29.03.2017

Bayerische Wirtschaft erwartet massive Brexit-Folgen

Einen deutlichen Einbruch in den bayerisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen durch den Brexit erwartet der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK). „Das heute von Großbritannien bei der EU-Kommission eingereichte Austrittsgesuch aus der Europäischen Union wird die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Freistaat und Großbritannien spürbar beschädigen“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse.

BIHK-Präsident Sasse: „Britischer EU-Austritt schadet den bayerischen Unternehmen“‎

Der EU-Austritt betrifft Bayerns drittwichtigsten Exportmarkt. Im vergangenen Jahr exportierten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 14,9 Milliarden Euro nach Großbritannien. Dies entspricht rund acht Prozent aller Exporte aus dem Freistaat.

„Die Geschäftsperspektiven für Großbritannien sind in den vergangenen Monaten bereits in den Keller gerauscht“, kommentiert Sasse die Ergebnisse einer BIHK-Umfrage. Der Saldo der Geschäftserwartungen bayerischer Unternehmen in Großbritannien erreicht aktuell einen Negativ-Rekord von minus 35 Punkten. Die Zahl gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen an und bedeutet, dass der Anteil der Pessimisten stark überwiegt. Im Gegensatz dazu bewerten die Unternehmen die Geschäftsaussichten in der Eurozone mit einem Saldowert von plus 20 Punkten deutlich positiver. Die bayerischen Exporte nach Großbritannien hatten bereits 2016 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent abgenommen.

Auf was müssen sich die bayerischen Betriebe einstellen? IHK-Außenwirtschaftschef Frank Dollendorf gibt einen Ausblick.

In den Brexit-Verhandlungen sollten aus Sicht der Unternehmen die folgenden Fragen Priorität haben: 87 Prozent der Befragten setzen sich wie im EU-Binnenmarkt für einen freien Warenverkehr ohne Zölle oder andere Einschränkungen ein. Möglichst wenig Bürokratie durch den Brexit wünschen sich 83 Prozent der Unternehmen. Der weitere freie Kapital- und Zahlungsverkehr mit Großbritannien wird von 63 Prozent der Unternehmen gefordert. Jeweils rund die Hälfte der Betriebe bewerten die Personenfreizügigkeit und eine rasche Brexit-Umsetzung mit hoher Priorität.

„Die langfristigen wirtschaftlichen Folgen des Austritts sind von den künftigen Vereinbarungen zwischen der EU und Großbritannien abhängig“, so BIHK-Präsident Sasse. Die EU-Verträge sehen einen Zeitraum von zwei Jahren für diese Verhandlungen vor. „In dieser Phase der Unsicherheit ist eine deutliche Investitionszurückhaltung von beiden Seiten zu erwarten“, fürchtet Sasse. Die BIHK-Umfrage ergab, dass fast jedes zehnte bayerische Unternehmen Investitionsverlagerungen aus Großbritannien in andere Länder plant, vor allem nach Deutschland und in andere EU-Länder.

Etwa 125.000 Arbeitsplätze in Bayern hängen vom Handel mit dem Vereinigten Königreich ab. Bayerische Unternehmen haben bis heute in Großbritannien Produktions- und Betriebsanlagen im Wert von rund 20 Milliarden Euro aufgebaut. Es gibt circa 500 Niederlassungen bayerischer Firmen in Großbritannien, die nahezu 60.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen jährlichen Umsatz von 36 Milliarden Euro erwirtschaften. Britische Unternehmen haben in Bayern 220 Niederlassungen und beschäftigen rund 34.000 Mitarbeiter. Sie erzielen hier Umsätze in Höhe von rund 20 Milliarden Euro.