Pressemeldung vom 05.11.2020 - Bad-Tölz-Wolfratshausen - Garmisch-Partenkirchen - Miesbach - Weilheim - Schongau

IHK-Konjunkturumfrage Oberland: Erster Corona-Schock überwunden

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5.11.2020 - Nach dem Corona-Ein­bruch im Frühjahr ist die Wirtschaft im Oberland besser als erwartet durch den Som­mer gekommen. Laut der Konjunkturumfrage der IHK für München und Oberbayern vom Herbst stieg der IHK-Konjunkturindex für die Region von 87 auf 105 Punkte. Die befragten Unternehmen gaben ihr konjunkturelles Stimmungsbild vor den inzwischen stark gestiegenen Infektionszahlen und dem mittlerweile vollzogenen Teil-Lockdown ab. Somit spiegeln sich die neuen Beschränkungen für die Wirtschaft noch nicht in
den geäußerten Erwartungen wider.

Krämmel: „Nach guter Entwicklung über den Sommer legt wirtschaftliche Erholung Pause ein.“‎

Zu ihrer Geschäftslage befragt bezeichneten rund 40 Prozent der Unternehmen diese als gut. Jedes vierte Unternehmen bewertete sie als schlecht. Die Wachstumsaussich­ten sind jedoch sehr gedämpft. Hinsichtlich ihrer Erwartungen an die kommenden Monate rechnen nur 17 Prozent der Unternehmen mit einer Geschäftsbelebung, fast ein Viertel (23 Prozent) hingegen mit einer Eintrübung.

Die geringe Zuversicht ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Branchen wie Hotel­lerie und Gastronomie, das Veranstaltungswesen, die Kultur- und Kreativwirtschaft oder der Tourismus nach wie vor unter erheblichen Einschränkungen leiden. Die Verunsicherung in Bezug auf die Corona-Pandemie und deren weitere Folgen bleibt hoch. Hinzu kommen wirtschaftspolitische Risiken wie der Brexit oder weiterhin schwe­lende Handelskonflikte. Der für ganz Bayern bedeutende Fahrzeugbau befindet sich zudem in einem tiefgreifenden Strukturwandel.

Diese große Verunsicherung führt dazu, dass die Investitionspläne der Unternehmen auf niedrigem Niveau verharren. Damit sinkt die Nachfrage bei den Investitionsgüter produzierenden Unternehmen, was sich negativ auf das mittelfristige Wachstums­potenzial auswirkt. Nur 15 Prozent der befragten Unternehmen möchten derzeit mehr als bisher investieren. Rund ein Fünftel will seine Investitionen zurückfahren und ein Viertel beabsichtigt sogar, vollständig darauf zu verzichten. Das ist im langfristigen Vergleich ein sehr hoher Wert.

Auch beim Personal sparen die Unternehmen. Nur elf Prozent möchten mehr Mitarbeiter einstellen, ein Viertel muss Stellen streichen. Damit verbleiben die Beschäftigungspläne auf dem niedrigen Niveau vom Frühjahr.

„Die heimischen Unternehmen stehen vor nie dagewesenen Herausforderungen“, betont Reinhold Krämmel, Sprecher des IHK-Forums Region Oberland. „Aufgrund des erneuten Lockdowns mit umfassenden Beschränkungen, die große Teile der Wirtschaft zu spüren bekommen, und angesichts der Lockdowns in vielen europä­ischen Nachbarstaaten, wird die wirtschaftliche Erholung eine Pause einlegen“, prognostiziert Krämmel. Der Unternehmer ist gleichzeitig davon überzeugt: „Wenn wir durch gemeinsame Anstrengung und Disziplin das Ansteckungsgeschehen in den Griff bekommen, wird der wirtschaftliche Aufholprozess im neuen Jahr wieder an Dynamik zurückgewinnen. Was die Wirtschaft dafür braucht, ist Rückenwind aus der Politik. Dazu gehört unbedingt ein Belastungsmoratorium. In dieser Krise darf der Rucksack aus Bürokratie, Vorschriften und Regularien für die Unternehmen nicht noch voller gestopft werden. Alle Vorhaben dieser Art, insbesondere aus Brüssel und Berlin, sind unverzüglich zu stoppen.“ Krämmel fordert weiterhin, die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie fortlaufend zu evaluieren und auch Erleichte­rungen bei den Einschränkungen zu prüfen.

Die Befragung der IHK für München und Oberbayern für ihren Konjunkturbericht erfolgte vom 9. bis 30. September 2020. Beteiligt haben sich Unternehmen aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Weilheim-Schongau.