30.08.2016 - Landsberg

Bewerberlücke erreicht Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Landsberg am Lech haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs am 1. September sind noch 233 Lehrstellen frei. Damit zeichnet sich heuer eine Rekord-Bewerberlücke ab. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der unbesetzten Stellen noch einmal um über 80 zugelegt, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 735 Lehrlinge einstellen wollten, ist vorerst noch fast ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent, das sind acht Stellen weniger.

Über 230 freie Lehrstellen im Landkreis / Fast ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt“, ‎sagt Reinhard Häckl, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg am Lech.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 304 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis an, wie aus einer Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Das sind 29 Auszubildende (8,7 Prozent) weniger. Vor Jahresfrist meldete die IHK einen Rückgang von 6,2 Prozent bei den Ausbildungsverträgen.

Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis Landsberg am Lech sind Industriemechaniker, Industriekaufleute, Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Kaufleute für den Groß- und Außenhandel.

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu verbessern, schlägt Häckl eine bessere Berufs­orientierung an den Schulen vor: „Schülern und auch ihren Eltern muss viel besser vermittelt werden, dass eine abgeschlossene Lehre deutlich mehr Karrierepotenzial bietet als ein abgebrochenes Studium. Schüler und Eltern sollen mit Recht darauf stolz sein können, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden.“

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unter­nehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Landsberg am Lech zurzeit 213 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.