30.03.2017 - Bad-Tölz-Wolfratshausen - Garmisch-Partenkirchen - Landsberg - Weilheim - Schongau

Fachkräftemangel verschärft sich im Oberland

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Die Fachkräftelücke in der Wirtschaft des Oberlands bleibt weiterhin groß. Insgesamt werden in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Landsberg am Lech bis Ende dieses Jahres über alle Berufsgruppen hinweg etwa 7.000 Fachkräfte fehlen. Aufgrund dieses Engpasses können rund 4,4 Prozent aller in der Region angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte nicht besetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Gesucht werden dabei zu etwa 90 Prozent beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Ganz oben auf der Wunschliste der Betriebe stehen CAD-Konstrukteure, Industriemeister in der Mess- und Prüftechnik sowie REFA-Techniker. Hier kann jede siebte Stelle nicht besetzt werden. Bei den Akademikern fehlen vor allem Maschinenbauingenieure. Mit 153.000 Fachkräften sind derzeit rund neun Prozent des Fachkräfteangebots von Oberbayern in der Region Oberland angesiedelt.

Engpass verursacht volkswirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe

Der Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft massiv. Betriebe müssen Aufträge verschieben oder ablehnen, weil die Kapazitäten nicht vorhanden sind. So entgeht Oberbayern eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise 7,6 Milliarden Euro in diesem Jahr, in ganz Bayern sind es 17 Milliarden“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. „Der Fachkräftemangel ist aktuell das größte Problem der regionalen Wirtschaft. 52 Prozent der Betriebe im Oberland bezeichneten ihn in der IHK-Konjunkturumfrage vom Jahresanfang als Geschäftsrisiko“, so Driessen weiter. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren.

Im bayernweiten Vergleich ist Oberbayern am meisten vom Personalengpass betroffen. Hier fehlen in absoluten Zahlen 89.000 Fachkräfte. Das sind fast 40 Prozent des bayerischen Defizits von 227.000 Fachkräften. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wird diese Fachkräftelücke bis 2030 auf etwa 155.000 Personen anwachsen. Allein im Oberland werden dann 12.000 Fachkräfte fehlen.

„Viele Branchen leiden darunter, dass die Nachwuchskräfte an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei ein Studium und akademische Abschlüsse anstreben“, bemängelt Driessen. „Dabei seien Meister und Fachwirte wegen ihrer großen Praxiserfahrung viel gesuchter und hätten oftmals bessere Karriere- und Verdienstaussichten als Akademiker“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Driessen fordert auch mehr Frauen als Fach- und Führungskräfte, um den Personalengpass in der Wirtschaft zu lindern. Außerdem setzt sich die IHK angesichts des Fachkräftemangels für ein besseres Image der beruflichen Ausbildung, mehr Zuwanderung und flexiblere Renteneintritte ein. Den Vorschlägen für ein verlängertes Arbeitslosengeld zur Qualifizierung erklärt die IHK für München und Oberbayern hingegen eine klare Absage: „Das ALG-Q wäre als riesige Weiterbildungsbrücke in die Rente der neuerliche Beginn eines Fachkräfte-Aderlasses. Die ‚Rente mit 63‘ hat dem Arbeitsmarkt deutschlandweit bereits Hunderttausende dringend benötigter Fachkräfte vorzeitig entzogen“, sagt Driessen.

Informationen zum IHK-Fachkräftemonitor Bayern

Die bayerischen IHKs haben 2011 gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR GmbH den IHK-Fachkräftemonitor Bayern entwickelt. Er wird jährlich aktualisiert und ermittelt, wie sich Angebot und Nachfrage bis zum Jahr 2030 entwickeln, welche Berufe und Qualifikationen gefragt sind und welche Regionen vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind. Auch Aussagen zur Entwicklung des ‎Durchschnittsalters und zum Geschlecht der zur Verfügung ‎stehenden Fachkräfte in den einzelnen Berufsgruppen können getroffen werden. Der Fachkräftemonitor ist über www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de abrufbar.