23.10.2018 - Landsberg

Wirtschaft braucht Fachkräftezuwanderungsgesetz dringender denn je

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© IHK

Laut IHK-Fachkräftemonitor fehlen heuer den Betrieben in der Region München etwa 71.000 Fachkräfte. Gut 4,9 Prozent der angebotenen Arbeitsplätze können nicht besetzt werden. Der Engpass verursacht 2018 in der Region volkswirtschaftliche Verluste in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Auch im Landkreis Landsberg am Lech werden beruflich qualifizierte Mitarbeiter für die Betriebe zunehmend zur Mangelware. Das betonte Reinhard Häckl, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg am Lech, auf dessen jüngstem Treffen in Kaufering: Die Aktivitäten der Unterneh­men zur Fachkräftesicherung haben angesichts dieser Situation viele Facetten – von gezielten Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung über die Qualifizierung geeigneter Bewerber bis hin zur Anwerbung von Fachkräften im Ausland.

Häckl: „Qualifizierte Mitarbeiter sind mittlerweile gesucht wie Stecknadeln im Heuhaufen"

Gastgeber Markus Wasserle, Geschäftsführer der Wasserle Gebäudereinigung, stellte dem Ausschuss sein Konzept zur Mitarbeiterbindung vor. Er setzt mit einem vielfältigen Maßnahmenmix, unter anderem einem Mitarbeiterkapital­beteiligungsmodell, darauf, das unternehmerische Denken seiner Mitarbeiter zu entwickeln und damit ihre Identifikation als Mitunternehmer zu fördern.

Im Fokus des Gastbeitrags von IHK-Fachkräfteexpertin Elfriede Kerschl stand das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz, dessen Eckpunkte das Bundeskabinett am 2.10.2018 verabschiedet hat. Die IHK für München und Oberbayern hatte sich an der politischen Debatte um eine gesteuerte Fachkräfte­zuwanderung, die wirksam auf die Engpässe am Arbeitsmarkt reagiert, mit einer Studie beteiligt. Diese Analyse von Zuwanderungsmodellen hatte das ifo Institut München durchgeführt. Das Ergebnis waren zentrale Vorschläge, die sich im Eckpunktepapier wiederfinden, unter anderem die Zuwanderungsoption zur Arbeitssuche. Laut Kerschl komme die Wirtschaft mit der hoffentlich baldigen Verabschiedung des Gesetzes ihrem Ziel, dass endlich auch die Zuwanderung von Qualifizierten aus Drittstaaten einfacher werde, einen entscheidenden Schritt näher.

Dass für die Fachkräftesicherung aber auch das bereits in Deutschland vorhandene Potenzial an qualifizierten oder zu qualifizierenden Menschen genutzt werden müsse, darüber waren sich die Unternehmer in der anschließen­den Diskussion einig. „Flüchtlinge werden zwar unser Fachkräfteproblem nicht lösen, aber sie sind ein wichtiges Puzzleteil in der Fachkräftesicherung, insbe­sondere wenn sie bereits als Fachkräfte tätig oder in Ausbildung sind. Es ist ökonomisch unverantwortlich und menschlich eine Katastrophe, wenn wir sie zum Nichtstun verdammen“, betonte Häckl.

Susann Schmid-Engelmann, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte beim Landratsamt Landsberg am Lech, stellte den vor kurzem eingeführten Bildungs­pass des Landratsamtes vor. Dieser soll künftig jeden Neuzugewanderten bei seinen persönlichen Initiativen für Bildung und Arbeit begleiten. In dem handli­chen Dokument können Neubürger ihre Fähigkeiten wie zum Beispiel erworbene Deutschkenntnisse oder die Teilnahme an Praktika und Fortbildungsmaßnahmen dokumentieren lassen. Sie verfügen damit bei der Arbeitssuche über wichtige Nachweise zur Vorlage bei potenziellen Arbeitgebern.