18.07.2016 - Bad-Tölz-Wolfratshausen

Bewerberlücke bleibt groß

ausbildung_info

Wolfratshausen – Die Betriebe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über 160 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Noch mehr als 330 freie Lehrstellen im Landkreis / Große Hürden für Flüchtlinge‎

Wolfratshausen – Die Betriebe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen des Landkreises über 160 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 336 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 170 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Reinhold Krämmel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Krämmel. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders deutlich zeigt sich der Azubi-Mangel im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch 71 Stellen frei, aber nur 28 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Krämmel unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Kraftfahrzeugmechatroniker, Köche oder Hotelfachleute gesucht.“‎

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Krämmel die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.

Aktuell bereiten sich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen etwa 70 jugendliche Asylbewerber‎ in vier Berufsintegrationsklassen auf das Berufsleben vor „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Krämmel.

Insgesamt sind derzeit 281 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.