14.11.2017 - Weilheim - Schongau

Verantwortungsvolles Unternehmertum ist Gebot der Stunde ‎

© IHK

Ist das Wirtschaftsmodell der Gemeinwohlökonomie geeignet für einen Standort wie den Landkreis Weilheim? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau in ihrer jüngsten Sitzung im Druckzentrum Penzberg. „Wir Unter­nehmer, die davon unmittelbar betroffen wären, wenn eine Stadt wie Weilheim dieses Modell in ihrem Leitbild verankert, müssen wissen, was dahinter steckt und wie es sich auf die regionale Wirtschaft auswirken würde“, lauteten deshalb die eröffnenden Worte von Herbert Klein, Vorsitzender des IHK-Regional­ausschusses.

Klein: „IHK sieht Wirtschaftsmodell der Gemeinwohlökonomie kritisch“‎

Zum besseren Verständnis der Unternehmer stellte Alexander Rossner, Rechts­anwalt und Vorstandsmitglied der Zukunftswerk eG, die Grundsätze und Inhalte der Gemeinwohlbilanz auf Basis der Gemeinwohlökonomie, beeinflusst durch die Ausarbeitungen von Christian Felber, vor. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Rolle der sogenannten Gemeinwohlbilanz, die vom Betrieb aufzustellen ist. Diese zeigt dem Unternehmer innerhalb einer vorgegebenen Matrix auf, wie verantwortungsbewusst beziehungsweise nachhaltig das Unter­nehmen gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder der Gesellschaft aufgestellt ist.

Dass es unterschiedliche Modelle zur Bewertung nachhaltigen unternehmeri­schen Handelns für die Wirtschaft gibt, darauf verwies Gerti Oswald, CSR (Corporate Social Responsibility)-Verantwortliche der IHK für München und Oberbayern. „Mit dem Ehrbaren Kaufmann hat die Unternehmerschaft bereits ein Leitbild für verantwortliches Wirtschaften, das moderner denn je ist. Seit 2011 rückt die IHK die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen verstärkt ins Rampenlicht. Ziel der IHK ist es, dass Unternehmen die soziale, ökologische und zugleich ökonomische Verantwortung auch zunehmend in ihrer Unternehmens­strategie verankern, um so die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zu sichern“, so Oswald. „Fakt ist aber auch, dass unsere Unternehmen bereits sehr viel in Sachen Nachhaltigkeit tun. Sie müssen es nur deutlicher zeigen“, erläuterte die CSR-Verantwortliche weiter. Eine Möglichkeit ist beispielsweise die Anwendung des Berichtsstandard Deutscher Nachhaltigkeitskodex, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung 2011 verabschiedet hat. Als von Unternehmen jeder Größe und Rechtsform einsetzbares Instrument macht er unternehmerische Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar und für Außenstehende besser vergleichbar. Außerdem beschreibt er Mindestanforderungen für die berichtenden Unternehmen.

In der anschließenden Debatte wurde schnell deutlich, dass der IHK-Regional­ausschuss Weilheim-Schongau die regionalen Mitgliedsunternehmen in ihrer verantwortungsvollen Unternehmensführung bestärken möchte und sie ermutigt, die ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung ganz bewusst als Erfolgsfaktor in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren.

Gleichzeitig wurde klar, dass die meisten Mitglieder des Ausschusses dem Wirtschaftsmodell der Gemeinwohlökonomie nach Christian Felber kritisch gegenüberstehen. „Eine nach den Zielen der Gemeinwohlökonomie gestaltete Wirtschaftsordnung würde den Grundgedanken der sozialen Marktwirtschaft widersprechen. Insofern widerspricht dieser Ansatz auch dem ordnungspoliti­schen Rahmen der IHK“, so Klein. Der Vorsitzende betonte abschließend: „Natürlich muss es gemeinsames Ziel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein, Ideen und Lösungsansätze für ‎eine nachhaltige Entwicklung aufzustellen. Diese müssen aber für alle Beteiligten realisierbar und auf Basis der sozialen Marktwirtschaft umsetzbar sein. Nur so kann sich unsere Region zukunftssicher aufstellen.“

Zu Gast im Druckzentrum Penzberg: Die Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau besichtigen im Vorfeld ihrer Sitzung das Druckzentrum Penzberg.