Pressemeldung vom 02.07.2020

Nach Corona-Einbruch: BIHK erwartet Aufholeffekt am Ausbildungsmarkt ‎

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© Tobias Hase

Der Corona-Stillstand der vergangenen Monate macht auch vor der Ausbildung nicht Halt: Ein deutliches Minus von 16,0 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bis Ende Juni verzeichnet der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019.

Sasse: „Die meisten Betriebe wollen weiter stark ausbilden“‎

Gleichzeitig gibt eine BIHK-Umfrage unter bayerischen Ausbildungsbetrieben Hoffnung. „Drei Viertel der befragten Betriebe sagen, dass die Ausbildung trotz Corona normal weiterläuft“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Nur 13 Prozent geben an, aktuell keine Auszubildenden einzustellen. Lediglich jeder hundertste Betrieb hat bereits für den Herbst abgeschlossene Ausbildungsverträge wieder aufgelöst.

„Die Ausbildung gehört zu den wichtigsten Zukunftsinvestitionen der Unternehmen. Den Rotstift beim Fachkräftenachwuchs setzen Betriebe nur in einer existenziellen Krise an“, so der BIHK-Präsident. Mit zunehmender Rückkehr zur Normalität und zu besseren Geschäftsperspektiven sei auch kurzfristig wieder ein deutlicher Anstieg bei den Ausbildungszahlen zu erwarten, insbesondere in Handel und Gastronomie. Auch die nunmehr herrschende Klarheit zur kürzlich beschlossenen Ausbildungsprämie dürfte laut BIHK ein wichtiger Faktor sein. Sofern Betriebe die Förderkriterien erfüllen, gibt es die Prämie ohne Frist oder Stichtag für alle 2020 neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse.

Ohnehin sei ein Aufholeffekt absehbar: „Durch Corona haben sich alle Abläufe verzögert. Im Vergleich zu den Vorjahren dürften so manche Ausbildungsverträge mit zwei oder drei Monaten Verspätung abgeschlossen werden“, sagt Sasse. „In vielen Betrieben stand und steht die Bewältigung der Corona-Krise an erster Stelle“, gibt der BIHK-Präsident zu bedenken. Nicht zuletzt mussten im Frühjahr viele Ausbildungsmessen abgesagt werden, was die Kontaktanbahnung zwischen Auszubildenden in spe und Unternehmen verzögert hat. Ein Sechstel der Betriebe wünscht laut Umfrage auch aktuell Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Bewerbern für die Ausbildung.

„Auch dieses Jahr bleibt unser erklärtes Ziel, dass trotz aller aktuellen Schwierigkeiten jeder ausbildungswillige Schulabgänger in Bayern einen Ausbildungsplatz bekommt“, unterstreicht Sasse. Der BIHK-Präsident appelliert an alle Schulabgänger, sich ungeachtet der Corona-Krise für Ausbildungsplätze zu bewerben. Wie stark der bayerische Ausbildungsmarkt ist, belegen auch aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur: Stand Ende Juni gab es im Freistaat für knapp 23.000 unversorgte Ausbildungsbewerber rund 42.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Das heißt, rein rechnerisch kann derzeit jeder Bewerber versorgt werden und hat jeweils die Wahl zwischen fast zwei offenen Lehrstellen.

Die IHKs stehen in Bayern für rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse und betreuen rund 31.000 Ausbildungsbetriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Offene Ausbildungsplätze können Unternehmen in der bundesweiten IHK-Lehrstellen­börse (www.ihk-lehrstellenboerse.de) melden.