24.11.2017 - Bad-Tölz-Wolfratshausen

Wohnraummangel bleibt Dauerbrenner im Landkreis ‎

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Wie kann im Landkreis mehr und vor allem bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, diese Frage diskutierten die Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen gemeinsam mit Landrat Josef Niedermaier (FW) und elf Bürgermeistern aus Landkreis­kommunen in ihrer jüngsten Arbeitssitzung. „Das Thema ist äußerst komplex. Angesichts eines prognostizierten Bevölkerungswachstums von über zehn Prozent bis 2035, das heißt von heute rund 125.000 Einwohnern im Landkreis auf etwa 137.000, müssen wir das Problem jetzt anpacken und gemeinsam und beharrlich Lösungsansätze diskutieren. Der Wohnraummangel wird uns über Jahrzehnte nicht loslassen, wir brauchen deshalb kurz- und langfristige Lösungen“, mit diesen Worten eröffnete Reinhold Krämmel, Vorsitzender des Regionalausschusses, die Dialogrunde mit den Vertretern der Kommunalpolitik.

Krämmel: „Müssen beharrlich an Lösungen arbeiten, es gibt kein Patentrezept“‎

Dass sich die IHK, die sich aus ihrer gesetzlichen Verpflichtung heraus für gute Standortbedingungen ihrer Mitgliedsunternehmen einsetzt, intensiv mit dem Thema beschäftigt, führte Martin Drognitz, Leiter des Referats Mittelstand, Handel, Tourismus und Dienstleistungen bei der IHK für München und Ober­bayern, vor Augen. Er stellte sieben im Dialog mit den Mitgliedsunternehmen erarbeitete Lösungsansätze vor, für die sich die IHK auf allen politischen Ebenen und bei den Verwaltungen stark macht. Sei es die Optimierung der politischen Rahmenbedingungen, die Mobilisierung von Bauland, das Senken der Baukosten, die Beschleunigung von Bauprojekten dank schnellerer Genehmigungsverfahren oder neue Vorgehensweisen bei arbeitgebergeförder­tem Bauen – Drognitz stellte einige Optionen in den Raum, mit denen die schwierige Situation beeinflusst werden kann. Mit direktem Bezug auf München verwies er auf ein dringend erforderliches Ballungsraumkonzept für den Wirtschaftsraum Oberbayern. In diesem sollten beispielsweise auch die umfassenden Pendlerströme Berücksichtigung finden. „Entscheidend sei ein Denken in Funktionsräumen, das heißt über Landkreisgrenzen und selbst die Grenzen der oberbayerischen Planungsregionen hinaus“, so der IHK-Experte.

In der anschließenden Diskussion ergriffen zahlreiche Bürgermeister das Wort. Einigkeit herrschte unter ihnen, dass die Kommunen aus eigener Kraft den in den kommenden Jahrzehnten erforderlichen Wohnungsbau nicht stemmen können. Bürgermeister Michael Müller (CSU) aus Geretsried appellierte an das Engagement der Unternehmerschaft, wenn es um den arbeitgebergeförderten Wohnungsbau geht. Robert Obermeier, Chef-Volkswirt der IHK für München und Oberbayern, bestätigte das große Interesse der Wirtschaft an dieser Lösung. Gleichzeitig führte er ins Feld, dass das aktuelle Mietrecht und steuerliche Regelungen zum geldwerten Vorteil jegliche Attraktivität solcher Projekte für interessierte Unternehmen zunichtemachten. Weiterhin wünschten die Bürgermeister, dass die regionale Wirtschaft bei öffentlichen Diskussionen von kritisierten Bauprojekten stärker ihrer Sichtweise einbringt, Stichwort Fachkräftemangel aufgrund von fehlendem Wohnraum. Damit würde in der öffentlichen Debatte auch eine weitere Perspektive wahrgenommen, die gegebenenfalls zu neuen Denkanstößen führt.

Den Abend zusammenfassend betonte Krämmel: „Der heutige Dialog hat deutlich gezeigt, wie wichtig der regelmäßige Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist. Nur so können wir unsere jeweiligen Sichtweisen einbringen, mit Missverständnissen aufräumen oder auch Kritik an den Mann bringen. Im nächsten Schritt müssen wir gemeinsam überlegen, wie Kräfte gebündelt und Konsens geschaffen werden kann. Ich bin zuversichtlich, dass wir alle aus unseren Gesprächen heute eine Anregung, einen Gedanken oder einen Impuls mitnehmen, der gegebenenfalls auch erst auf lange Sicht zur Lösung unserer Probleme beiträgt. Im Hinblick darauf ist es wichtig und richtig, dass wir 2018 unseren Dialog zwischen Wirtschaft und Kommunalpolitik fortführen.“