16.08.2017 - Weilheim - Schongau

Gute Konjunktur und höhere Hebesätze lassen Gewerbesteuern sprudeln

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Die boomende Wirtschaft sorgt für sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. So konnten die Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau im vergangenen Jahr Gewerbesteuern in Höhe von über 70,3 Millionen Euro einnehmen und damit einen Zuwachs um 11,6 Prozent gegenüber 2015 erzielen. Die Gewerbesteuer stand 2016 für 44,9 Prozent der kommunalen Steuereinnahmen im Landkreis. 2015 waren es 42,7 Pro­zent.

Bauer: „Belastung für die Wirtschaft steigt“ / Augenmaß der Kommunen gefordert

Zusätzlich sichern sich immer mehr Gemeinden einen höheren Anteil an den Firmengewinnen, indem sie die Hebesätze erhöhen. „Die Belastung der Betriebe durch die Gewerbesteuer steigt“, warnt Klaus Bauer, stellvertretender Vorsitzender des
IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau. Im vergangenen Jahr hoben fünf der
34 gewerbesteuerberechtigten Gemeinden im Landkreis ihre Gewerbesteuerhebesätze an. Oberbayernweit waren es 52 von 500. Senkungen gab es im Landkreis keine, so die Auswertung des Bayerischen Landesamts für Statistik.

Bauer betont, dass der durchschnittliche Hebesatz im Landkreis in Höhe von 342 Prozent sowohl über dem oberbayerischen (333 Prozent) als auch dem bayerischen (338 Prozent) liegt. Laut Bauer sind die Betriebe im Landkreis besonders belastet. So haben in den vergangenen zehn Jahren 26 der 34 Gemeinden ihre Gewerbesteuerhebesätze erhöht. Durchschnittlich stieg der Hebesatz in diesem Zeitraum um 33 Prozentpunkte. „Zu dieser Entwicklung hat auch eine der oberbayernweit höchsten Kreisumlagen beigetragen, die die Gemeinden an den Landkreis zu erbringen haben“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende. Die IHK forderte deshalb bereits 2014 Kreistag und Kreisräte auf, sich am obersten Prinzip des sparsamen Umgangs mit Steuermitteln zu orientieren. Bauer zufolge ist die Höhe der Gewerbesteuern ein wichtiger Standortfaktor und beeinflusst die Standortwahl der Betriebe. „ Die Gemeinden müssen bei den Gewerbesteuern mehr Augenmaß walten lassen. Niedrigere Hebesätze geben der Wirtschaft mehr Luft zum Atmen und Investieren und helfen damit, unseren Standort langfristig zu sichern“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende. Bauer kritisiert außerdem, dass durch Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer nicht nur Gewinne besteuert würden, sondern auch anfallende Kosten wie Zinsen, Mieten oder Leasingraten und damit die Substanz der Betriebe.

Spitzenreiter beim Gewerbesteuerhebesatz waren 2016 die Gemeinden Bernbeuren, Bernried, Burggen, Hohenfurch, Peißenberg, Peiting, Raisting, Schongau, Steingaden, Weilheim, Wessobrunn und Wielenbach mit jeweils 380 Prozent. Den niedrigsten Hebesatz riefen mit 300 Prozent die Gemeinden Hohenpeißenberg, Huglfing und Prem auf.

Die IHK-Broschüre „Gewerbesteuer in Oberbayern“ mit rechtlichen Grundlagen und allen oberbayerischen Hebesätzen ist unter www.ihk-muenchen.de/gewerbesteuer verfügbar.