18.07.2016 - Garmisch-Partenkirchen

Noch mehr als 240 freie Lehrstellen im Landkreis ‎Garmisch-Partenkirchen

Gruppe von glücklichen Studenten mit Lehrer und Tablet Computer in der Universität
© © Robert Kneschke

Garmisch-Partenkirchen – Die Betriebe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über
70 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Bewerberlücke bleibt groß

Garmisch-Partenkirchen – Die Betriebe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über 70 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 249 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 175 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Peter Lingg, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Garmisch-Partenkirchen, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Lingg. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders dramatisch stellt sich der Azubi-Mangel im Hotel- und Gaststättengewerbe dar. Für angehende Hotel- und Restaurantfachleute sowie Köche sind noch 92 Stellen frei, aber nur 16 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Lingg unterstreicht, dass der Bewerbermangel durch viele Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Fachverkäufer oder auch Kaufleute für Büromanagement gesucht.“‎

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Lingg die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.

‎‎Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bereiten sich derzeit etwa 70 ‎jugendliche ‎Asylbewerber in vier Berufsintegrationsklassen auf das Berufsleben vor. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Lingg.

Insgesamt sind aktuell 199 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.