18.07.2017 - Weilheim - Schongau

Arbeitsperspektiven für Flüchtlinge: Unternehmer brauchen klare Vorgaben

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© IHK

Unternehmen sind nach wie vor unsicher, wenn es um die Beschäftigung oder Ausbildung von geflüchteten Menschen geht. Ihr Aufklärungsbedarf ist weiterhin sehr hoch, so dass die Informationen von Amadou Ndiaye, Integrationsberater der IHK für München und Oberbayern, auf der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau auf weit geöffnete Ohren stießen. Ndiaye, der die Unter­nehmen im Landkreis Weilheim-Schongau auch in Einzelfällen berät, ist mit allen Aspekten rund um die Einstellung von Flüchtlingen sehr gut vertraut.

Klein: „Integration von Geflüchteten ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe“‎

Neben den Beratungsangeboten der IHK stellte Ndiaye auch einen neuen Berufseignungstest für Geflüchtete und Migranten vor. In dem sogenannten Kompetenzcheck können Arbeit­suchende mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen mittels Text- und Bildfragen umfassende Angaben zu ihrem Bildungsweg und ihrer Berufs­erfahrung machen. Anhand des erstellten Profils können sie dann passgenau in den Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Wie wichtig die Vernetzung aller Akteure ist, die an der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt mitwirken, unterstrichen auch die Beiträge von Angelika Schwarzenberger vom Jobcenter Weilheim-Schongau und von Bianca Kunz-Mohamed von der Agentur für Arbeit in Weilheim. Mit Ndiaye stellten sie sich in der Diskussion den zahlreichen Fragen der Unternehmer. Die Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, ist weiterhin sehr groß, aber ebenso groß ist auch der Beratungsbedarf. Die Unsicherheit über die Umsetzung der sogenannten 3+2-Regel war deutlich spürbar. So besagt diese Regel, dass Geflüchtete in einer qualifizierten Berufsausbildung für die drei Jahre der Ausbildung und zwei anschließende Jahre nach deren erfolgreichem Abschluss ein Bleiberecht bekommen.

Für Herbert Klein, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, war mit Blick auf die Services von IHK, Jobcenter und Agentur für Arbeit eines offensichtlich: „Als Unternehmer haben wir uns von Anfang an in der Integration von Geflüchteten engagiert, weil wir von dieser gesellschaftlichen Verantwortung überzeugt waren und sind. Es ist zu begrüßen, dass es endlich rund um die Integration der Geflüchteten funktionierende Strukturen gibt, von denen auch die Wirtschaft profitiert. Damit wir die Integration erfolgreich voranbringen, müssen wir alle Hand in Hand arbeiten und brauchen dafür vor allem klare Vorgaben von Seiten der Politik. Ich denke, inzwischen sind wir in dieser Hinsicht auf einem guten Weg.“

Zu Gast bei K&L Ruppert

Gastgeber der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses war die Firma K&L Ruppert in Weilheim. Das 1962 gegründete Familienunternehmen wird heute von Susanne Ruppert, der Tochter des Gründers Karl Ruppert, geführt. Derzeit sind rund 1.400 Mitarbeiter bei K&L Ruppert beschäftigt. Mit etwa 100 Auszubildenden zählt das Unternehmen zu den größten Ausbildungsbetrieben im bayerischen Textil-Einzelhandel.