11.02.2016 - Berchtesgadener-Land

"Azubi-Rekrutierung wird für Betriebe zur Herausforderung"

Im Berchtesgadener Land absolvieren wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung: Insgesamt ‎stellten die Betriebe aus Industrie, Handel und ‎Dienstleistung im vergangenen Jahr 369 ‎Auszubildende neu ein, 12,5 Prozent mehr als im Jahr 2014. Damit koppelt sich der ‎Landkreis deutlich vom oberbayerischen Trend ab. Hier ging die Anzahl der ‎Neu-Verträge um 0,3 Prozent zurück. Dies geht aus der aktuellen ‎Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern für das Jahr 2015 hervor.‎

Entgegen dem Trend stellten Unternehmen im Landkreis 2015 mehr Lehrlinge ein

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es wird auch für die Betriebe im Landkreis immer schwieriger, geeignete und genügend Azubis zu rekrutieren“, sagt Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Gremiums Berchtesgadener Land. Verstärkt ausgebildet wird im Landkreis vor allem in den gewerblich-technischen Berufen (plus 31 Prozent) und hier allen voran in der Metalltechnik (58 Neu-Verträge/ Vorjahr 46) und in der Elektrotechnik (20 Neu-Verträge/Vorjahr 9). Aber auch Ausbildungen in den kaufmännischen Berufen haben zugenommen (plus 6,8 Prozent). Dabei konnten insbesondere der Einzelhandel (92 Neu-Verträge/Vorjahr 70) und das Hotel- und Gastgewerbe (58 Neu-Verträge/Vorjahr 50) mehr Lehrlinge einstellen.

„Trotz dieser erfreulichen Bilanz ist es höchste Zeit, zu handeln. Ansonsten läuft uns langfristig der Fachkräftemangel aus dem Ruder“, mahnt Wagner. Erforderlich seien vor allem gesellschaftliches Umdenken und die Abkehr vom vorherrschenden Akademisierungswahn. „Die duale Ausbildung muss wieder als attraktive und echte Alternative zum Studium wahrgenommen werden“, fordert die Gremiumsvorsitzende. Noch immer würden die Karrierechancen nach der betrieblichen Ausbildung und die ‎Fortbildungsmöglichkeiten über Meisterkurse bis zum Hochschulstudium unterschätzt.‎

‎Zugleich müsse die rasche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt weiter vorangetrieben werden. „Das von den bayerischen IHKs entwickelte ‚3+2 Modell‘ hat letztendlich ‎bewirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎nicht nur für die ‎Dauer ‎ihrer ‎dreijährigen Ausbildungszeit ein ‎Bleiberecht haben, sondern darüber ‎hinaus auch ‎in ‎den fol‎genden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen“, so die IHK-Gremiumsvorsitzende.‎‎ ‎

Derzeit erlernen im Landkreis Berchtesgadener Land 62 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder ‎Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den ‎insgesamt 924 ‎Auszubildenden in IHK-Berufen liegt ‎momentan bei 6,7 Prozent. ‎In drei Berufsintegrationsklassen werden außerdem mehr als 50 ‎jugendliche ‎Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet. ‎

‎‎Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die ‎Wirtschaft ‎selbst in Vorleistung gehen‎: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen ‎Euro ‎für ‎berufs- und ‎ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den ‎Aufbau ‎von ‎Unterstützungsstrukturen oder ‎die spezifische Fortbildung von Ausbildern ‎für ‎Flüchtlinge ‎zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ersten Leitfaden mit allen wichtigen ‎Informationen ‎rund um die Themen Ausbildung und Beschäftigung von ‎Asylbewerbern ‎zusammengestellt (abrufbar unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge). ‎‎„All ‎diese ‎Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden aber erst langfristig ‎greifen“, ‎betont Wagner.‎

Insgesamt sind zurzeit 237 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎