16.10.2017

Zu hohe Energiekosten: Ein Viertel der Industriebetriebe prüft Produktionsverlagerungen ins Ausland

Die hohen Kosten der Energiewende wirken sich spürbar auf die Investitionstätigkeit der bayerischen Unternehmen aus. Wie aus einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) hervorgeht, haben über ein Viertel der befragten Industriebetriebe im Freistaat bereits Maßnahmen zur Produktionsverlagerung ins Ausland in Angriff genommen, abgeschlossen oder in Planung. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 19 Prozent.

Driessen: „Sinkende EEG-Umlage ist Verschnaufpause, aber keine Trendwende“

Für BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen haben diese Ergebnisse eine Signalwirkung für die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen: „Um die Abwanderung der Industrie zu stoppen, gibt es keine Alternative zu einer deutlichen, vor allem aber nachhaltigen Kostensenkung bei der Energiewende. Ein leichter Rückgang der EEG-Umlage im kommenden Jahr ist zwar eine Verschnaufpause, aber noch lange keine Trendwende. Ein Neustart der Energiewende muss in Berlin nun höchste Priorität haben“. Branchenübergreifend beurteilen die Unternehmen die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit mit einem Wert von 1,6 Punkten leicht positiv. Industrie und Handel hingegen bewerten ihre Situation auf der Skala von +/- 100 mit -14,4 bzw. -10,9 Punkten negativ.

Immerhin 43 Prozent der Betriebe berichten über eine Erhöhung des Strompreises in den letzten zwölf Monaten. Über die Hälfte der Unternehmen fordert deshalb eine Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Gemeinsam mit dem Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) hat die IHK schon im letzten Jahr ein neues Modell zur Finanzierung der EEG-Umlage vorgelegt, das auch andere Sektoren wie die Wärmeversorgung in die Finanzierung mit einbezieht.

Im Zuge des Atomausstieges bis 2022 drängt der BIHK ebenso auf den Ausbau des Stromnetzes. „Ein Verlust der Versorgungssicherheit ist für die bayerische Wirtschaft keine annehmbare Perspektive“, so der BIHK-Chef. Das Energiewende-Barometer bestätigt diese Position: 83 Prozent der Betriebe fordern die Politik auf, geschlossen hinter den Ausbauplänen für die Stromnetze zu stehen, im Baugewerbe sind es sogar 92 Prozent. Ohne leistungsstarke Hochspannungsleitungen von Norden nach Süden, erklärt Driessen, „bleibt der Industriestandort Bayern langfristig auf der Strecke“.