15.06.2018

Bayerische Wirtschaft fordert schnellen Abschluss der Brexit-Verhandlungen

Eu und Great Brittain Flagge vor Big Ben im zeichen des Brexits
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Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) fordert einen schnellen Abschluss der Brexit-Verhandlungen, um die anhaltende Unsicherheit im Großbritannien-Geschäft zu beenden. „Seitdem Großbritannien Ende März 2017 seinen EU-Austritt erklärt hat, sind die Wirtschaftsbeziehungen zu Bayerns aktuell viertwichtigstem Exportmarkt bereits spürbar eingebrochen“, beklagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse.

BIHK-Präsident Sasse: „Unklare Zukunft verunsichert Firmen“ / Warnung vor Kosten

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) fordert einen schnellen Abschluss der Brexit-Verhandlungen, um die anhaltende Unsicherheit im Großbritannien-Geschäft zu beenden. „Seitdem Großbritannien Ende März 2017 seinen EU-Austritt erklärt hat, sind die Wirtschaftsbeziehungen zu Bayerns aktuell viertwichtigstem Exportmarkt bereits spürbar eingebrochen“, beklagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. 2017 exportierten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro nach Großbritannien, ein Minus von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für viele bayerische Unternehmen sind die Auswirkungen des Brexit völlig unklar, zitiert Sasse eine BIHK-Umfrage. Dies gaben 42 Prozent der befragten Betriebe an. Nur ein Viertel geht davon aus, nicht vom Brexit betroffen zu sein. Ein weiteres Viertel hat sich noch gar nicht mit dem Brexit befasst. Nur 11 Prozent der Firmen betrachten sich als gut auf die Brexit-Folgen vorbereitet. „Wir befürchten, dass vielen Betrieben die Tragweite des britischen EU-Austritts noch nicht bewusst ist“, sagt Sasse.

Sasse weist besonders darauf hin, dass mit einem harten Brexit umfangreiche zollrechtliche Vorschriften für den Warenverkehr zum Zuge kommen können, mit denen viele kleine und mittlere Unternehmen bislang überhaupt keine Erfahrungen haben. „Die Folge wären enorme bürokratische Belastungen für die Wirtschaft“, so der BIHK-Präsident. Laut Hochrechnungen des BIHK müssten bayerische Unternehmen jährlich rund drei Millionen zusätzliche Zollanmeldungen durchführen und dafür mit 40 bis 100 Millionen Euro Mehrkosten rechnen. Dazu kommen noch die fälligen Zölle.

Der aktuelle Zeitplan in Brüssel sieht vor, dass EU und Großbritannien bis Oktober Einigung über das Austrittsabkommen erzielen. Eine für die Wirtschaft wichtige Übergangsphase bis Ende 2020 steht im Raum, ist aber Teil der Verhandlungsmasse und daher unsicher. Andernfalls wäre Großbritannien bereits ab 30. März 2019 ein Drittstaat, mit allen Konsequenzen. Deswegen informieren die IHKs schon jetzt mit einer Checkliste „Are you ready for Brexit?“ die Unternehmen, welche Veränderungen auf sie zukommen. In der Checkliste wird Unternehmen etwa empfohlen, in neuen Geschäftsverträgen eine Brexit-Klausel einzufügen. So können sie Verträge notfalls kündigen, wenn das Austrittsabkommen beispielsweise unvorhergesehene Auswirkungen auf die Lieferkette hat.

Auf der Veranstaltung „Next Stop Brexit – Kann sich die Wirtschaft auf den Brexit vorbereiten?“ am 19. Juni 2018 in der Bayerischen Vertretung in Brüssel wird der BIHK die Sorgen der bayerische Unternehmen überbringen und den Stand der Brexit-Verhand­lungen mit Vertretern der EU-Kommission und aus dem EU-Parlament besprechen. Ihre Teilnahme zugesagt haben Markus Ferber (MdEP, CSU) und Stefaan de Rynck, Referatsleiter der Task Force 50, die den Brexit verhandelt.

Bayerische Unternehmen haben bis heute in Großbritannien Produktions- und Betriebsanlagen im Wert von rund 22 Milliarden Euro aufgebaut, so die aktuellste Bundesbank-Statistik mit Stand Ende 2016. Es gibt circa 460 Niederlassungen bayerischer Firmen in Großbritannien, die rund 64.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen jährlichen Umsatz von 40 Milliarden Euro erwirtschaften. Britische Unternehmen haben in Bayern 260 Niederlassungen und beschäftigen rund 42.000 Mitarbeiter. Sie erzielen hier Umsätze in Höhe von rund 27 Milliarden Euro.