07.04.2017 - Garmisch-Partenkirchen

Bezahlbarer Wohnraum für alle Einkommen dringend benötigt ‎

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Wie bezahlbarer Wohnraum für alle Einkommensgruppen im Landkreis geschaffen werden kann, diesem Dauer­brenner widmete sich der IHK-Regionalausschuss Garmisch-Partenkirchen auf seiner jüngsten Sitzung in Mittenwald. „Der stete Tropfen höhlt den Stein. Nur mit Beharrlichkeit wird es uns gelingen, bei diesem schwierigen Thema Schritt für Schritt voranzukommen. Wollen wir unseren Standort sichern und weiter­entwickeln, benötigen wir dringend Fachkräfte. Wenn wir diesen keinen Wohn­raum bieten können, werden wir den Fachkräftemangel auch auf lange Sicht nicht in den Griff bekommen“, so Peter Lingg, Vorsitzender des Regional­ausschusses.

Lingg: „Fachkräfte gewinnen wir nur, wenn wir ihnen eigene vier Wände bieten“‎

Mögliche Lösungsansätze zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum stellte Susanne Kneißl-Heinevetter, Referentin für Immobilienwirtschaft bei der IHK für München und Oberbayern, vor. Ob Optimierung der politischen Rahmen­bedingungen, Mobilisierung von Baugrundstücken zum Beispiel auf Basis einer Flächenpotenzialanalyse, das Senken der Baukosten, die Beschleunigung von Bauprojekten dank schnellerer Genehmigungsverfahren oder neue Vorgehens­weisen bei arbeitgebergefördertem Bauen – es stehen einige Optionen im Raum, mit denen Einfluss auf die schwierige Situation genommen werden kann. Besonders hob Kneißl-Heinevetter das bisherige Versäumnis der Landespolitik hervor, neben den Konzepten für den ländlichen Raum kein Planungskonzept für Ballungsräume wie den Wirtschaftsraum München erarbeitet zu haben.

Zur schwierigen Wohnraumsituation im Landkreis äußerte sich ebenfalls Sebastian Kramer von der Zugspitz Region. Er bezifferte den Bedarf an neu zu bauenden Wohneinheiten auf 1.700 bei einem prognostizierten Bevölkerungs­wachstum von etwa fünf Prozent bis 2028. Gleichzeitig stellte er die Frage in den Raum, ob der entstehende Wohnraum auch immer denjenigen zugutekommt, die ihn dringend benötigen. Dass auch ihm das Thema unter den Nägeln brennt, bestätigte Landrat Anton Speer (FW): „Hauptproblem ist die allseits bekannte Knappheit an Grundstücken. Wohnraum zu schaffen, muss deshalb zum gesamtgesellschaftlichen Anliegen werden. Der Landkreis und die Kommunen mit ihren Wohnungsbauträgern werden das Problem allein nicht lösen können.“

Wie ein Beitrag der Privatwirtschaft zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt aussehen kann, erläuterten Franz Hummel und Andreas Schamberger von dem Projektentwickler und Bauträger FH-Holding. Sie stellten ihr Garmisch-Parten­kirchener Bauprojekt Bahnhofsareal MOUN10 vor. Hier entsteht zusätzlich zu Eigentumswohnungen auch bezahlbarer Mietwohnraum für Familien und Mitarbeiter aus Hotellerie und Gastronomie. Auch Hummel äußerte sich in seinem Vortrag kritisch über die lange Dauer der Verfahren in der Verwaltung. Anlass für Lingg, abschließend bei diesem Thema den Schulterschluss von IHK und Wirtschafts­förderung einzufordern. „Gemeinsam sollten wir uns deutlich für die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren einsetzen. Die Digitalisierung der Genehmigungsprozesse oder die Einführung einer elektronischen Bauakte könnten erste wichtige Schritte in die richtige Richtung sein.“

Zu Gast bei der Brauerei Mittenwald

Die Arbeitssitzung des IHK-Regionalausschusses fand in der Privatbrauerei Mittenwald statt. Diese wird seit 1860 von der Familie Neuner geführt. In der höchst gelegenen Brauerei Deutschlands mit 14 Mitarbeitern werden ganzjährig acht verschiedene Biersorten gebraut. Über 100 Wirte im ganzen Werdenfelser Land und darüber hinaus schenken die Bierspezialitäten aus. Bei der Besichtigung des neuen Sudhauses konnten die Ausschussmitglieder einen Einblick in die zeitaufwändige, sorgfältige Herstellung der Biere gewinnen. 22.000 Hektoliter Bier, davon 5.000 Hektoliter alkoholfreies, verlassen jährlich die Brauerei.