29.05.2017 - Berchtesgadener-Land

Wirtschaft im Berchtesgadener Land hat die Bundestagswahl im Blick

Wenige Monate vor der Bundestagswahl hat der IHK-Regional-ausschuss Berchtesgadener Land die wichtigsten wirtschaftspolitischen Positionen besprochen. Bei der Sitzung in der Freilassinger Lokwelt erklärte die Ausschussvorsitzende Irene Wagner: „Von der künftigen Regierung erwarten wir uns als Wirtschaft konkrete Entscheidungen in Zeiten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche. Insgesamt muss die Wirtschaftspolitik mittelstandsfreundlicher als bisher gestaltet werden“.

Wagner: „Wirtschaftspolitik muss mittelstandsfreundlicher werden“

Um die Interessen und Forderungen der Mitgliedsunternehmen zu bündeln, hat die IHK bereits insgesamt 23 zweiseitige Positionspapiere zu allen relevanten Themengebiete erstellt und den Parteien und Kandidaten zur Verfügung gestellt.

Eines der Hauptanliegen ist und bleibt die Fachkräftesicherung. Die IHK fordert unter anderem die Erhöhung der Erwerbstätigkeit bei Frauen und die Erleichterung einer Beschäftigung im Rentenalter. Damit ist es allerdings noch nicht getan. Im Zuge der Digitalisierung müssten ebenso einige Rahmenbedingungen der Arbeitswelt angepasst werden, erklärt Elfriede Kerschl, Referatsleiterin Fachkräfte bei der IHK. „Insbesondere die Arbeitszeitregelungen müssen der gestiegenen mobilen Erreichbarkeit und dem Home Office Rechnung tragen. Es sind gerade die Mitarbeiter, welche immer häufiger den Wunsch nach einer höheren Flexibilität der Arbeitszeiten äußern“.

Eine Aussage, die von vielen Unternehmern im Regionalausschuss bestätigt worden ist. „Unsere Praxiserfahrung zeigt: Viele Betriebe wollen das große Potential durch die Digitalisierung umsetzen. Nach wie vor werden sie aber durch eine Reihe von gesetzlichen Vorschriften zur Arbeitsorganisation behindert. Hier muss die Politik handeln“, erklärt Niclas Schubert, Vorstandsmitglied der makrohaus AG in Bad Reichenhall.

Ein weiterer bundespolitischer Schwerpunkt betrifft den freien Handel. Wie Alexander Lau, stellvertretender Bereichsleiter Außenwirtschaft der IHK erklärt, vermelden 35 Prozent der bayerischen Unternehmen eine Zunahme der Handelsbarrieren. „Mit einer Abschottung der nationalen Märkte ist niemandem geholfen. Schon gar nicht den Betrieben in einer Grenzregion wie dem Berchtesgadener Land. Mehr denn je ist es deshalb so wichtig, sich für neue Freihandelsabkommen einzusetzen“, ist Irene Wagner überzeugt.

Doch auch im Handel innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten sieht die IHK Arbeit für die Bundespolitik. Besonders bei den Dienstleistungen bestätigten die Mitglieder im Regionalausschuss trotz des europäischen Binnenmarktes weiterhin zu viele nationale Hürden. Der bürokratische Aufwand, um wenige Kilometer hinter der Grenze in Salzburg tätig sein zu dürfen, sei oftmals in keiner Weise verhältnismäßig, so der allgemeine Tenor im Gremium. Eine erste wichtige Hilfestellung für die Betriebe konnte Lau mit dem IHK-Dienstleistungskompass bereits ankündigen. Auf einer eigenen Website werden alle Vorschriften und Regelungen für die 15 wichtigsten EU-Handelspartner kompakt gesammelt und zur Verfügung gestellt, die Veröffentlichung ist im kommenden Halbjahr geplant.

Die gesammelten wirtschaftspolitischen Positionen der IHK zur Bundestagswahl sind online unter ihk-muenchen.de/de/Wirtschaftsstandort/Bundestagswahl-2017 öffentlich verfügbar.