04.07.2018 - Bad-Tölz-Wolfratshausen

Tourismus in Bad Tölz: Entwicklung mit angezogener Handbremse

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Die Wertigkeit des Tourismus und dessen Bedeutung für die Kurstadt kommen in der Öffentlichkeit nicht an. Dieses Fazit zieht der IHK-Regionalausschuss Bad Tölz-Wolfratshausen in seiner jüngsten Sitzung in der eMotion-Base der Jugendherberge Bad Tölz. Nach der Strukturänderung ab Ende 1990-er Jahre sei die Branche eigentlich gut aufgestellt, erklärt Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter: „Lage, Anbindung und Infrastruktur von Bad Tölz sind einzigartig und ein klarer Standortvorteil gegenüber anderen Destinationen.“

Arbeitssitzung des IHK-Regionalausschusses in der eMotion-Base Bad Tölz

Allerdings gibt es auch Nachholbedarf. „Es fehlen qualitativ hochwertige und zeitgemäße Betten in jeder Kategorie. Dieses Ergebnis aus der kürzlich vorgestellten Bedarfsanalyse hat bei vielen für Ernüchterung gesorgt“, so Hohenreiter. Zusätzliche Angebote in Form neuer Hotels zu schaffen, sei aber schwierig: „Obwohl der Tourismus wesentlich zum Wohlstand der Stadt beiträgt, sperren sich Bürger und leider auch Unternehmer gegen dringend notwendige Projekte“, kritisiert die Tourismusdirektorin. Laut den Zahlen der Wirtschaftsförderung erwirtschaftet der Fremdenverkehr einen Bruttoumsatz von jährlich über 86 Millionen Euro, die Hälfte davon sind Einkommenseffekte.

Unterstützung kommt von Renate Waßmer, stellvertretende Vorsitzende des Regionalausschusses: „Infrastrukturprojekte erhalten immer weniger Unterstützung in der Gesellschaft, diese Haltung macht auch vor neuen Hotels nicht Halt. Das ist leider die Kehrseite eines wohlhabenden Standortes wie Oberbayern.“ Eine solche Einstellung gefährde aber die Zukunft des Standortes: „Deshalb müssen wir uns als Stimme der regionalen Wirtschaft mehr als bisher aktiv in die öffentliche Meinungsbildung mit einbringen“, so Waßmer.

Die Digitalisierung der Tourismusbranche war ein weiteres Thema der Sitzung. Zu den wichtigsten Trends gehören laut IHK-Experten Christian Nordhorn unter anderem die Nutzung von Big Data für möglichst individuelle Kundenangebote sowie das Potential von virtueller und erweiterter Realität – Stichwort augmented reality. „Die sogenannte „customer journey“ des Kunden wird sich durch diese Elemente noch weiter verändern“, ist Nordhorn überzeugt. Wichtig sei deshalb, dass vor allem kleinere Unternehmen ihre digitalen Kompetenzen stärken.

Laut einer IHK-Umfrage in Oberbayern nutzt ein Großteil der Betriebe mit weniger als elf Betten keine kommerzielle Online-Buchungsplattform. Fast ein Drittel von ihnen bewertet die eigenen Website-Fachkenntnisse als eher nicht gut, beim Thema Suchmaschinenoptimierung sind es über 40 Prozent. Mit der Initiative „Oberbayern echt digital“ bietet die IHK deshalb Workshops und Fortbildungen für Betriebe aus der Tourismusbranche an.