11.11.2019 - Garmisch-Partenkirchen

Erfolgreiches Stelldichein von Wirtschaft und Politik

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© Gilsdorf / IHK München

Als wichtige Plattform für den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik hat sich erneut der traditionelle IHK-Wirtschaftsempfang erwiesen. Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft konnte der IHK-Regionalausschuss Garmisch-Partenkirchen am 7. November im Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus begrüßen. Bereits zum achten Mal fand der Empfang in Kooperation mit der Zugspitz Region statt.

IHK-Wirtschaftsempfang ermöglicht zum achten Mal Dialog zwischen Unternehmern und Politik

Im Eröffnungs-Talk hoben Peter Lingg, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, Sigrid Meierhofer, 1. Bürgermeisterin (SPD) des Marktes Garmisch-Partenkirchen, und Landrat Anton Speer (FWL) die noch relativ gute wirtschaftliche Situation im Landkreis, aber auch Standortprobleme und aktuelle Herausforderungen hervor.

Das Potenzial der Digitalisierung beleuchtete in seinem Festvortrag mit dem Titel „Kompetenz 4.0 – Vom Homo sapiens zum Homo digitalis“ Johann Hofmann von der Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg, die bereits mehrfach für ihre Vorreiterrolle in der Industrie 4.0 ausgezeichnet wurde.

Um überleben zu können, müssten Menschen seit jeher ihre Kompetenzen ständig an neue Situationen anpassen, so Hofmann. Neu sei die rasant steigende Geschwindigkeit der Veränderungen auf dem Weg zum Homo Digitalis. „Für viele Unternehmen bedeuten bereits papierlose Prozesse den Eintritt in das digitale Zeitalter. Die Digitale Transformation geht allerdings einen Schritt weiter, denn mit ihr ändert sich ein Prozess grundlegend und neue Arbeitsabläufe werden möglich oder neue Geschäftsmodelle verdrängen ältere“, führte Hofmann aus.

Für die Maschinenfabrik Reinhausen sei die Digitale Transformation überlebensnotwendig, denn nur mit effizienteren Produktionsprozessen sei die Fertigung im Hochlohnland Deutschland konkurrenzfähig aufrechtzuerhalten. Hofmann mahnte aber auch: „Wenn Industrie 4.0 eine Erfolgsgeschichte werden soll, müssen wir nicht nur Produkte und Prozesse digitalisieren. Auch die Mitarbeiter müssen digitale Kompetenzen entwickeln.“ Der Mensch behalte eine zentrale Rolle in allen relevanten Abläufen der Smart Factory.

Anschaulich sprach Hofmann von den Digitalisierungsängsten in vielen Unternehmen und Organisationen. „Viele Mitarbeiter sehen sich auf einer Art Todesliste der Digitalisierung“, so Hofmann. Der permanente Wandel der gefragten Qualifikationen und Kompetenzen sei aber nichts Neues, sagte der Digitalisierungsexperte unter Verweis auf Postkutschen und frühe Industrieberufe wir Dreher. Hofmann ging auch auf den notwendigen kulturellen Wandel ein, den jedes Digitalisierungsprojekt mit sich bringe. „Manchmal muss man dann zum äußersten greifen und mit den Leuten reden!“, meinte der Experte selbstironisch. Ängste müssten respektiert und reflektiert werden, gleichzeitig aber die unbestrittenen Vorteile der Digitalisierung greifbar gemacht und eine digitale Überlebenskompetenz entwickelt werden. „Wer einmal ein modernes Navi benutzt hat, geht doch auch nicht mehr zur Landkarte zurück, auch wenn der Anfang schwierig ist“, so Hofmann.

Der Experte ermahnte die Zuhörer unter dem Stichwort „Entschleunigung“ aber auch, die Zeitgeschenke der Digitalisierung im privaten Bereich sinnvoll zu nutzen. Das Paradox, dass wir immer weniger Zeit haben, obwohl wir mit Technik so viel Zeit sparen, müsse jeder eigenverantwortlich lösen.

Bildunterschrift Gruppenfoto: Der IHK-Wirtschaftsempfang im Kongresszentrum Garmisch-Partenkirchen am 7. November 2019 fand heuer zum achten Mal statt: (v.l.n.r.) IHK-Präsident Eberhard Sasse, Gastreferent Johann Hofmann, Sigrid Meierhofer, 1. Bürgermeisterin (SPD) des Marktes Garmisch-Partenkirchen, Landrat Anton Speer (FWL), Peter Lingg, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Garmisch-Partenkirchen.
Fotos: © Gilsdorf / IHK