegen. Ein weiterer Wermutstropfen für die Unternehmen sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Die Politik wird immer mehr zum Dauerrisiko“, kritisierte Driessen. Gründe für diese hohe Unsicherheit sind die zunehmende Bürokratie, die Niedrigzinspolitik, die hohe Steuerbelastung ‎sowie internationale Spannungen ‎wie in der Türkei, Russland oder durch das Brexit-Votum.

Die gute Konjunkturlage sieht BIHK-Chef Driessen als idealen Zeitpunkt für wirtschaftspolitische Reformen und Zukunftsinvestitionen. Bayern müsse der gerade anbrechenden „digitalen Epoche“ seinen Stempel aufdrücken und den sich abzeichnenden Strukturwandel am Arbeitsmarkt vorbereiten und abfedern. „Die Digitalisierung wird alle Tätigkeiten verändern, die automatisiert werden können. Der Arbeitsmarkt wird sich völlig neu ordnen und die Fachkräfte werden sich umorientieren müssen“, so Driessen. Der BIHK-Chef begrüßt deswegen die digitale Bildungsoffensive von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Bayern müsse nun seine Schulen, darunter vor allem auch die Berufsschulen, zu digitalen Kompetenzzentren ausbauen. „Die heutigen Schüler werden auf eine weitgehend automati­sierte Arbeitswelt treffen“, sagte Driessen.

Außerdem forderte der BIHK-Chef weniger Bürokratie, um den Unternehmen mehr Flexibilität für die Einführung von digitalen Arbeitsprozessen und Geschäftsmodellen zu geben. „Viele Regelungen passen nicht mehr zur Arbeitsrealität in den Unternehmen“, meinte Driessen. Flexiblere Arbeitszeitregelungen und weniger Aufzeichnungspflichten fordern deswegen 86 Prozent der Betriebe. Einschränkungen bei Werk- und Dienstverträgen lehnen 60 Prozent der Unternehmen ab, weil diese Arbeitsmodelle zum Beispiel für die projektweise Beschäftigung von gefragten IT-Spezialisten immer wichtiger werden. Für 82 Prozent der Unternehmen im Freistaat hat die Bürokratie ein Ausmaß erreicht, das ihre unternehmerische Tätigkeit stark einschränkt.