05.07.2016

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Engineer Showing Apprentice How to Use Drill In Factory
© HighwayStarz / fotolia

Die bayerische Wirtschaft hat weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu ‎finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den ‎Unternehmen im Freistaat rund 10.000 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Knapp 37.000 freie Lehrstellen in Bayern / Große Hürden bei Ausbildung von Flüchtlingen

Momentan sind noch 36.989 Ausbildungsstellen frei. Gleichzeitig gibt es nur 23.932 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht. ‎Im ersten Halbjahr 2016 verzeichnet der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) 33.395 neue Ausbildungsverträge im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, wirbt Eberhard Sasse, BIHK-Präsident, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewerber, sagt Sasse. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und bürokratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen. ‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Einzelhandel sowie in Gastronomie und ‎Hotellerie. Für angehende Einzelhandelskaufleute und Verkäufer sind ‎noch rund 5.000 Stellen in Bayern frei. Aber nur 3.587 unversorgte Bewerber äußern ‎einen entsprechenden Berufswunsch. In Gastronomie und Hotellerie sind mehr als 2.300 Ausbildungsplätze verfügbar – dem stehen bayernweit aber nur rund 400 Interessenten gegenüber. Sasse unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen ‎geht: „Es werden auch noch angehende Elektroniker in der Energie- und Gebäudetechnik, Mechatroniker und Lagerlogistiker gesucht.“‎

Der BIHK-Präsident appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-‎Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den ‎Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Sasse die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. In Bayern befinden sich derzeit rund 9.000 jugendliche Asylsuchende in ‎berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „Viele Unternehmen sehen in diesem ‎Personenkreis eine große Chance, aber noch scheitern viele an mangelnder ‎Planungssicherheit und der Bürokratie“, so Sasse.‎

Insgesamt sind knapp 31.000 IHK-Unternehmen in Bayern in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.‎