18.07.2016 - Weilheim - Schongau

Noch mehr als 270 freie Lehrstellen im Landkreis ‎Weilheim-Schongau

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Die Betriebe im Landkreis Weilheim-Schongau haben auch heuer große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis wieder viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind im Landkreis Weilheim-Schongau noch 279 Lehrstellen frei, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

Gleichzeitig sind 242 unversorgte Bewerber gemeldet. „Die Erfahrung der Vorjahre zeigt, dass die Bewerberzahl am Ende deutlich kleiner ausfällt, da sich viele Schulabgänger bis September noch für einen anderen Bildungsweg entscheiden oder trotz des großen Angebots keinen passenden Ausbildungsplatz finden“, befürchtet Herbert Klein, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau. 2015 blieben zu Beginn des Ausbildungsjahres rund 200 Lehrstellen unbesetzt.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Herbert Klein, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Klein. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders deutlich zeigt sich der Azubi-Mangel im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch 95 Stellen frei, aber nur 31 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Klein unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Köche, Hotelfach- oder Kaufleute Büromanagement gesucht.“‎

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Klein die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. Aktuell bereiten sich im Landkreis Weilheim-Schongau etwa 70 jugendliche Asylbewerber in vier Berufsintegrationsklassen auf das Berufsleben vor. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Klein.

Insgesamt sind zurzeit 261 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎