17.07.2018 - Landsberg

Starke Wirtschaft, aber schwacher Tourismus

Rund 0,43 Millionen Übernachtungen und 3,5 Millionen Tages­gäste zählte der Landkreis Landsberg gemäß Angaben der dwif Tourismus­beratung im Jahr 2015. Laut Reinhard Häckl, Vorsitzendem des IHK-Regional­ausschusses Landsberg am Lech, stimmten diese Zahlen sehr bedenklich: „Ins Verhältnis zu unseren 115.000 Einwohnern gesetzt belegen wir damit im oberbayerischen Vergleich nicht nur einen der hinteren Plätze, sondern verpassen auch wichtige Entwicklungschancen für die Region in einem der standorttreusten Wirtschafts­zweige.

Häckl: „Unternehmergeist wird ausgebremst“ / Staatliche Förderung notwendig ‎

Allein wenn ich an das westliche Ammerseeufer mit seinem offensichtlichen touristischen Potenzial denke, ist es unverständlich, dass sich bei Investitionen in Hotellerie und Gastronomie so wenig bewegt.“ Auch bei Dienstleistungen für den Tagungs- oder Seminar­tourismus ließen die Angebote im Landkreis zu wünschen übrig, meinte Häckl weiter. Engagierte Unternehmer wären da, doch ihre Bemühungen, Projekte zu realisieren, zögen sich häufig über Jahre hin. Das bestätigte auch Reinhard Klinke von Hardy’s Freizeit Sport & Event GmbH. Dabei seien die fehlenden personellen Ressourcen zur Bearbeitung von Bauanträgen in den Ämtern das eine Problem. Vielerorts erschwere aber auch die Kommunalpolitik das unternehmerische Engagement und es bestehe schlichtweg kein Interesse an wirtschaftlichen Investitionen, so Häckl weiter.

Mit großem Unverständnis begegneten die Unternehmer außerdem dem Fakt, dass die gesamte Ammersee-Lech-Region aus den Programmen der gewerb­lichen Regionalförderung der bayerischen Staatsregierung herausgefallen ist. „Laut Ministerratsbeschluss gehört das Gebiet zu den wirtschaftsstarken Räumen“, erläuterte Sylvia Stegmüller, Referatsleiterin Tourismuswirtschaft / Tourismusförderung im Bayerischen Wirtschaftsministerium. Laut Stegmüller habe die Staatsregierung den Tourismus als sogenannte Leitökonomie in Bayern sehr im Blick. Das unterstreiche auch die neue Tourismusinitiative der Regierung vom Juni dieses Jahres. Um Unternehmen aus dem Landkreis bei ihren Investi­tionsvorhaben doch zu unterstützen, verwies Stegmüller auf Förderprogramme anderer Ministerien, die eventuell zur Bezuschussung örtlicher Projekte heran­gezogen werden könnten. Beispielsweise sei die Ammersee-Lech-Region Teil des förderfähigen Gebiets im Rahmen des bayerischen LEADER Programms, das die Entwicklung ländlicher Regionen unterstützt.

Über die Digitalisierung, die große Herausforderung, der sich aktuell alle Tourismusbetriebe stellen müssen, berichtete Christian Nordhorn, Referent Tourismus bei der IHK für München und Oberbayern. „Inzwischen ist die Digitalisierung in allen Reisephasen angekommen. Das fängt bei der Online-Buchung an, geht über die digitale Begleitung des Gastes während seines Aufenthalts vor Ort bis hin zur für die Betriebe sehr wichtigen Bewertungsphase nach der Reise.“ Nordhorn stellte in diesem Zusammenhang Angebote aus der oberbayerischen Tourismus-Initiative „Echt digital“ vor, mit denen vor allem kleinen Betrieben geholfen werden soll, den Schritt über die digitale Schwelle zu gehen.